EU-Supertrawler plündern britische Gewässer

Auch nach dem Brexit dürfen EU-Supertrawler ihre Schneisen der Verwüstung und der massenhaften Vernichtung von Meerestieren durch britische Gewässer ziehen. Für britische Fischer und für Meeresschützer bleibt der Brexit unterm Strich eine Mogelpackung. Denn „Überfälle“ von EU-Monsterfangschiffen auf britische Gewässer wird es weiterhin geben.

Supertrawler "Margiris" seinem mit gewaltigem Schleppnetz.

Foto: wikicommons

Mit ihren gigantischen Netzen ziehen diese Supertrawler jeden Tag zig Tonnen Fisch an Bord, vernichten alles, was sonst noch so in die Netze gerät: Robben, Haie, Rochen, Delfine, Schweinswale, Nichtzielfischarten. Doch es ist ein legaler „Fischereikrieg“.

Nachhaltige EU-Fischereipolitik – Eine Farce!

„EU-Supertrawler vernichten sehr gezielt die Artenvielfalt der Meere und zerstören dabei weltweit die Lebensgrundlage von Kleinfischern. Die EU-Kommission findet immer wieder schön klingende Wortungetüme wie ‚nachhaltige Fischereipolitik‘ oder ‚European Green Deal‘. Unterm Strich geht es dabei jedoch ausschließlich um die Durchsetzung knallharter Lobbypolitik. Auf der Strecke bleiben die Menschen und die Natur“, meint der Biologe Ulrich Karlowski von der DSM.

Nur marginale Einschränkungen für EU-Fischer nach dem Brexit

Der jetzt zur Überprüfung vorgelgete Handelspakt sieht lediglich eine Übergangsphase von fünfeinhalb Jahren vor, in der EU-Fischer in britischen Gewässern 25 Prozent weniger fischen dürfen.

Die katastrophale Fischereipolitik der EU wird fast ungebremst fortgeführt. Das ist keine gute Nachricht für den Erhalt der Artenvielfalt in europäischen Gewässern.

„Fischereikrieg“ der EU-Supertrawler gegen britische Küstenfischerei

Zuletzt enterte am 18. November 2020 eine mächtige Armada aus neun EU-Supertrawlern den Ärmelkanal (zwischenzeitlich waren es dann sogar 10). Thea Taylor, Koordinatorin für Forschung und Sichtungen beim Brighton Dolphin Project, sagte, so viele auf einmal habe sie noch nie zuvor in dem Gebiet gesichtet.

Unter den Fischereimonstern waren vornehmlich in den Niederlanden und Frankreich registrierte Supertrawler. Aus Holland auf Plünderfahrt waren im November u. a. die „Carolien“ (126 m)  sowie die Fabrikschiffe „Afrika“ (126 m) und „Alida“ (100 m). Begleitet wurden sie von den nur unwesentlich kleineren französischen Supertrawlern „Scombrus“ (81 m) und „Prins Bernhard“ (80 m) sowie der unter deutscher Flagge registrierten „Helen Mary“ (117 m) und „Maartje Theadora“ (140 m).

Vor acht Jahren hatte ein Gericht in Cherbourg die Betreiber der „Maartje Theadora“, die Westbank Hochseefischerei GmbH aus Sassnitz, zu einer Geldstrafe von 580.000 Euro verdonnert. Wegen Verstößen gegen das Fischereirecht in Frankreich. Die Westbank Hochseefischerei GmbH wiederum ist eine Tochterfirma des niederländischen Fischereigroßkonzerns Parlevliet & van der Plas, der noch weitere Supertrawler unter Vertrag hat.

Schließlich ergänzte die in Großbritannien registrierte „Frank Bonefaas“ die Flotte des Grauens.

Viele tote Delfine: Beifangopfer der Supertrawler

Die „Magiris“, mit 143 m Länge der zweitgrößte Supertrawler der Welt.

Der aus Australien verbannte Supertrawler „Margiris“ ist mit 143 m Länge der zweitgrößte Fabriktrawler der Welt. Sie fischt im Auftrag des niederländischen Fischereigroßkonzerns Parlevliet & van der Plas – Foto: Blue Planet Society

Thea Taylor  und ihre Kollegen bereiten die hohen Beifangraten der Supertrawler große Sorgen: „Sie fahren so schnell, dass sie das gesamte Meeresleben im Bereich ihres Schleppnetzes zerstören. Und dann werfen sie ihren unerwünschten Beifang, der an einem Tag Hunderte von Tonnen betragen kann, über Bord. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Anzahl der an unseren Stränden tot aufgefundenen Delfine drastisch zunimmt, wenn Supertrawler in der Nähe sind.“

Supertrawler sind in der EU legal

Es ist kaum zu glauben, doch die Industriefangschiffe, jedes über 80 m lang, fischen hier völlig legal. Sie besitzen Lizenzen und Quoten.

Bei der historischen Einigung auf den Brexit-Handelspakt in letzter Minute verspielte Boris Johnson leichtfertig die Chance, diesem mit sehr ungleichen Waffen geführten „Fischereikrieg“ ein Ende zu bereiten. Das wäre aber bitter nötig gewesen, denn die Festlandeuropäer fahren hier ganz schweres Geschütz gegen die meist nur 10 m großen britischen Konkurrenten auf.

Britische Fischerei leidet massiv unter Coronafolgen

Jeremy Percy, Direktor der Vereinigung NUFTA, die Großbritanniens Kleinfischereien vertritt, beklagt den ungleichen Kampf: „Es ist extrem ärgerlich. Während unsere kleinen Boote tatenlos in den Häfen liegen müssen und die Fischer nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen, tauchen diese Supertrawler in unseren Gewässern auf. Dann fischen sie, was die Netze hergeben“.

Keine Chance gegen Supertrawler: Vier kleine Fischkutter liegen bei Ebbe auf Sand.

Etwa 80 Prozent der britischen Fischereiflotte sind Boote von unter 10 Metern Länge – Foto: pixabay

Die Coronakrise hat die britischen Fischer hart getroffen. Sowohl der einheimische Verkauf von Fisch und Meeresfrüchten als auch der Handel in die EU und nach Asien sind mangels Nachfrage fast völlig zusammengebrochen.

Supertrawler „Frank Bonefaas“ – ein britisches Fischerei-Dilemma

Die 119 m lange „Frank Bonefaas“ ist der größte Trawler der britischen Fischereiflotte. Und sie allein vereint fast ein Viertel der englischen Fischereiquote auf sich! Ihren Fang jedoch landet sie nicht in Großbritannien, sondern komplett im niederländischen Hafen IJmuiden. Denn Eigentümer des Supertrawlers ist der niederländische Fischereikonzern Cornelis Vrolijk BV aus IJmuiden. Zu deren Flotte gehören auch Trawler, die die hoch umstrittene und ab dem 1. Juli 2021 in der EU verbotene Elektrofischerei (pulse trawling/Pulsschleppnetzfischerei) einsetzen.

Niederländische Hinterlist?

Dabei legten sich die Briten dieses wahrlich dicke Ei auch noch selbst ins Nest. Denn die „Frank Bonefaas“ ist erst seit August 2019 in Großbritannien registriert. Bis dahin fuhr sie unter der Flagge der Niederlande.

Mit ihrer Weitsicht brachten Cornelis Vrolijk BV die Engländer auch für den Fall eines No-Deal-Brexit in die Zwickmühle. Deshalb wollte die britische Regierung derartige Schiffe verpflichten, entweder 70 % ihrer Fänge in britischen Häfen anzulanden oder einen Teil ihrer Quote zurückzugeben. Diese Pläne sind mit dem Abschluss des Brexit-Handelsabkommens wohl obsolet geworden.

Hart umkämpfte Fischereiquoten

Keine Chance gegen Supertrawler: Fischkutter vor der Küste von Schottland.

Fischkutter vor der Küste von Schottland. Foto: U.Karlowski

Dass den Briten das Thema Fischerei von derart großer Wichtigkeit ist, dass sie gewillt waren, darüber die Verhandlungen zum Brexit scheitern zu lassen, ist nicht verwunderlich. Denn es ist nicht nur die „Frank Bonefaas“, die die Gemüter erregt.

Mehr als die Hälfte der englischen Fischereiquote wird von ausländischen Fischereiunternehmen kontrolliert, meist von EU-Fischern. Spanische Fischereien zum Beispiel besitzen einen Großteil der Quote vom Bristolkanal bis zur schottischen Grenze, während Niederländer und Isländer an der englischen Ostküste dominieren.

Daher wollen die Stimmen für eine radikale Überarbeitung der Fischereipolitik aus gutem Grund nicht verstummen.

Was macht die EU?

Eu-Fischer fangen zu viele Heringe.

Der Hering ist Fisch des Jahres 2021 – Foto: Hilde Stockmann/Pixabay

Da sich die EU mit Großbritannien im Vorfeld der Brexit-Verhandlungen nicht auf ein Regelwerk zu Fangmöglichkeiten in britischen Gewässern einigen konnte, legten die EU-Fischereiminister unter dem Vorsitz von Julia Klöckner am 17. Dezember kurzerhand eigene Fangquoten fest.

Wie üblich ignorierte man dabei geflissentlich wissenschaftliche Empfehlungen für deutlich niedrigere Fangmengen für einige Bestände. Für bereits geschwächte Fischbestände wie Hering im Skagerrak und Kattegat hatten Wissenschaftler sogar eine Null-Quote empfohlen.

So sehen die Beschlüsse vor, dass sich die Fangmengen für die bislang gemeinsam mit Großbritannien bewirtschafteten Bestände für das erste Quartal 2021 pauschal an den Fangquoten von 2020 orientieren.

Kanalinsel Jersey macht es vor: vollständiges Verbot für den Fang von Rotem Thunfisch

Ein Schwarm Atlantischer Blauflossenthunfische (Roter Thun).

Foto: NOAA Images

Doch man kann Fischereikriege auch ganz elegant beenden. Die kleine Kanalinsel Jersey macht es vor. Ab Ende 2020 gilt in den Gewässern von Jersey ein vollständiges Fangverbot für Rote Thunfische. Jerseys Umweltminister John Young will damit zum Schutz der bei Fischern sehr begehrten Art beitragen.

Zwar findet seine Entscheidung bei lokalen Fischern auch nur wenig Beifall. Doch sie zielt auf ihre französischen Kollegen. Denn noch dürfen diese in einem Gebiet zwischen drei und zwölf Meilen vor der Küste von Jersey die begehrten und hochpreisigen Roten Thune fangen.

Der Rote Thunfisch aus dem Atlantik steht auf Roten Liste der IUCN mit dem Status „stark gefährdet“ und gilt als hemmungslos überfischt.

Verlierer

Am Ende des Tages wird es nach dem Brexit nur Verlierer geben: die marine Artenvielfalt und lokale Kleinfischer.

Foto oben: Supertrawler „NIDA“ in Bremerhaven – Foto: SofieLayla Thal/Pixabay