Zum dritten Mal in Folge ist in der französischen Biskaya ein temporäres Fischereiverbot zum Schutz von Delfinen in Kraft. Es gilt jeweils vom 22. Januar bis zum 20. Februar und wurde 2024 für eine Dauer von drei Jahren festgelegt.
Das zur Universität La Rochelle gehörende Institut Observatoire Pelagis zog eine positive Bilanz des letztjährigen Fangverbots. So konnte die Beifangrate von Delfinen im Winter 2024/25 um rund 60 Prozent reduziert werden. Waren es zwischen 2017 und 2023 durchschnittlich 4.700 Delfine, die in den Netzen starben, so ging die Todesrate auf 1.900 Delfine zurück. Grundsätzlich geben die Forschenden aber zu bedenken, dass nicht nur das Fischereiverbot, sondern auch andere Faktoren wie die Verteilung der Delfine und ihrer Beutetiere den Rückgang der Todesrate beeinflusst haben könnten.
Kernaussagen
- In der Biskaya gilt seit der Fangsaison 2023/24 ein einmonatiges Fischereiverbot im Winter, um Delfine zu schützen.
- Es gilt nur für Kutter, die über 8 m lang sind.
- Dank des Verbots ging die Beifangrate von Delfinen im letzten Winter um rund 60 Prozent zurück.
- Vor der temporären Schließung der Fischerei starben zwischen 2017 und 2023 in der Wintersaison durchschnittlich 4.700 Delfine.
- Umweltorganisationen fordern weiterreichende Maßnahmen, um Delfine und andere Kleinwale nachhaltig zu schützen.
Gericht fordert besseren Schutz von Kleinwalen in der Biskaya
Die französische Regierung musste nach einem Urteil des obersten Verwaltungsgerichts (Staatsrat) handeln. Daher verhängte sie ab 2024 ein mit Einschränkungen verbundenes temporäres Fischereiverbot. Es gilt allerdings nur für drei Jahre. Und es gilt nur für Fangboote ab einer Länge von 8 m. Auch Kutter, die mit akustischen Abschreckgeräten (Pingern) ausgerüstet sind oder mit Videokameras auf Fangfahrt gehen, sind ausgenommen.
Von dem Fangverbot sollen rund 300 Boote betroffen sein. Sie erhalten staatliche Unterstützung für die entgangenen Einnahmen. Dennoch ist der Unmut unter den Fischern groß.
Zu kurz und zu viele Ausnahmen, doch der Anfang ist gemacht
Das Fischereiverbot zum Schutz von Gemeinen Delfinen und von Schweinswalen kam auf Druck französischer Umweltorganisationen und von Wissenschaftlern zustande. Die von uns unterstützten Forderungen umfassten allerdings einen Fangstopp von drei Monaten im Winter und mindestens einem Monat im Sommer.
„Der Verbotszeitraum ist zu kurz, denn auch wenn der Beifang zurückging, sind 1.900 tote Delfine in vier Monaten immer noch viel zu viele Meeressäuger. Wir erleben die Massenstrandungen an der französischen Atlantikküste jedes Jahr von Januar bis Ende März. Manchmal findet man bereits im Dezember und auch noch im April tote Delfine, die als Beifang in Fischernetzen starben“, sagt Ulrich Karlowski, Biologe der Deutschen Stiftung Meeresschutz. „Für Frankreich ist es jedoch ein revolutionärer Schritt. Vergleichbares haben wir in Deutschland nicht. Jetzt müssen weitere Restriktionen für die Fischerei zum Schutz von Delfinen und anderen Kleinwalen folgen.“

Wie geht es weiter?
Die französische Regierung erwägt derzeit keine Weiterführung dieser Maßnahme, sondern setzt auf technische Verbesserungen, um die Meeressäugerbeifangrate zu reduzieren. Französische Umweltverbände fordern unter anderem ab 2027 ein viermonatiges Fangverbot, zudem eine Ausweitung auf Boote von unter 8 m Länge und eine Überwachung der Fänge.
Viele tote Delfine im Golf von Biskaya
Der Fischereiaufwand im Golf von Biskaya ist hoch. Deshalb sterben jährlich von Dezember bis März im Golf von Biskaya mehrere Tausend Delfine und andere Kleinwale als Beifang in den Schleppnetzen französischer, spanischer und portugiesischer Trawler. In den vergangenen 30 Jahren sollen es mindestens 90.000 Tiere gewesen sein.
Bereits im Mai 2020 hatte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) von der EU-Kommission die temporäre Schließung von Fischereien zum Schutz von Delfinen und anderen Kleinwalen gefordert1.
Fischereiaufwand in der Biskaya
Das Biskaya-Schelf ist eine Ökoregion im riesigen FAO-Fanggebiet 27 (Nordostatlantik). Zielfischarten der Schleppnetzfischer sind vorwiegend der zu den Seehechten zählende Hechtdorsch (Merluccius merluccius) und der Europäische Wolfsbarsch oder Seebarsch (Dicentrarchus labrax). Letzteren findet man hierzulande als „Loup de mer“ auf der Speisekarte.
Laut einer Studie französischer Wissenschaftler gingen 2018 rund 2.000 Fischereifahrzeuge im Golf von Biskaya auf Fangfahrt: 2
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1.486 französische Trawler, darunter 1.072 Schiffe von unter 12 m
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300 spanische Trawler mit einer durchschnittlichen Länge von 25 m
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22 Fischtrawler aus Irland mit durchschnittlich 33 m Länge
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18 britische Trawler mit einer durchschnittlichen Länge von 37 m
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12 Trawler aus Belgien mit einer Durchschnittslänge von 37 m
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5 deutsche Fischtrawler mit einer durchschnittlichen Länge von 41 m
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3 niederländische Supertrawler mit einer Durchschnittslänge von 113 m
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1 Fischtrawler aus Dänemark mit 60 m Länge
Etwa 30 % der Trawler fischten mit Grundschleppnetzen (Einzel- und Gespannfischer), der derzeit zerstörerischsten legalen Fischereimethode.
- Rogan E, Read AJ, Berggren P. Empty promises: The European Union is failing to protect dolphins and porpoises from fisheries by-catch. Fish Fish. 2021; 22: 865–869. https://doi.org/10.1111/faf.12556 ↩︎
- Peltier Helene, Authier Matthieu, Caurant Florence, Dabin Willy, Daniel Pierre, Dars Cecile, Demaret Fabien, Meheust Eleonore, Van Canneyt Olivier, Spitz Jerome, Ridoux Vincent; In the Wrong Place at the Wrong Time: Identifying Spatiotemporal Co-occurrence of Bycaught Common Dolphins and Fisheries in the Bay of Biscay (NE Atlantic) From 2010 to 2019; Frontiers in Marine Science, Voume 8 – 2021, https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmars.2021.617342 ↩︎
Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag
Titelfoto: Gemeiner Delfin/Pixabay
