Greenwashing-Skandal: MSC-Fischlabel

Umweltschutzorganisationen und Wissenschaftler fordern: Zertifizierung verbessern!

Sechsundsechzig Meeres- und Umweltschutzorganisationen – darunter die Deutsche Stiftung Meeresschutz – sowie führende Meereswissenschaftler haben einen offenen Brief an den Vorsitzenden des Marine Stewardship Council (MSC), Dr. Werner Keine, geschrieben. Darin kritisieren sie den MSC im Hinblick auf „Principle 2“ des Standards (Einfluss auf das Ökosystem). Denn zunehmend werden Fischereien mit dem MSC-Siegel auszeichnet, obwohl diese Tausende von gefährdeten Meerestiere töten. Zusätzlich wird den marinen Lebensräumen irreversibler Schaden zugefügt. Diese Zertifizierungen, so der Brief, stellt die Glaubwürdigkeit des MSC in Frage. Außerdem führt sie Verbraucher in die Irre. Denn diese vertrauen beim Kauf von Fisch und Meeresfrüchten auf das MSC als Nachhaltigkeitssiegel.

Tausende von gefährdeten und bedrohten Tierarten sterben unter dem MSC-Siegel

“Es muss der kumulative Einfluss der Fischereien auf die Bestände aller gefangenen Arten bewertet werden, inklusive des gesamten Beifangs“, sagt Dr. Cat Dorey, Meeresbiologin und Fischereiexpertin. “Wenn Fischereien die Erholung der Bestände von bedrohten Arten beeinträchtigen, darf man sie nicht als nachhaltig zertifizieren. Und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei um die Zielspezies der Fischerei handelt oder nicht. Ich denke, dem würden die meisten Verbraucher zustimmen.“

Komplettes Versagen der MSC-Standards

Einer der Hauptforderungen bezieht sich auf die mangelnde Bedeutung hinsichtlich des Schutzes von Arten, die nicht zur Zielspezies der jeweiligen Fischerei gehören. Viel zu oft wird bei der Bewertung oder Überprüfung einer Fischerei deren Einfluss auf gefährdete Arten ignoriert. Zur Risikominimierung werden lediglich kleine Änderungen auf dem Papier vorgenommen, anstatt auf echten, nachweislichen Veränderungen auf dem Wasser zu bestehen.

„Hummer- und Stellnetzfischereien im Verbreitungsgebiet der Atlantischen Nordkaper sind für eine Anzahl an Todesfällen dieser äußerst bedrohten Wale verantwortlich,“ sagte Kate O’Connell, meereswissenschaftliche Beraterin beim Animal Welfare Institute in USA. „Dennoch verlieren die Fischereien ihre MSC-Zertifizierung nicht. Dies wiederum verdeutlicht, dass der Standard, so wie er heute geschrieben ist, komplett versagt.“

Letzte Chance für die Glaubwürdigkeit des MSC

Delfine gefangen im Ringwadennetz beim Thunfischfang.

Delfine gefangen im Ringwadennetz beim Thunfischfang, einer nur im tropischen Ostpazifik angewandten Fangmethode

Die Unterzeichner verstehen ihren Brief als Chance. Schließlich erhält das MSC von einer Vielzahl an angesehenen Organisationen konstruktives Feedback. Damit leiße sich der MSC-Standard verbessern und dessen Glaubwürdigkeit als führendes Nachhaltigkeitssiegel bestätigen. Der Brief fordert zudem, dass der MSC

Wenngleich der Brief einräumt, dass der MSC auf die Bedenken von „Stakeholdern“ in einigen Fällen reagiert hat, so wird doch vor allem deutlich, dass es beim Zertifizierungsprozess gravierende Schwächen gibt. Diese müssten dringend behoben werden. „Keine der Forderungen, die wir hier stellen, ist dem MSC neu. Noch ist es so, dass ihnen unsere Bedenken diesbezüglich nicht schon seit Langem bekannt wären. Was jedoch neu ist, ist die Dringlichkeit. Dies gilt besonders in Anbetracht der angestrebten MSC Zertifizierung von 20 % des weltweiten Fischfangs bis 2020″, sagte Dr. Iris Ziegler von Sharkproject.

Irreführung der Verbraucher

Ohne umgehende Verbesserungen seiner Standards und seiner Prozesse läuft der MSC Gefahr, selbst als Verantwortlicher für das Problem der Ausbeutung unsere Fischbestände angesehen zu werden. Der Anhang zum Brief geht im Detail auf die kritischen Schwachstellen des MSC-Zertifizierungssystems ein. Denn diese sind dafür verantwortlich, dass Fischereien trotz wesentlicher Vorbehalte als nachhaltig zertifiziert werden. Fallbeispiele veranschaulichen Art und Ausmaß der Bedenken der Unterzeichner des Briefes.

welt.de v. 07.02.2018: Überfischt statt nachhaltig – MSC-Siegel verspielt das Vertrauen

Open Letter to Dr. Kiene, Chair of MSC Board of Trustees, and Mr Howes, MSC Chief Executive

ANNEX

Pressekontakt bei SHARKPROJECT:
Dr. Iris Ziegler
E-Mail: i.ziegler@sharkproject.org