EU führt Fischereikrieg gegen England

EU-Supertrawler plündern britische Gewässer

Fischer und Meeresschützer sind gleichermaßen entsetzt. Und das kommt nun nicht wirklich häufig vor. Doch der jüngste Überfall von EU-Monsterfangschiffen auf britische Gewässer eint sogar normalerweise fast unversöhnliche Gruppen. Wie express.co.uk berichtet, begannen fünf riesige Fischerei-Fabrikschiffe am 12. April eine Art Fischereikrieg vor der schottischen Küste. Skrupellos nutzen zwei französische und drei niederländische Fischplünderer den von Großbritannien verhängten Corona-Lockdown für einheimische Fangboote. Jeden Tag ziehen sie zig Tonnen Fisch an Bord, vernichten alles, was sonst noch so in die gewaltigen Netze gerät: Robben, Haie, Rochen, Delfine, Schweinswale, Nichtzielfischarten.

Fischereikrieg mit legalen Mitteln

Die „Magiris“, mit 143 m Länge der zweitgrößte Fabriktrawler der Welt.

Die „Magiris“ ist mit 143 m Länge der zweitgrößte Fabriktrawler der Welt. Foto: Blue Planet Society

Es ist kaum zu glauben, doch die Industriefangschiffe, jedes über 80 m lang, fischen hier völlig legal. Sie besitzen Lizenzen und Quoten.

Erst mit Vollzug des Brexit hätte Großbritannien die Möglichkeit, diesem mit sehr ungleichen Waffen geführten Fischereikrieg ein Ende zu bereiten. Und das ist bitter nötig. Denn die Festlandeuropäer fahren hier ganz schweres Geschütz auf.

Unter den vor Schottland operierenden Monsterfangschiffen ist auch die „Annelies Ilena“, mit 144 m Länge der weltweit größte Supertrawler. Aber auch die „Annie Hillina“ verzwergt mit ihren 86 m Länge die meist nur 10 m großen britischen Konkurrenten.

Die Riesen gehören zum niederländischen Fischereigroßkonzern Parlevliet & van der Plas, der noch weitere Supertrawler unter Vertrag hat.

EU-Fischereien kennen keine Skrupel beim „Schnell-noch-Kasse-Machen“

Supertrawler "Margiris" mit seinem gewaltigem Schleppnetz.

Foto: wikicommons

Seitdem klar ist, dass Großbritannien der EU definitiv den Rücken kehrt, tauchen EU-Supertrawler immer häufiger in britischen Gewässern auf.

So ging der mit 143 m Länge zweitgrößte Fabriktrawler der Welt, die in Australien geächtete „Margiris“, im Oktober 2019 im Ärmelkanal auf Fangfahrt. Ihr 600 m langes und fast 200 m breites Schleppnetz zog eine Schneise aus Tod und Verwüstung.

Nachhaltige EU-Fischereipolitik – European Green Deal?

„EU-Supertrawler vernichten sehr gezielt die Artenvielfalt der Meere und zerstören dabei weltweit die Lebensgrundlage von Kleinfischern. Die EU-Kommission findet immer wieder schön klingende Wortungetüme wie ‚nachhaltige Fischereipolitik‘ oder ‚European Green Deal‘. Unterm Strich geht es dabei jedoch ausschließlich um die Durchsetzung knallharter Lobbypolitik. Auf der Strecke bleiben die Menschen und die Natur“, meint der Biologe Ulrich Karlowski von der DSM.

Britische Fischerei leidet massiv unter Coronafolgen

Jeremy Percy, Direktor der Vereinigung NUFTA, die Großbritanniens Kleinfischereien vertritt, beklagt den ungleichen Kampf: „Es ist extrem ärgerlich. Während unsere kleinen Boote tatenlos in den Häfen liegen müssen und die Fischer nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen, tauchen diese Supertrawler in unseren Gewässern auf. Dann fischen sie, was die Netze hergeben“.

Vier kleine Fischkutter liegen bei Ebbe auf Sand.

Etwa 80 Prozent der britischen Fischereiflotte sind Boote von unter 10 Metern Länge. Foto: pixabay

Die Coronakrise hat die britischen Fischer hart getroffen. Sowohl der einheimische Verkauf von Fisch und Meeresfrüchten als auch der Handel in die EU und nach Asien sind mangels Nachfrage fast völlig zusammengebrochen.

Kanalinsel Jersey macht es vor: vollständiges Verbot für den Fang von Rotem Thunfisch

Ein Schwarm Atlantischer Blauflossenthunfische (Roter Thun).

Foto: NOAA Images

Doch man kann Fischereikriege auch ganz elegant beenden. Die kleine Kanalinsel Jersey macht es vor. Ab Ende 2020 gilt in den Gewässern von Jersey ein vollständiges Fangverbot für Rote Thunfische. Jerseys Umweltminister John Young will damit zum Schutz der bei Fischern sehr begehrten Art beitragen.

Zwar findet seine Entscheidung bei lokalen Fischern auch nur wenig Beifall. Doch sie zielt auf ihre französischen Kollegen. Denn noch dürfen diese in einem Gebiet zwischen drei und zwölf Meilen vor der Küste von Jersey die begehrten und hochpreisigen Roten Thune fangen.

Der Rote Thunfisch aus dem Atlantik steht auf Roten Liste der IUCN mit dem Status „stark gefährdet“ und gilt als hemmungslos überfischt.

Verlierer

Am Ende des Tages gibt es dank der „nachhaltigen EU-Fischereipolitik“ nur Verlierer: die marine Artenvielfalt und lokale Kleinfischer.

Position der “Annelies Ilena” auf vesselfinder.com

Position der “Margiris” auf vesselfinder.com

Position der “Annie Hillina” auf vesselfinder.com

Foto oben: Supertrawler “NIDA” in Bremerhaven. Foto: SofieLayla Thal/Pixabay