Beim Einsatz eines FAD (Fish Aggregating Device/Fischsammler) nutzen Fischer das natürliche Schutzbedürfnis von Jung- und Schwarmfischen. Denn diese sammeln sich gerne unter an der Wasseroberfläche treibenden größeren Objekten. Natürliche, wie FADs wirkende Objekte (Baumstämme, Algenansammlungen) gab es schon immer. Auch ein vor sich hin trödelnder Blauwal oder Riesenhai kann ein Fischsammler sein. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen freitreibenden und fest verankerten FADs. Letztere können auch größere begehbare Plattformen sein. In der Regel sind FADs allerdings reine Bambusflöße, Flöße aus zusammengebundenen Fässern oder anderen geeigneten Materialien, verstärkt durch Netzmaterial. In der Regel treiben sie an der Wasseroberfläche. Es gibt allerdings auch in einer bestimmten Wassertiefe schwimmende FADs.
Die Ringwadennetzfischerei mit frei treibenden FADs ist eine der schädlichsten legalen Fischfangmethoden.
Experten schätzen, dass beim Einsatz von FADs und Ringwadennetzen allein im Indischen Ozean jedes Jahr mindestens 200.000 Seidenhaie (hauptsächlich Jungtiere) sinnlos als Beifang sterben.1 Weitere Beifangopfer sind: Meeresschildkröten, Delfine, andere Haiarten und Wale.
Kernaussagen
- FAD-Fischerei (Fischsammler) nutzt das natürliche Verhalten von Fischen und hat verheerende ökologische Auswirkungen.
- Die Ringwadennetzfischerei mit FADs führte zu einer massiven Überfischung von Gelbflossen- und Großaugenthunfischen im Indischen Ozean.
- Mit dieser Methode gefischter Thunfisch darf das MSC-Siegel für nachhaltigen Fischfang tragen.
- Jährlich sterben allein im Indischen Ozean mindestens 200.000 Seidenhaie als Beifang beim Einsatz von Ringwadennetzen mit FADs.
- FAD-freie Fischerei mit Ringwadennetzen reduziert den Beifang auf etwa 5 % des Gesamtfangs, schließt aber immer noch ganze Schwärme junger Fische ein.
- Wir setzen uns für ein Verbot von FADs ein.
Ringwadennetze – Umschließungsnetze
Meist setzen Fischer Ringwadennetze (Umschließungsnetze/purse seine fishing) ein, um die sich unter einem FAD versammelten Meerestiere abzufischen.
Ein Ringwadennetz legt man als Ring auf der Wasseroberfläche aus. Mithilfe einer am unteren Ende des Netzes befindlichen Zugleine zieht man es am unteren Ende zu. Dadurch bildet sich eine große Tasche (purse). Diese verkleinern die Fischer durch Verkürzen der an der Wasseroberfläche treibenden Schwimmleine. Anschließend ziehen sie die Ringwade mit allen darin befindlichen Tieren über die große Umlenkrolle eines Auslegers an Bord.

Im Fanggebiet Tropischer Ostpazifik (ETP) führte der Einsatz von Ringwadennetzen (ohne FADs aber mit Umkreisen von Delfinschulen) zur größten Meeressäuger-Massenvernichtung in der Geschichte der Menschheit.
Seit wann gibt es FADs?
Die Fischerei mit Ringwadennetzen um natürliche schwimmende Objekte wird schon lange durchgeführt. Erst in den 1980er-Jahren begann der Einsatz künstlicher Objekte (FADs). Dieser entwickelte sich in den frühen 1990er-Jahren dann rasch weiter.
Zum leichteren Auffinden tragen viele freitreibende Fischsammler einen Signalgeber. Manche haben sogar ein Echolot. Damit können Fischer die unter dem FAD schwimmende Fischmenge beurteilen.
Ökosystemfolgen
Die FAD-Fischerei mit frei treibenden Fischsammlern und Ringwadennetzen ist eine nicht nachhaltige, zerstörerische Fischfangmethode. Zum einen werden viele Jungthunfische gefangen, noch bevor sie sich vermehren konnten. Im Indischen Ozean trifft dies den Bestand der Gelbflossen-Thunfische, der bereits stark geschwächt ist.
Zum anderen sterben beim Einholen der Ringwadennetze viele Nichtzielarten wie Meeresschildkröten, Delfine und Haie als Beifang, die sich ebenfalls gerne im Bereich der FADs aufhalten.
Müllproblematik der verlorenen Fischsammler
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Jedes Jahr finden Fischer Zehntausende ihrer FADs nicht wieder. Man kann sie dafür nicht zur Rechenschaft ziehen.
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Erhöhte Geisternetzproblematik durch treibende Netze verloren gegangener FADs.
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Beschädigung küstennaher Ökosysteme (Korallenriffe, Seegraswiesen, Mangrovenwälder) durch verloren gegangene FADs und deren Netze.
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Küstenstaaten des Globalen Südens sehen sich mit einer schwer zu bewältigenden Müllproblematik an ihren Stränden konfrontiert.

Viele Küstenstaaten haben keine Entsorgungsinfrastruktur, um die Flut der meist aus Kunststoff bestehenden Reste von angespülten FADs entsorgen zu können.
© Seychelles Island Foundation
FAD-free fishing
Setzt man Umschließungsnetze nicht zum Einkreisen von Delfinschulen beim Thunfischfang oder ohne FADs beim sogenannten FAD-free fishing ein, erzielt man vergleichsweise niedrige Beifangraten von etwa 5 % des Gesamtfangs. Allerdings landen auf diese Weise weiterhin komplette Schwärme aus Jungfischen oder gemischte Schwärme wie Gelbflossen- mit Großaugenthunfischen in der Ringwade.
Überfischung von Thunfischen im Indischen Ozean
Ringwadennetzfischerei mit frei treibenden FADs ist im Indischen Ozean eine enorm beliebte Fischereimethode. Zuständig für das Fischereimanagement ist hier die IOTC (Thunfischkommission für den Indischen Ozean). Der im Indischen Ozean gefangene Thunfisch ist vorwiegend für Märkte in der EU und in Großbritannien als Thunfischkonserve oder für Japan und die USA als Sashimi bestimmt.

Industrielle Ringwadenfischer fingen von 2015 bis 2021 über 98 Millionen junge Gelbflossenthunfische mithilfe von Fischsammlern. Das waren etwa 97 % der jährlichen Gesamtfangmenge.
Der Gelbflossenthunfisch gilt im Indischen Ozean bereits seit 2015 als überfischt. Neuerdings gilt dies auch für Großaugenthunfische. Dennoch gibt es innerhalb der Fischereikommission erhebliche Widerstände gegen eine Reduzierung der Verwendung von Fischsammlern. Federführend ist hier die Europäische Union.
Das hat seinen Grund, denn EU-Fangflotten aus Spanien, Frankreich, Italien und Portugal setzen mit Abstand die meisten FADs ein.
MSC zertifiziert Thunfisch aus FAD-Fischerei
Im November 2018 zertifizierte das Marine Stewardship Council (MSC) erstmals eine FAD-Fischerei als nachhaltig. Es handelt sich um das spanische Unternehmen Echebastar. Folglich darf sie für im Indischen Ozean gefischten Skipjack-Thunfisch das begehrte, verkaufsfördernde blaue Fischsiegel verwenden. Im Laufe der Zeit wurden weitere Fangflotten zertifiziert.
Wie zerstörerisch die FAD-Fischerei von Echebastar ist, zeigt sich an den mindestens 8.000 jährlich als Beifang getöteten Seidenhaien (Carcharhinus falciformis). Bemerkenswert ist, dass diese gewaltige Menge 2018 von nur 5 Trawlern verursacht wird. Deren durchschnittliche Fangmenge liegt bei etwa 35.000 Tonnen Thunfisch.
Unser Einsatz gegen FAD-Fischerei
Im März 2021 hatten wir gemeinsam mit über 100 Organisationen von der Thunfischkommission für den Indischen Ozean Einschränkungen für die FAD-Fischerei gefordert.
Im Vorfeld einer Sondertagung der Kommission im Februar 2023 richteten wir gemeinsam mit 120 anderen Organisationen einen Appell an die EU-Kommission, die Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (DG MARE), alle Staatsoberhäupter der Europäischen Union und den EU-Fischereiausschuss. Sie sollten ein wirksames Management von freitreibender FADs etablieren
- Appell an die EU: Rettet die Thunfische im Indischen Ozean, schützt unsere Ozeane!
- IOTC lagging behind on shark conservation – an analysis of the status quo and comparison with other tuna RFMOs
Wir sind seit 2025 als offizielle Beobachter bei der IOTC akkreditiert und nehmen an den Konferenzen und Workshops teil, zu denen wir unsererseits auch mit wissenschaftlichen Arbeiten beitragen.
- Joint Statement to the 29th Session of the Indian Ocean Tuna Commission, La Réunion, 13–17. April 2025 – Gemeinsames Positionspapier von The Pew Charitable Trusts, Deutsche Stiftung Meeresschutz, WWF
- Präsentation Resolution 2025-08

- Filmalter, John & Capello, Manuela & Deneubourg, Jean-Louis & Cowley, Paul & Dagorn, Laurent. (2013). Looking behind the curtain: Quantifying massive shark mortality in fish aggregating devices. Frontiers in Ecology and the Environment. 11. 291-296. 10.1890/130045. ↩︎
Einkauftipps
- Achten Sie beim Kauf von Fischprodukten auf die Fangmethode UND das Fanggebiet.
- Unterstützen Sie mit Ihrem Kauf Fischereien, die nachhaltige Fangmethoden einsetzen: Pole & Line (Angelruten), Handangeln, Fischfallen, Wurfnetze etc.
- Meiden Sie grundsätzlich mit Fischsammlern (FAD) gefangenen Fisch. Achten Sie auf Kennzeichnungen wie: FAD-free, FAD free fishing
- Meiden Sie Fisch aus dem Indischen Ozean ohne Angabe der Fangmethode.
Unter Verwendung von Informationen zur FAD-Fischerei von: Fischbestände online – Thünen-Institut für Ostseefischerei
Titelfoto: ISSF/Fabien Forget
Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag
Weiterführende Informationen
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