EU-Verbot für Grundschleppnetze

Wichtiger Erfolg für den Schutz der Tiefsee in EU-Gewässern

Nach einem zähen, vierjährigen Verhandlungsmarathon hat sich die EU endlich auf ein weitgehendes Verbot für Grundschleppnetze in den Tiefseeregionen des Atlantiks ab einer Meerestiefe von 800 Metern verständigt. Der letztendlich dann doch überraschende Durchbruch im Vermittlungsausschuss kam am letzten Tag der niederländischen Präsidentschaft zu Stande. Meeresschützer wie die Deutsche Stiftung Meeresschutz werten die Entscheidung als wichtigen Erfolg für den Schutz der betroffenen Tiefsee-Ökosysteme: „Dennoch fordern wir weiterhin ein generelles Verbot dieser Fangmethode und der Fischerei in der Tiefsee.

Bodenschleppnetze gehören zu den zerstörerischsten Fischfangmethoden überhaupt. Sie zerstören ein über mehrere Tausend Jahre gewachsenes Tiefseekorallenriff innerhalb von nur einer halben Stunde komplett und unwiederbringlich. Nach Grundschleppnetz-Fangfahrten gleicht der Meeressboden einer öden Mondlandschaft.

Niederlage für Fischereilobby und Fischereiministerrat

Zwar gilt das Verbot nur für EU-Gewässer bis 200 Seemeilen vor der Küste und nicht auch für die Hohe See im Nordostatlantik. Dafür aber auch für die Hohe See vor Westafrika um die Kanarischen Inseln und Madeira. Tiefseebewohner wie Rotbarsche, Tiefseekorallen oder Tiefseehaie haben jetzt eine bessere Chance zu überleben.

Weitere wichtige Reformen beschlossen

Neben dem Verbot für Grundschleppnetze in der Tiefsee beschloss die EU noch weitere dringend notwendige Reformen für den Fischerei-Sektor. Zukünftig sind auch Stellnetze und Kiemennetze in Regionen unterhalb von 600 Meter verboten. Für bisher nicht befischte Gebiete muss jetzt immerhin eine Verträglichkeitsprüfung stattfinden. Erst dann kann eine Fangerlaubnis für Tiefseefische erteilt werden.

Zukünftig müssen bei 20 Prozent aller Ausfahrten von Tiefseefischern Fischereibeobachter an Bord sein. Dies gilt für der EU-Gewässer und auf der Hohen See. Ursprünglich hatte das EU-Parlament hier unabhängige Beobachter auf allen Tiefseetrawlern gefordert.

Außerdem muss bei Kontakt mit Tiefseekorallen, -schwämmen und anderen empfindlichen Tiefsee-Ökosystemen der Fang abgebrochen und anderswo fortgesetzt werden. Allerdings ist dann meist schon zu spät. Für die überwiegende Zahl der Tiefseefischer dürften diese Bestimmungen allerdings Schall und Rauch sein. Denn ohne Fischereibeobachter machen derartige Regeln wenig Sinn.

Dennoch ist das Verbot für Grundschleppnetze ein großer Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig ist es eine herbe Niederlage für die Fischereilobby. Denn deren Ziel ist die ultimative und rücksichtslose Ausbeutung und damit Vernichtung sämtlicher Ressourcen der Meere.
Foto oben: Illegaler Grundschleppnetzfischer auf der Flucht vor Fischereiaufsicht, Mayumba Bucht, Gabun: Mike Markovina/Marine Photobank