Deutlich weniger Seehunde im Wattenmeer

Voraussichtliche Lesedauer: 3 Minuten

Im Wattenmeer der Nordsee gibt es immer weniger Seehunde. Laut des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats (CWSS) in Wilhelmshaven ergaben die jährlichen Zählungen im Juni und August einen Gesamtbestand von 23.652 Tieren. Das ist der niedrigste Stand seit 2011. Einzig in Dänemark gab es einen Anstieg von 106 %. Die Daten umfassen das Wattenmeer in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden.

Starker RĂĽckgang bei Jungtieren im gesamten Wattenmeer

Auch die Zahl gesichteter Seehundwelpen sank 2022 im Vergleich zu 2021 deutlich um 22 Prozent. Und zwar im gesamten Wattenmeer. In Schleswig-Holstein waren es 25 % weniger. In Niedersachsen und Hamburg um 17 %. Ähnlich sah es 2022 in den Niederlanden und Dänemark aus, wo es 22 % bzw. 18 % weniger Jungtiere gegenüber 2021 gab.

Ursachen sind unklar

Noch gibt es keine belastbaren Hinweise, warum es immer weniger der kleinen Hundsrobben in der deutschen Nordsee gibt. CWSS-Experten vermuten, dass der Bestand seine Kapazitätsgrenze im Wattenmeer erreicht haben könnte.

Anderseits können aber auch eingeschränkte Nahrungsressourcen oder Umweltgifte, die die Tiere schädigen, eine Rolle spielen. Auch Störungen durch zu viele Touristen (Übertourismus) könnten dafür verantwortlich sein, dass es immer weniger Seehunde im Wattenmeer gibt.

Auch die zunehmende Belastung des Wattenmeers mit Plastikmüll hat Einfluss auf die Robbenbestände im Wattenmeer. Das zeigt eine Studie niederländischer Wissenschaftler. Zwischen 2010 bis 2020 stellten die Forscher im Vergleich zu früheren Studien eine besorgniserregende Vervierfachung der Verhedderungsrate bei Seehunden und Kegelrobben im niederländischen Wattenmeer fest. Dabei sind Seehunde vor allem durch das Verschlucken von Plastikmüll gefährdet. Fünf von neun untersuchten Seehunden hatten Angelschnüre aus Nylon verschluckt.

Ungewöhnlich viele geschwächte Seehundwelpen

Kleiner Seehund im Robbenzentrum Föhr
© Robbenzentrum Föhr

In diesem Jahr verzeichnete das Robbenzentrum in Wyk auf Föhr ungewöhnlich viele zu kleine und extrem geschwächte Seehundwelpen. Viele davon hatten seit ihrer Geburt kaum zugenommen. Offensichtlich hatten sie nicht genügend Nahrung gefunden.

Robben zählen mit Luftaufnahmen

Gezählt werden Robben im Wattenmeer und auf Helgoland durch Luftaufnahmen während der Fortpflanzungszeit und in der Zeit des Fellwechsels. Seehunde sind dann recht gut auf Sandbänken zu beobachten.

Nach der Kegelrobbe ist der Seehund das zweitgrößte heimische Meeressäugetier.


WeiterfĂĽhrende Informationen