Fischerei vernichtet die Ozeane

Industrielle Fischerei: Mit Abstand die gefährlichste Bedrohung für das Leben in den Meeren

Die Fischerei droht unsere Ozeane in eine leblose Wasserwüste zu verwandeln. Gnadenlos wird mit immer größerem Aufwand noch der „letzte Fisch“ aus dem Wasser geholt. Bis in die Tiefsee dringt man heute mit Grundschleppnetzen vor und zerstört unwiederbringlich das Leben in den Meeren, einmalige Lebensräume und Lebensgemeinschaften. Schätzungsweise 3,2 Millionen Fangboote werden weltweit auf den Meeren und an den Küsten eingesetzt. Doch nur von einem Prozent dieser Boote geht der hauptsächliche Überfischungsdruck aus: 35.000 Industrieschiffe fangen über die Hälfte der weltweiten jährlichen Fangmenge im Meer und 80 Prozent des gehandelten Fischs.

Hemmungslose Überfischung

Die Überfischung ist heutzutage unbestreitbar vor allem Folge der Industriefischerei und deren technischer Aufrüstung. Ihre „Fangstrategien“ sind durch den Einsatz entsprechender Techniken (Fischfinder, satellitengestützte Informationen usw.) sehr effektiv. Und trotzdem hat all der technische Aufwand die globalen marinen Fangmengen von etwa 80 Millionen Tonnen Fisch jährlich nicht steigern können. Ist eine Art erschöpft , verlagert sich der Fischereidruck auf andere noch nicht überfischte Bestände. Viele Fischbestände sind bereits so stark dezimiert, dass eine fischereiliche Nutzung aus biologischer Sicht nicht mehr zu verantworten ist. Laut Studien der FAO (Welternährungsorganisation) sind bereits über 70 % der Bestände kommerzieller Fischarten überfischt oder erschöpft. In Europa sind 41 Prozent der Fischbestände überfischt. Die Folgen sind nicht nur für den Menschen gravierend, sondern für alles Leben in den Meeren.

Sinnloses Sterben: Beifänge und Rückwürfe

In der EU wurde das Ausmaß ungewollter Beifänge und Rückwürfe im Jahr 2011 mit 1,7 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr beziffert. Die ungewollte Beute wird von den Fischern verletzt, sterbend oder tot ins Meer zurückgeworfen. Trotz vorhandener Gesetze, wie der ab 2019 EU-weit geltenden „Anlandeverpflichtung“, hat sich an der Rückwurfpraxis nichts geändert. Immer noch gehen Millionen von Meerestieren tot über Bord. Da es an Kontrollen und Dokumentationen mangelt, wird sich an dieser Form der Raubfischerei durch die EU-Fischereiflotten auch nichts ändern, bis der letzte Fisch gefischt ist.

Fischereilobby dirigiert EU-Politiker

Maßnahmen zur Bekämpfung der Überfischung gibt es viele, z.B. selektivere Fangtechniken, Quotenregulierung für zulässige Gesamtfangmengen, Schutzgebiete und Schonzeiten für gefährdete Fischarten oder Öffnung versperrter Wanderrouten für Zugfische. Diese werden seit Jahren nicht nur von Meeresschutzorganisationen aus aller Welt gefordert. Wissenschaftliche Fischereikommissionen z.B. von der EU raten zu drastischen Einschränkungen der Fischerei. Doch das Gegenteil passiert. Regionale Fischereiabkommen erweisen sich als wirkungslos und regelmäßig knickt die Politik – allen voran die EU – vor der Fischereilobby ein. Gefälligkeiten, z.B. durch Subventionen für den Ausbau von Fischfangflotten unter dem Deckmantel einer nachhaltigen Fischerei sind an der Tagesordnung – bis der letzte Fisch gefischt sein wird…

Erschöpfung sämtlicher Fischbestände droht

In einer Studie haben 14 Meeresbiologen und Wirtschaftswissenschaftler die Entwicklung der Fischbestände in den Weltmeeren über die vergangenen rund 50 Jahre analysiert. Ihr Fazit ist deutlich: Ändert sich nichts, dann gibt es noch vor dem Jahr 2050 in den Ozeanen keinen Seefisch mehr, dann ist der letzte Fisch gefischt, dann stirbt das Leben in den Meeren.