Großbritannien verbietet Haiflossenhandel

Was die EU bisher nicht schaffte, die Briten machen es vor: Großbritannien verbietet den Haiflossenhandel. Das künftige Import- und Exportverbot umfasst sowohl Haiflossen als auch Produkte daraus, wie etwa Haiflossensuppe in Dosen. Dies verkündete jetzt die britische Regierung.

Vorreiterrolle beim Kampf gegen den Haiflossenhandel

Großbritannien übernimmt damit eine führende Rolle im Kampf gegen die grausame Fischereimethode des shark finning: Bei lebendigem Leib schneidet man gefangenen Haien und Rochen erst die Flossen ab. Anschließend werfen die Fischer die flossenlosen Tiere lebend zurück.

Haibestände schwinden

Die Haiflossenfischerei floriert, solange der Haiflossenhandel erlaubt bleibt

Solange der Haiflossenhandel erlaubt ist, floriert auch der Haiflossenfischerei – Foto: Rikke F. Johannessen/Marine Photobank

Neben der Überfischung trägt die Haiflossenfischerei maßgeblich zum Schwund von Haien und Rochen bei. Von den rund 500 Haiarten sind 143 gefährdet, etliche davon sogar vom Aussterben bedroht. Insbesondere die Bestände von Kurzflossen-Makohaien und Blauhaien sind als Folge von unselektiven Fangmethoden dramatisch zurückgegangen.

„Shark finning ist unvorstellbar grausam, Tausende Haie sterben dabei einen furchtbaren Tod. Die Praxis ist zudem unentschuldbar verschwenderisch. Mit Recht ist sie in den Gewässern des Vereinigten Königreichs verboten, doch der Handel geht weiter und hat schlimme Auswirkungen auf die Zukunft dieser wundervollen Lebewesen“, begründet der britische Tierschutzminister Lord Goldsmith den Schritt seiner Regierung.

Gesundheitspolizei

Die Entscheidung der britischen Regierung gegen den Haiflossenhandel ist vorbildlich. „Denn der Bestand nahezu aller Hochseehaie und -rochen ist in den letzten 50 Jahren im Schnitt um 70 Prozent zurückgegangen. Dabei sind Haie als Gesundheitspolizei unverzichtbar für das Funktionieren von Meeresökosystemen. Ohne Haie beschleunigt sich etwa das Sterben von Korallenriffen und Seegraswiesen. Denn sie halten beispielsweise Zackenbarsche in Schach. Gibt es von denen zu viele, dezimieren sie zu viele algenfressende Fische. In der Folge überwuchern Algen Riffe und Seegraswiesen. Das sind fatale ökologische Kettenreaktionen,“ erklärt DSM-Biologe Ulrich Karlowski.

Haiflossenhandel in der EU

In der EU ist das Shark Finning seit 2013 mit der sogenannten „Fins Naturally Attached“-Verordnung (Ganzkörperanlandung) verboten. Dies wird aber kaum kontrolliert. Deshalb kann niemand sagen, wie viele Haiflossen illegal angelandet werden. Und solange der Handel mit Haiflossen erlaubt ist, floriert auch die Haiflossenfischerei.

Titelfoto: Frisch abgeschnittene Haiflossen – Foto: istock.com/lonelytravel