Doch noch einmal Walfang in Island

Eigentlich sollte der kommerzielle isländische Walfang bereits in diesem Jahr nicht mehr stattfinden. Das jedenfalls hatte die isländische Regierung im Sinn. Doch nun könnten isländische Harpunenkanonen zum letzten Mal Finnwale vor der Insel im Nordatlantik töten. Kristjan Loftsson, Eigentümer des Walfangunternehmens, Hvalur hat angekündigt, mit seinen vier Walfangschiffen die ihm bis 2023 zustehende Quote von 209 Finnwalen auszuschöpfen. Die ersten Finnwale soll Hvalur traditionell am 17. Juni, dem isländischen Nationalfeiertag, angelandet haben. Damit bestätigt der 79-Jährige Loftsson einmal mehr seinen Ruf als skrupelloser Geschäftemacher und stößt viele seiner Landsleute vor den Kopf. Sie wissen um den internationalen Imageschaden, den die bei Whalewatchern beliebte Insel damit erleidet.

Kein Walfang in Island seit 2019

Wirtschaftlich macht die Ankündigung von Loftsson keinen Sinn. Es gibt keinen nennenswerten Absatzmöglichkeiten für isländisches Walfleisch. Daher hatte es seit 2019, trotz vorhandener Fangquoten, keinen Walfang der Isländer mehr gegeben. Die Schiffe blieben an ihren Liegeplätzen.

Finnwal mit Blas von oben.

Finnwal. Foto: Wayne Hoggard/NOAA

Zu Beginn des Jahres 2022 erklärte Svandís Svavarsdóttir, isländische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei, deutlich, dass die Regierung den Walfang nicht mehr unterstützt und es ab 2024 keine neuen Quoten geben wird. „Es muss nachgewiesen werden, dass eine Erneuerung der Fangrechte wirtschaftlich vertretbar ist“, sagte Svavarsdóttir.  „Warum sollte Island das Risiko eingehen, eine Fischerei aufrechtzuerhalten, die keinen wirtschaftlichen Nutzen gebracht hat, um ein Produkt zu verkaufen, das kaum gefragt ist? Alles in allem gibt es kaum einen Grund, den Walfang nach 2024 zuzulassen.“

Auslaufmodell Walfang in Island

In Island gab es nur einen begrenzten lokalen Markt für Zwergwalfleisch. Außerdem gelang es nicht, mit Japan und Norwegen einen Exportmarkt für Finnwalfleisch zu etablieren. Walfleisch wurde zum Ladenhüter, Walfang zunehmend unwirtschaftlich. Hinzu kommt, dass das Töten der großen Meeressäuger im Land selbst immer unpopulärer wurde. Whalewatching erfreut sich in Island großer Beliebtheit und ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für das kleine Land.

Bereits 2018 hatte IP-Utgerd, eine von zwei isländischen Walfangfirmen, den Zwergwalfang aus wirtschaftlichen Gründen frühzeitig eingestellt. Nach sechs erlegten Tieren aus einer Quote von 217. In der Folge gab IP-Utgerd bekannt, von nun an auf Seegurken-Fischerei umzusteigen.

Harpunierten isländische Walfänger einen Blauwal?

Das andere in Island tätige Walfangunternehmen, Hvalur mit seinem Chef Kristjan Loftsson, ist dagegen auf die Finnwaljagd spezialisiert. Loftsson beschädigte das Image Islands als Walbeobachternation erheblich, als seine Walfänger 2018 wahrscheinlich einen der auch in Island streng geschützten Blauwale harpunierten. Anschließend behauptete Loftsson, es habe sich um einen Hybrid (Kreuzung) aus einem männlichen Finnwal und einem Blauwalweibchen gehandelt. Während die vom Aussterben bedrohten Blauwale gesetzlich geschützt sind, trifft dies auf Hybride nicht zu.

Walfang in Island: Wurde ein Blauwal harpuniert?

War es ein Blauwal oder ein Hybrid, den isländische Walfänger harpunierten? Foto: hard to port

Im Anschluss an diese Verschleierungsaktion forderten 17 Wissenschaftler, dass Island den Walfang bis zur Klärung einstellt. Darunter auch ITAW-Leiterin Ursula Siebert von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Hybride – selten und nicht geschützt

Kreuzungen zwischen unterschiedlichen Walspezies sind selten. Meist kommt dies zwischen Finn- und Blauwalen vor. Zwischen 1983 bis 1989 erlegten isländische Walfänger nachweislich drei Furchenwalhybriden.

Blauwal und Finnwal: geschützte Arten

Sowohl Finn- als auch Blauwal stehen unter Schutz. Auch wenn sich der Blauwalbestand seit Ende der Walfangzeit leicht erholt haben soll, so gehen Expertenschätzungen von weltweit nur noch 10.000 bis 25.000 Tieren aus. Dies entspricht etwa 3 bis 11 % des Bestands von 1911! Mit zu knapp 34 m Länge sind Blauwale (Balaenoptera musculus) die größten lebenden Tiere der Erde. Danach kommen Finnwale mit bis zu knapp 23 m Länge (die Exemplare auf der Südhalbkugel sind sogar noch größer).

Die Population der Finnwale im Nordatlantik betrug im Jahr 2000 groben Schätzungen zufolge 53.000 Individuen. Finnwale (Balaenoptera physalus) stehen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) als gefährdet.


Walfangländer

Island, das wie Norwegen und Japan trotz des Verbots des kommerziellen Walfangs weiterhin Wale jagte, operierte zunächst – wie Japan – unter dem Deckmantel der Wissenschaft. 1992 verließ das nur knapp 350.000 Einwohner zählende Land die Internationale Walfangkommission (IWC). 2003 trat man erneut bei, verweigerte jedoch die Anerkennung des von der IWC 1982 beschlossenen und 1986 in Kraft getretenen Walfangverbots.

Gegen erbitterte Proteste zahlreicher Meeresschutzorganisationen hatte Island dann 2006 den kommerziellen Walfang wieder aufgenommen. Hauptsächlich Finnwale, die zweitgrößten Tiere der Welt, und Zwergwale fielen den Harpunenkanonen der Nordmänner zum Opfer.

Derzeit betreiben Japan und Norwegen aktiv kommerziellen Walfang. Bis zum Austritt aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) 2018 hatten japanische Walfänger bereits Jahrzehnte lang unter dem Deckmantel eines sogenannten wissenschaftlichen Walfangs operiert.

Daneben jagen indigene Gruppen, wie z. B. die Inuit, aufgrund zugewiesener Quoten Wale. Meist ist dies nicht nachhaltig und ähnlich grausam wie der kommerzielle Walfang.

Foto oben: Walfangboot „Hvalur 8“. Sven Koschinski/DSM


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