Anlässlich des „End of Fish Day“ 2026 am 19. März fordern zehn Organisationen einen grundlegenden Wandel beim Fischkonsum und in der Fischerei.
In ihrem gemeinsamen Positionspapier setzen sich Essen mit Zukunft e. V., BUND, DEEPWAVE, Deutsche Stiftung Meeresschutz, Deutsche Umwelthilfe e. V., Environmental Justice Foundation, Ernährungsrat Hamburg, fair-fish, Physicians Association for Nutrition und WWF Deutschland für wirksame Maßnahmen gegen Überfischung und für nachhaltige Fischerei. Gleichzeitig müsse der Fischkonsum in Deutschland und anderen Industrieländern grundlegend verändert und reduziert werden. Besonderen Handlungsbedarf sehen die Organisationen darin, die Ernährungsempfehlungen beim Fischkonsum der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) anzupassen, um einen Beitrag gegen die globale Überfischung zu leisten.
Kernaussagen
- Zehn Organisationen fordern anlässlich des „End of Fish Day“ 2026 einen Wandel im Fischkonsum und in der Fischerei.
- Der „End of Fish Day“ signalisiert das Ende der eigenen Fischreserven; Deutschland kann seinen Fischkonsum ab diesem Tag nur noch über Importe decken;
- Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt zu viel Fisch; die Organisationen schlagen eine Anpassung auf maximal einmal pro Woche vor.
- Die DGE sollte Empfehlungen nur für nachhaltig gefangenen Fisch geben, besonders in der Gemeinschaftsverpflegung.
- Die Organisationen kritisieren die mangelnde Transparenz in den globalen Fischlieferketten und fordern nachhaltigere Einkaufspraktiken.
Deutschland kann seinen Jahresfischkonsum nur über Importe decken
Der „End of Fish Day“ in Deutschland markiert das Ende unserer eigenen „Fischreserven“. Also den Ertrag deutscher Fischer aus Küstengewässern in Nord- und Ostsee. Ab diesem Datum ist Deutschland rein rechnerisch auf den Import von Fischereiprodukten angewiesen.
Der erste „End of Fish Day“ 2019 war der 5. April. Seitdem wanderte er immer weiter Richtung Jahresanfang. Im Jahr 2025 kehrte sich der Trend um. Nachdem der Termin 2024 noch auf den 29. Februar fiel, war es 2025 der 8. März. Der gesunkene Fischkonsum könnte von höheren Preisen oder einem steigenden Bewusstsein in der Bevölkerung verursacht worden sein.
Der „End of Fish Day“ macht auch deutlich, wie stark Deutschland von globalen Lieferketten abhängt, und wirft wichtige Fragen bezüglich Nachhaltigkeit und globaler Verantwortung auf.1
Damit Fisch langfristig als Ernährungsgrundlage erhalten bleibt und die Versorgung im Globalen Süden nicht gefährdet wird, reichen die bisherigen Ansätze nicht aus – darin sind sich die Organisationen einig. „Mängel bei Siegeln, intransparente Lieferketten und die begrenzte Verfügbarkeit nachhaltiger Fischprodukte machen eine Fischkonsumwende dringend nötig“, erläutert Mireille Remesch von Essen mit Zukunft.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zu viel Fisch
Die Organisationen bewerten anlässlich des „End of Fish Day“ in Deutschland die aktuellen Fischkonsum-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) kritisch. Diese empfiehlt ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche à 120 Gramm. Das ist deutlich mehr, als derzeit tatsächlich konsumiert wird.
Würden alle Menschen in Deutschland zweimal pro Woche Fisch essen, würde der Pro-Kopf-Verbrauch massiv steigen. Das wäre mit dem Ziel, Überfischung einzudämmen, nicht vereinbar. Aus Sicht der Organisationen berücksichtigen die DGE-Empfehlungen nur unzureichend wissenschaftliche Erkenntnisse zur globalen Überfischung.

Die Organisationen schlagen eine Anpassung der Ernährungsempfehlungen vor. Der Konsum müsse von null bis auf maximal einmal pro Woche sinken. Denn eine gesunde Ernährung ist in Deutschland auch ohne wöchentlichen Fischkonsum möglich.
Nur nachhaltig gefangener Fisch in der Gemeinschaftsverpflegung
Zudem fordern sie, dass die DGE die Fischkonsum-Empfehlungen an die Voraussetzung knüpft, dass der Fisch aus nachweislich nachhaltiger Fischerei oder ökologischer Aquakultur bezogen wird. Besonders großen Handlungsbedarf sehen die Organisationen hierbei in der Gemeinschaftsverpflegung.
Täglich nehmen in Deutschland schätzungsweise 16 Millionen Menschen ihr Mittagessen in Kantinen, Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Betriebsküchen ein. In vielen Einrichtungen gibt es traditionell mindestens einmal pro Woche Fisch. Nachhaltigkeitskriterien spielen beim Einkauf bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Kein Verlass auf gängige Nachhaltigkeitssiegel
Das Positionspapier kommt zudem zu dem Schluss, dass gängige Nachhaltigkeitssiegel wie der Marine Stewardship Council (MSC) und der Aquaculture Stewardship Council (ASC) allein aktuell kein verlässlicher Nachweis für nachhaltigen Fischkonsum sind.
Als wichtige zusätzliche Orientierungshilfe empfehlen die Organisationen zum „End of Fish Day“ 2026 den vom WWF herausgegebenen Fischratgeber sowie die „Guter Fisch“-Liste. Sie wird von der Verbraucherzentrale Berlin und der Verbraucherzentrale Hamburg gemeinsam mit dem GEOMAR-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, der Deutschen Umwelthilfe, dem NABU und dem WWF erstellt und jährlich aktualisiert.
Keine Transparenz der globalen Fischlieferketten
Handlungsbedarf sehen die Organisationen auch angesichts der mangelnden Transparenz globaler Fischlieferketten. Weder Groß- noch Einzelhandel stellen bislang ausreichende Informationen zu Fanggebieten und Fangmethoden bereit.
Nachhaltiger Fischkonsum bedeutet aktuell immer Mehraufwand, z. B., indem in Lebensmittelgeschäften und bei Großhändlern nachgefragt werden muss. Diese Hürde sollte durch Großhändler und Fischgeschäfte abgebaut werden. „Groß- und Einzelhändler sollen langfristig nur noch Fisch aus nachhaltigen Quellen anbieten“, fordern die Organisationen.
Positionspapier zum „End of Fish Day“ 2026
- Das Konzept des „End of Fish Day“ geht auf eine Initiative von Slow Food Deutschland, Fair Oceans und Brot für die Welt ins Leben zurück. ↩︎
Weiterführende Informationen
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