Isländer fordern: Kein Walfang in Island

Am 22. Juni 2026 war es so weit: laut eines Berichts der isländische Nachrichtenseite RÚV starben zwei Finnwale durch isländische Walfänger. Es waren die ersten Opfer der Saison 2026 und die ersten beim Walfang vor Island getöteten Finnwale seit 2023.1

Immer mehr Einheimische sprechen sich gegen den Walfang in Island aus, bislang allerdings vergeblich. Erst am 6. Juni 2026 hatte die isländische Organisation Hvalavinir (Freunde der Wale) die Ministerin für Industrie und Handel, Hanna Katrína Friðriksson, aufgefordert, die Walfangquoten für Finn- und Zwergwale für die Saison 2026 auf null zu setzen. Gleichzeitig sollen die Arbeiten an dem Gesetz für ein dauerhaftes Verbot des isländischen Walfangs beschleunigt werden.2 Das Walfangunternehmen Hvalur hf. von Kristján Loftsson hält eine Lizenz zur Tötung vom 150 Finnwalen für das Jahr 2026. Außerdem besteht eine Quote für 168 Zwergwale, für die sich wahrscheinlich kein Interessent finden wird.

Gemeinsam mit einer Phalanx aus internationalen Wissenschaftlern, Juristen und Naturschützern unterstützen wir den Aufruf von Hvalavinir.

Kernaussagen der Erklärung von Hvalavinir

  • Laut des isländischen Expertenrats für Tierschutz widerspricht der Walfang den Bestimmungen des isländischen Tierschutzgesetzes.
  • Der kommerzielle Walfang in Island ist unvereinbar mit internationalen Verpflichtungen wie dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS), der Internationalen Konvention zur Regelung des Walfangs (International Convention for the Regulation of Whaling/ICRW) oder dem Kooperationsabkommen zwischen Island und der EU für Meeresangelegenheiten und Fischerei.
  • Großwale spielen eine Schlüsselfunktion für den marinen Nährstoffkreislauf, die Meeresproduktivität, Artenvielfalt und die Ökosystemresilienz.
  • Durch Ausscheidungen großer Wale steigt die Primärproduktion im Meer (Phytoplankton). Dadurch erhöht sich die ozeanische Photosyntheserate (Sauerstoffproduktion und Kohlenstoffbindung).

Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs in Island?

Seit dem Frühjahr 2026 verdichteten sich Hinweise, dass der kommerzielle Walfang in Island wieder beginnt. Das Walfangunternehmen Hvalur hf. hält bis 2029 eine Lizenz zur Jagd auf Finnwale. Inhaber Kristján Loftsson erhielt sie Ende 2024 unter dubiosen Umständen. Zusätzlich existiert eine Walfangquote für Zwergwale. Für diese dürfte sich jedoch kein Interessent finden.

Die isländische Regierung arbeitet derzeit an einer Gesetzesvorlage für ein Walfangverbot ab Ende 2026. Dennoch behalten die Walfanglizenzen ihre Gültigkeit. Lediglich die Quoten senkte man für 2026 von 209 auf 150 Finnwale und von 217 auf 168 Zwergwale. Die isländische Walfangsaison erstreckt sich in der Regel von Mitte Juni bis in den September.

Finnwal mit Blas von oben.

Finnwale (Balaenoptera physalus) sind die zweitgrößten Tiere der Welt. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN sind sie als gefährdet (vulnerable) bei zunehmender Bestandsentwicklung gelistet. Die IUCN schätzt den Weltbestand der Art auf ca. 100.000 erwachsene Individuen.
Foto: Wayne Hoggard/NOAA

Tierquälerei beim Walfang in Island

„Zahlreiche Studien, so auch der isländischen Regierung, zeigen, dass das Harpunieren von Großwalen ein grausamer, langwieriger und keinesfalls humaner Tötungsvorgang ist, wie von den Walfängern behauptet wird“, erklärt Ulrich Karlowski, Biologe von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

2023 hatte die isländische Nahrungsmittel- und Veterinärbehörde MAST Videos der laufenden Walfangsaison ausgewertet. Darin fanden sich zahlreiche Verstöße gegen isländische Tierschutzbestimmungen beim Jagen und Harpunieren durch Walfänger von Hvalur hf.3

  • Ein Finnwal kämpfte 35 Minuten lang um sein Leben.
  • Unter den 24 getöteten Finnwalen befand sich ein trächtiges Weibchen.
  • Ein Wal konnte nicht geborgen werden und versank.
  • Lediglich 17 Wale waren nach dem Harpunieren sofort tot.

Damit bestätigte sich eine MAST-Analyse aus der Saison 2022. Die isländische Öffentlichkeit erfuhr von einem Finnwal, dessen Todeskampf zwei Stunden währte, von verletzten und von mehrfach harpunierten Walen.

Harpunenkanone am Bug eines stillgelegten Walfangschiffes.

Die isländischen Walfänger verwenden Harpunenkanonen mit Explosivgeschossen. Sie können nach einem Treffer ungefähr einen Meter tief in den Körper des Wals eindringen. Dort sollen sie dann explodieren und gleichzeitig Widerhaken in den Körper feuern. Trotzdem sterben nur zwei Drittel aller harpunierten Wale sofort.
© GRWA/Pixabay

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Logo der Koalition zur Beendigung des kommerziellen Walfangs.

Zurückgeblickt: Walfang in Island

Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs 2006

Gegen erbitterte Proteste zahlreicher Meeresschutzorganisationen nahm Island 2006 den kommerziellen Walfang wieder auf. Hauptsächlich Finn- und Zwergwale fielen den Harpunenkanonen der Nordmänner zum Opfer.

Walsteak

Doch Walfleisch wurde zum Ladenhüter. In Island selbst ist es nur schwer verkäuflich. Außerdem konnte man weder mit Japan noch mit Norwegen einen dauerhaft funktionierenden Exportmarkt etablieren.

Hinzu kam, dass der Walfang im Land selbst immer unpopulärer wurde. Whalewatching erfreut sich hier großer Beliebtheit und ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für das kleine Land.

Bereits 2018 hatte IP-Utgerd – eine von damals zwei aktiven Walfangfirmen – die Jagd auf Zwergwale aus wirtschaftlichen Gründen frühzeitig eingestellt. Anschließend gab die Firma bekannt, auf Seegurkenfischerei umzusteigen. Kristján Loftsson jedoch machte mit seinem Unternehmen Hvalur hf. weiter.

Kein Walfang von 2019 bis 2021

Von 2019 bis 2021 gab es wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektive, trotz vorhandener Fangquoten, keine Fangaktivitäten.

Neubeginn ab 2022

2022 starben dann erneut Finnwale durch isländische Harpunenkanonen. Kristján Loftsson hatte darauf bestanden, die ihm bis Ende 2023 zustehende Quote von 208 Finnwalen auszuschöpfen. Damit bestätigte er einmal mehr seinen Ruf als skrupelloser Geschäftsmann. 148 Finnwale starben.

Aus Tierschutzgründen setzte die damals zuständige Ministerin Ministerin Svandís Svavarsdóttir (Vorsitzende der Links-Grünen Bewegung) dann weitere Fangaktivitäten bis zum 31. August 2023 aus.

Die Zeit von der Aufhebung des Verbots bis zum Ende der Fangsaison 2023 nutzten jedoch zwei Walfangschiffe. Mindestens 24 Finnwale starben in der Saison 2023.

Anschließend verklagte Loftsson die Regierung auf Schadensersatz. Daraufhin zwang das isländische Parlament Svandís Svavarsdóttir zum Rücktritt und Loftsson beantragte eine neue Walfanglizenz.

2024 erhält Kristján Loftsson eine neue Walfanglizenz

Im Dezember 2024 gelang es Loftsson, den damaligen Interimspremierminister Bjarni Benediktsson wenige Tage vor dem Ende seiner Amtszeit davon zu überzeugen, neue Fangquoten zu genehmigen. In isländischen Medien war von Korruption, Machtmissbrauch und Freundschaftsdiensten die Rede. Doch Loftson erhielt seine Quote: 128 Finnwale.

Für 2025 und bis ins Jahr 2029 reichend erhöhte die Interimsregierung die Quoten dann sogar auf 209 Finnwale und 217 Zwergwale jährlich.

Doch Hvalur hf. schaffte es nicht, die Fangschiffe rechtzeitig flottzumachen. Deshalb gab es 2024 und auch 2025 keinen Walfang in Island – trotz aktiver Quoten.

Kristján Loftsson (Jahrgang 1943), einer der vermögendsten Männer Islands und vehementer Walfangbefürworter, stemmt sich seit vielen Jahren gegen ein Verbot des Walfangs in Island. Obwohl dies ein Verlustgeschäft ist. Loftsson und seiner Familie geht es um Prinzipielles.4


Harpunierten isländische Walfänger einen Blauwal?

Die Firma Hvalur hf. ist auf das Töten von Finnwalen spezialisiert. 2018 harpunierte man wahrscheinlich einen der auch in Island streng geschützten Blauwale. Anschließend behauptete Loftsson, es habe sich um einen Hybrid (Kreuzung) aus einem männlichen Finnwal und einem weiblichen Blauwal gehandelt.

Walfang in Island: Wurde ein Blauwal harpuniert?

War es ein Blauwal oder ein Hybrid, den isländische Walfänger harpunierten?
© Hard to Port

Während die vom Aussterben bedrohten Blauwale gesetzlich geschützt sind, trifft dies auf Hybride nicht zu. Kreuzungen zwischen unterschiedlichen Walarten sind selten. Meist kommt dies zwischen Finn- und Blauwalen vor. Von 1983 bis 1989 erlegten isländische Walfänger nachweislich drei der seltenen Finn-Blauwal-Hybriden.

  1. News from Iceland: First whales caught since 2023 ↩︎
  2. Hvalavinir, Whale Friends – Ocean Protection was formally established in early 2025, following two years of informal collaboration between six Icelandic nature and animal protection organizations. ↩︎
  3. MAST: Die Jagd bei großen Walen entspricht nicht den Tierschutzzielen. ↩︎
  4. National Fisherman: The last whaler in Iceland ↩︎

Titelfoto: Walfangboot Hvalur 8, © Sven Koschinski/DSM


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