Whalewatching – Fluch oder Segen?

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Für viele Millionen Touristen sind Fahrten zu den Giganten der Meere oder ihren kleineren Verwandten, den Delfinen, der Höhepunkt ihrer Urlaubsreise. Mit ihrem nur teilweise stimmigen grünen Image verzeichnet die Tourismussparte Whalewatching traumhafte Wachstumsraten. Doch Wissenschaftler beobachten zunehmend negative Auswirkungen bei touristisch intensiv genutzten Meeressäugerpopulationen. Fluch oder Segen Whalewatching?

Beobachtung von Walen und Delfinen in freier Wildbahn

Delfintouren im Roten Meer sind seit Jahren zu einem traurigen Zirkus ausgeartet. Ist eine Delfinschule gesichtet, versuchen die Skipper sich gegenseitig zu übertreffen. Sie veranstalten Verfolgungsjagden und kreisen die Tiere ein. Dann stürzen sich die Touristen johlend in großer Zahl ins Wasser. Alle wollen einmal mit Delfinen schwimmen.

Whalewatching in Ägypten: Touristen schwimmen auf ruhende Delfine zu.

Hurghada, Rotes Meer: Touristen schwimmen auf ruhende Delfine zu. Foto: DWA

Doch die hysterischen Zuneigungsbekundungen stoßen bei den Delfinen auf nur wenig Gegenliebe. Sie vernachlässigen ihren Nachwuchs. Kommen kaum zur Ruhe. Haben zu wenig Zeit zur Futtersuche oder sozialen Interaktionen. Zudem verschwenden sie wertvolle Energie beim Versuch, den Booten zu entkommen. Deshalb zeigen sie sich zunehmend erschöpft. Ruhelos. Sie sind einfach nur noch genervt.

Whalewatching – Auswirkungen auf lokale Delfinpopulationen

Kritisch ist unkontrolliertes Whalewatching besonders für kleine, isoliert lebende Populationen von Walen und Delfinen.

Große Tümmler im Doubtful Sound

Die Zahl der im Doubtful Sound, einem Fjord im Fiordland-Nationalpark auf der Südinsel Neuseelands, lebenden Großen Tümmler sank innerhalb von acht Jahren von 67 auf 56 Tiere. Dies konnte eine Forschergruppe des Meeresbiologen David Lusseau von der Universität Aberdeen in Schottland zeigen. Für Lusseau ist die Armada der dort operierenden Ausflugsboote Hauptursache für den Rückgang.

Irawadi-Delfine im Mekong: Touristische Treibjagden

Ähnlich dramatisch sieht es für die vom Aussterben bedrohte Restpopulation der etwa 70 im Mekong zwischen Kambodscha und Laos lebenden Irawadi-Delfine aus. Auch dort finden touristische Treibjagden statt.

Vielerorts Fehlanzeige: Der „Code of Conduct“

Regeln zum richtigen Whalewatching sind ein guter Ansatz, den Tourismusdruck in für die Tiere verträgliche Bahnen zu leiten. Dazu gehören Mindestabstände der Boote, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Heranfahrregeln, Anzahl erlaubter Boote in der Nähe einer Meeressäugergruppe oder No-Go-Zonen. Doch vielerorts existiert ein derartiger „code of conduct“ nicht und dort, wo es ihn gibt, ist er oft nicht verbindlich. Doch auch ein verbindlicher „code of conduct“ bedarf der Überwachung durch Ranger oder Küstenwache.

Vor Sansibar verdrängte Whalewatching die Jagd auf Delfine

Ginge es nach Wissenschaftlern wie David Lusseau, könnte man auf Basis bereits heute verfügbarer Daten festlegen, welche Meeressäugerpopulationen Whalewatching vermutlich schadlos vertragen und welche nicht. So hat z. B. der sicherlich noch nicht nachhaltige Delfintourismus in Sansibar immerhin die dort einst traditionelle Delfinjagd vollständig verdrängt. Mit Langzeitstudien müsste man herausfinden, ob in den touristisch nutzbaren Populationen langfristige, negative Verhaltensänderungen auftreten oder die Folgen eher kurzfristig bleiben. Für derartige Forschungsvorhaben gibt es allerdings kaum politische Unterstützung oder Forschungsgelder.

Foto oben: DWA



Weiterführende Informationen

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