Der teuerste Fisch der Welt stirbt aus

Ein Schwarm Atlantischer Blauflossen-Thunfische.

Ein Schwarm Atlantischer Blauflossen-Thunfische. Foto: NOAA

Für Sushi!

Die Fischereibehörde der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) will den kommerziellen Fang und die Sportfischerei von Nordpazifischen Blauflossenthunfischen in US-Gewässern verbieten. Falls die NOAA ein Fangverbot verhängt, müssten in US-Gewässern trotzdem gefangene Blauflossenthunfische sofort wieder freigelassen werden. Nach rücksichtsloser, jahrzehntelanger Überfischung, hauptsächlich zur Befriedigung der stetig wachsenden Nachfrage nach Sushi (als „Maguro“) in Japan, soll es nur noch etwa 40.000 ausgewachsene vermehrungsfähige Exemplare dieser Thunfischart im Pazifik geben. Dies entspricht etwa 4 Prozent der ursprünglichen Bestandsgröße.

Weite Wanderungen

Nordpazifische Blauflossenthunfische (Thunnus orientalis) werden bis zu 3 Meter lang, 450 Kilogramm schwer und können mehr als 20 Jahre alt werden. Sie leben meist im offenen Meer. Ihre Vermehrungsgründe liegen im westlichen Nordpazifik südlich der japanischen Küste. Einige Jungtiere wandern, manchmal mit anderen Thunfischarten vergesellschaftet, in küstennahe Gewässer der Baja California, Mexikos und Kaliforniens. Nach zwei bis sechs Jahren kehren sie dann wieder in den westlichen Nordpazifik zurück, um sich dort zu vermehren.

Gier der Fischer kennt keine Grenzen

Mit dem Rückgang der Bestände sank der Fangerfolg der Fischereiflotten. Bei den Thunen, die derzeit aus dem Meer geholt werden, handelt es sich fast nur noch um nicht vermehrungsfähige Jungtiere, was die Schnelligkeit des Rückgangs des Bestands dramatisch verschärfte. Mittlerweile bestehen bis zu 90 Prozent eines Fangs aus Jungtieren. Nordpazifische Blauflossenthune gehören in Japan zu den gefragtesten und teuersten Fischen überhaupt. Etwa 90 Prozent des weltweiten Fangs gehen nach Japan. Ein 250 kg schweres Exemplar erzielte dort kürzlich umgerechnet über 52.000 Euro. Keine der drei Blauflossenthunfischarten wird für Dosenthunfisch verarbeitet

Fischereikommission versagt

Die NOAA folgt mit ihren Plänen zur Rettung des Nordpazifischen Blauflossenthunfisches Mexiko, das bereits Anfang Juli die Fischerei auf die bedrohte Art in seinen Gewässern untersagt hatte, nachdem die jährliche Fangquote von 5.000 Tonnen vorzeitig ausgeschöpft worden war. Die Fischereibehörden sahen sich zum Handeln gezwungen, nachdem sich die zuständige regionale Fischereikommission, die Inter-American Tropical Tuna Commission (IATTC), wegen des Widerstands aus Japan und Korea nicht auf dringend notwendige Beschränkungen der Fischerei einigen konnte und weitere Diskussionen darüber in den Oktober 2014 verschoben hatte.

Ausrottung für Sushi-Wahn

Auch für die beiden anderen Blauflossenthunfischarten, Roter Thun (Thunnus thynnus) und Südlicher Blauflossenthun (Thunnus maccoyii), sind die Zukunftsaussichten düster. Der Südliche Blauflossenthun ist die weltweit am stärksten überfischte Thunfischart. Sie steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der IUCN (Weltnaturschutzorganisation) mit dem Status: „Critically Endangered“ (extrem hohes Risiko des baldigen Aussterbens).

Diese majestätischen Großfische, die mit ihrer Pseudo-Warmblütigkeit, Reisegeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h und Tauchtiefen von über 1000 m ebenso einzigartig wie faszinierend sind, haben keine Chance gegen die Raubzüge der industrialisierten Fangflotten.

Die Aussicht auf immer höhere Preise für diese immer seltener werdenden Raubfische heizt die Gier der Fischer immer weiter an – und das alles für ein paar Portionen Sushi.
U. Karlowski, August 2014