Grundschleppnetzfischerei

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„Fischen mit Grundschleppnetzen ist so, als würde man mit einem Bulldozer in einen Teich fahren, um die Fische zu fangen“, beschreibt der Fischereiexperte Elliot Norse, Präsident des Marine Conservation Biology Institute eine Fischereimethode, die – abgesehen von der Dynamitfischerei – die größten Zerstörungen in der Meeresumwelt anrichtet. Die Bezeichnung Grundschleppnetzfischerei verweist auf Einsatzgebiet und Zielfischarten: am Meeresgrund lebende Grundfische. Seit einigen Jahren auch Tiefseefische. Hinter dem noch harmlos klingenden Wort verbirgt sich ein absolut rücksichtsloser und in seinen negativen Auswirkungen auf die Meeresumwelt mit keiner anderen legalen Fischereimethode vergleichbarerer Raubbau. Es ist eine Fischerei der verbrannten Erde, bzw. der zerstörten Meere.

Das Fischen mit Grundschleppnetzen ist derzeit die zerstörerischste legale Fischereimethode. In ihren Auswirkungen auf die Meeresumwelt ist sie mit der weltweit geächteten und verbotenen Dynamit- oder Sprengstofffischerei vergleichbar:

  • Extrem hohe Beifangraten von bis zu 90 Prozent
  • Zerstörung des Meeresbodens und empfindlicher Tiefseelebensräume wie Seeberge, Kaltwasserkorallen oder Glasschwämme
  • Zerstörung potenter CO2-Speicherökosysteme wie Seegraswiesen
  • Freisetzung großer Mengen des in Sedimenten gespeicherten Klimagases CO2
  • Hoher Kraftstoffverbrauch und damit verbundene schädliche Emissionen (CO2, Methan, Lachgas, Schwefeloxide, Stickoxide, Ruß) beim Ziehen mit Scheuchketten, Scherbrettern aus Metall oder sogenannten „Baumkurren“ künstlich beschwerter Netze über den Meeresboden

Moderne Form legaler Dynamitfischerei

Bei der Grundschleppnetzfischerei ziehen Fischkutter riesige mit großen Metallplatten, schweren Stahlseilen oder sogenannten Baumkurren beschwerte trichterförmige Netze über den Meeresboden. Zusätzlich sind seitliche Scherbretter aus Holz oder Stahl angebracht. Dadurch wird ein noch größerer Bereich umgepflügt.

Martialische Kettenkonstruktion eines Grundschleppnetzes beim Einholen an Bord
Einholen eines Grundschleppnetzes mit massiven Ketten – Foto: Mike Markovina/Marine Photobank.

Mit ihrer martialischen Konstruktion verursachen Grundschleppnetze immense und irreparable ökologische Schäden. Je nach Einsatzgebiet und Zielfischart können sich die Netze erheblich voneinander unterscheiden. Man differenziert sie nach Art der horizontalen Netzöffnung, in verschiedene Kategorien: Grundscherbrettnetze, Zweischiffgrundschleppnetze, Grundscherbrett-Hosennetze und Baumkurren.

Baumkurren

Baumkurren von Grundschleppnetzen für den Fang von Plattfischen (Scholle, Seezunge, Kliesche, Butt) sind mit über den Meeresboden schleifenden Scheuchketten ausgerüstet. Sie treiben die dort lebenden Fische ins aufgespannte Netz.

Baumkurren an Grundschleppnetzen, mit denen Nordseegarnelen (Krabben) gefangen werden sind weniger schwer. Dennoch wiegen die auch Kurrbaum genannten, bis zu 12 m langen Gerätschaften immer noch bis zu 10 t. Dieses Gewicht wird benötigt, um dem beim Ziehen über den Meeresboden nach oben wirkenden Auftrieb entgegen zu wirken. In Abhängigkeit vom Sediment hinterlassen Scheuchketten und Kufen schwerer Baumkurren 1 bis 8 cm tiefe Schleifspuren im Meeresboden. Diese bleiben je nach Sediment und hydrographischen Bedingungen unterschiedlich lange sichtbar.

Grundschleppnetz mit Baumkurre ohne Scheuchketten zum Fang von Nordseegarnelen (Krabben).
Krabbenkutter mit Grundschleppnetz und Baumkurre ohne Scheuchkette. © U.Karlowski

Fischen nach dem Zufallsprinzip

Wie beim Einsatz von Langleinen oder Schleppnetzen, fischen Grundschleppnetze nach dem Zufallsprinzip. Daher zeichnet sich auch die Grundschleppnetzfischerei durch hohe Beifangraten (unbeabsichtigter Fang von Nichtzielarten) aus.

Zusätzlich – und hier unterscheidet sich diese Fischereimethode grundsätzlich von allen anderen legalen – zerstört ein Grundschleppnetz den Meeresboden. Es hinterlässt eine Todeszone. Eine Schneise der Verwüstung. Ein Korallenriff, über das ein Grundschleppnetz gezogen wurde, sieht anschließend so aus, als sei hier mit Dynamit gefischt worden. Und nur mit dieser illegalen Fischereimethode lässt sich die Grundschleppnetzfischerei vergleichen.

Bodenberührende Fischerei als Klimakiller

Vergeblich fordern Wissenschaftler und Meeresschützer seit Jahren ein absolutes Verbot der bodenberührenden Fischerei. Auch weil dabei große Mengen des in den Sedimenten gespeicherten Klimagases CO2 freigesetzt werden. Dabei verursachen Grundschleppnetzfischer weltweit in etwa so hohe Treibhausgasemissionen, wie die Landwirtschaft durch Bodenveränderungen freisetzt. Trotzdem ist Grundschleppnetzfischerei in den meisten Meeresgebieten legal. Sogar in vielen Meeresschutzgebieten, insbesondere in deutschen Schutzgebieten in der Nordsee.

Rotbarsch auf dem Teller – Todeszonen in der Tiefsee

„Nachdem die Fischerei in den flachen Gewässern fast überall am Rande des Abgrunds schwimmt, greifen die neuen, noch schnelleren Fangflotten in die unbekannten Tiefen der Weltmeere. 40 Prozent aller Fischereigründe befinden sich bereits in der Tiefsee, also tiefer als der Kontinentalschelf. Die neuen Technologien sind so effektiv, dass sie nicht nur ernten, sondern im wahrsten Sinn des Wortes abbauen.“

Callum Roberts, Ozean-Ökologe der Harvard University

Und so gelangen einst als Exoten geltende Tiefseearten wie Granatbarsch (Hoplostethus atlanticus), Grenadierfisch (Coryphaenoides rupestris) und vor allem Rotbarsch (Sebastes marinus) heute immer öfter auch in Deutschland auf dem Teller. Nach Angaben von Fischbestände online stammt der weitaus größte Teil des Meeresfisches auf dem deutschen Markt derzeit aus Grundschleppnetzfischerei.

Tiefseefisch, eine nicht erneuerbare natürliche Ressource

Tiefseearten wachsen langsam. Sie werden spät geschlechtsreif. Rotbarsch zum Beispiel erst nach 12 bis 20 Jahren. Und sie haben nur wenig Nachwuchs. Dafür werden sie sehr alt. Ein Granatbarsch kann sogar bis zu 150 Jahre erreichen. Damit sind diese Arten im Grunde zur Befischung ungeeignet. Daher bezeichnet man sie mittlerweile auch als „nicht erneuerbare natürliche Ressourcen„. Denn die Bestände kollabieren schnell.

Vier Schwarze Degenfische liegen auf Eis im Fischmarkt.

Schwarze Degenfische. Der Bestand dieser Tiefseefische leidet unter Beifängen in der Grundschleppnetzfischerei. Foto: AngMoKio – CC BY-SA 2.5

Trauriges Beispiel: Tasmanien. Nach nur wenigen Jahren der Befischung mussten die Regierungen Neuseelands und Australiens 2007 einen Fangstopp für den Granatbarsch aussprechen. Dann zogen die Fischereiflotten weiter. Selbst wenn vermehrungsfähige Exemplare einer Tiefseefischart den Angriff eines Grundschleppnetzes überleben, nutzt ihnen dies wenig. Denn anschließend gibt es für ihren Nachwuchs keinen Lebensraum mehr.

Fischerei der verbrannten Erde

Die Fischtrawler suchen gezielt Regionen auf, die sich durch einen besonderen Reichtum an Fischen auszeichnen: Seeberge und Kaltwasserkorallenriffe. Doch ein Grundschleppnetz rasiert diese über Jahrtausende gewachsenen und sehr empfindlichen Lebensräume innerhalb kürzester Zeit einfach ab. Da ist dann nichts mehr. Zahlreiche Untersuchungen haben deutlich gezeigt, dass Grundschleppnetze die letzten Bastionen der Tiefsee komplett zerstören. Als Kinderstube für unzählige Arten extrem wertvolle Kaltwasserkorallenriffe benötigen 5.000 Jahre zum Wachsen. Innerhalb weniger Minuten sind sie vollständig vernichtet. Und auch die Lebensgemeinschaften des Weichbodens überleben die Befischung mit Grundschleppnetzen nicht.

Zerstörungen durch Grundschleppnetzfischerei an einem Tiefseeberg.

Zerstörungen durch Grundschleppnetzfischerei an einem Tiefseeberg. Foto: CSIRO Marine Research

Auf Tiefeseefisch verzichten!

Unser Konsumverhalten könnte zum wesentlichen Faktor im Kampf gegen die das Leben in Meeren zerstörende Grundschleppnetzfischerei werden. Rotbarsch zum Beispiel liegt in Deutschland mit knapp 32.600 Tonnen pro Jahr an Platz elf der beliebtesten Fische. Er hat damit einen Marktanteil von drei Prozent.

Man sollte konsequent auf Rotbarsch, andere Tiefseefische sowie auf Fische aus der bodenberührenden Fischerei verzichten. Gute Alternativen sind Bio-Zuchtfische, z. B. Pangasius oder Tilapia oder auch FOS-zertifizierte (Friend of the Sea) Meeresfische.

Grundschleppnetzfischerei in Nord- und Ostsee

Bereits im November 2008 forderten Wissenschaftler zum Abschluss einer dreitägigen Fachtagung in Stralsund für die Nord- und Ostsee ein Verbot der Fischerei mit schweren Grundschleppnetzen. Denn hier dürfen sie sogar in Meeresschutzgebieten eingesetzt werden. Wegen ihrer abgewandelten Konstruktion nennt man sie bei uns Baumkurren.

Grundschleppnetzfischer im Hafen von Büsum.

Grundschleppnetzfischer im Hafen von Büsum. Foto: U.Karlowski

Henning von Nordheim, Leiter des Fachgebietes Meeres- und Küstennaturschutz im Bundesamt für Naturschutz, sagte, diese Fischereiform habe bereits zu massiven Schäden an Sandbänken und Riffen geführt. Die Folge sei der Ruin verschiedener Fischbestände. Zusätzliche Schäden entstünden durch zu hohe Beifänge. Auch Seevögel und Schweinswale zählten zu den Opfern. Die Zeit zum Handeln dränge, unterstrich Nordheim.


Verbote für die Grundschleppnetzfischerei

Trotz zahlloser Proteste von Meeresschützern und Wissenschaftlern – 2004 wurde eine von 1100 Wissenschaftlern unterzeichnete Petition gegen Grundschleppnetze veröffentlicht – scheitern Versuche diese extreme Form der Meereszerstörung zu verbieten, regelmäßig am Egoismus einiger Fischereinationen und dem Einfluss der Fischereilobby.

Die Vereinten Nationen konnten sich 2006 nicht auf ein Verbot einigen. Auch im Deutschen Bundestag fand sich keine Mehrheit für die Unterstützung eines UN-Moratoriums. Die CDU hielt ein Verbot für nicht mehrheitsfähig und wollte es daher erst gar nicht versuchen. Bei der SPD war man gar der Meinung, die Grundschleppnetzfischerei sei nur in Teilen der Tiefsee schädlich und man müsse die Arbeitsplätze in dieser Branche im Ausland erhalten. Die FDP dagegen winkte ab, da sie ein solches Verbot für nicht vollständig kontrollierbar hält. Dennoch hat angesichts der immer deutlicher werdenden negativen Auswirkungen der Grundschleppnetzfischerei immerhin ein langsames Umdenken eingesetzt.

EU stoppt Tiefsee-Grundschleppnetzfischerei auf über 16.000 Quadratkilometern

Es dauerte sechs Jahre. Dann hatte die EU im September 2022 die bereits 2016 verabschiedete Verordnung 2016/2336 über den Zugang der Fischerei zur Tiefsee endlich vollständig umgesetzt. Nach dem Verbot für die Tiefsee-Grundschleppnetzfischerei ab 800 m aus 2016 sind jetzt auch 16.419 km2 in 87 Gebieten in Tiefen zwischen 400 und 800 Metern in EU-Gewässern in der Nähe der Atlantikküsten Frankreichs, Irlands, Portugals und Spaniens für bodenberührende Fischerei (d.h. Schleppnetze, Langleinen, Stellnetze, Reusen und Fallen) geschlossen. Dies entspricht 1,16 % der EU-Gewässer im Nordostatlantik. Zu den geschützten Arealen gehören 57 schutzbedürftige Tiefsee-Ökosysteme, sogenannte Vulnerable Marine Ecosystems (VMEs).

Vorgesehen war, dass diese Zugangsverordnung bereits 2018 umgesetzt werden sollte. Weil die EU-Kommission sich aber dazu entschloss, vor der finalen Entscheidung ausführliche Beratungen mit Wissenschaftlern, allen Mitgliedsstaaten, der Fischerei, der fischverarbeitenden Industrie und Umweltschutzorganisationen abzuhalten und zudem eine öffentliche Konsultation durchführte, verzögerte sich die Umsetzung um fast vier Jahre!

Dieser lange überfällige Schritt ermöglicht endlich den dringend notwendigen Schutz von Seebergen, Kaltwasser-Tiefseekorallen, Ansammlungen von Tiefsee-Schwämmen und anderen lebensraumbildenden Arten in der Tiefsee. Bis zuletzt leistete die Fischereiindustrie Widerstand gegen die Schließung der Gebiete.

Presseerklärung von Seas at Risk

European Commission takes bold steps to protect vulnerable marine ecosystems

Britische Meeresschutzgebiete in der Nordsee

Ab Juli 2022 sind vier britische Meeresschutzgebiete für Grundschleppnetzfischer gesperrt. Sie liegen in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, Seegebiete des Küstenmeeres bis zur 200-Seemeilen-Grenze) von Großbritannien. Darunter auch ein großer Teil (12.000 km2) der etwa 18.000 km2 großen Doggerbank in der Nordsee.

Grafik mit den Meeresschutzgebieten vor England mit Grundschleppnetzfischerei-Verbot.
© Blue Marine Foundation

Die anderen drei für Grundschleppnetze gesperrten Gebiete sind:

  • Inner Dowsing, Race Bank und North Ridge vor der Küste von South Lincolnshire
  • South Dorset Conservation Zone
  • The Canyons Marine Conservation Zone

Kanada: Eastern Canyons Marine Refuge

Zum Welttag der Meere 2022 erklärte die kanadische Regierung das rund 44.000 km2 große „Eastern Canyons Marine Refuge“ vor der Küste der kanadischen Provinz Nova Scotia zum Meeresschutzgebiet. Hier gilt fortan ein Verbot für bodenberührende Fischerei. Während Grundschleppnetzfischerei kategorisch untersagt ist, gibt es auf 0,2 Prozent des Gebiets noch eine Fischereizone für kleinere Boote von Langleinenfischern. Diese müssen allerdings einen Fischereibeobachter an Bord haben.

Mittelatlantischer Rücken „Alpen der Tiefsee“

Im Juni 2008 einigten sich die 15 Staaten des Oslo-Paris-Abkommens OSPAR, dass in einer Alpen der Tiefsee genannten Untersee-Bergkette des Mittelatlantischen Rückens die Tiefseefischerei mit Grundschleppnetzen stark eingeschränkt, in manchen Gebieten auch verboten wird. Das so entstehende Schutzgebiet liegt auf halber Strecke zwischen Island und den Azoren. Es entspricht etwa der Größe Italiens. Damit gehört es zu den größten Meeresschutzgebieten. Doch von weltweiter Ächtung oder funktionierender Überwachung bestehender Schutzzonen ist man noch weit entfernt. Sehr weit.

Nordwestatlantik

Im September 2021 beschloss die Nordwestatlantische Fischereiorganisation (Northwest Atlantic Fisheries Organization/NAFO) weitreichende Sperrungen oberhalb von 4.000 Metern Tiefe für die Fischerei mit Grundschleppnetzen. Die Verbotszonen umfassen rund 100.000 Quadratkilometer.

EU-Verbot für Grundschleppnetze ab 800 Metern

Nach einem zähen, vierjährigen Verhandlungsmarathon verständigt sich die EU Mitte 2016 auf ein weitgehendes Verbot für Grundschleppnetze in den Tiefseeregionen des Atlantiks ab einer Meerestiefe von 800 Metern. Der letztendlich dann doch überraschende Durchbruch im Vermittlungsausschuss kam am letzten Tag der niederländischen Präsidentschaft zu Stande. Meeresschützer wie die Deutsche Stiftung Meeresschutz werten die Entscheidung als Erfolg für den Schutz der betroffenen Tiefsee-Ökosysteme und Schritt in die richtige Richtung.

Zwar gilt das Verbot für Grundschleppnetze nur für EU-Gewässer bis 200 Seemeilen vor der Küste und nicht auch für die Hohe See im Nordostatlantik. Dafür aber für die Hohe See vor Westafrika um die Kanarischen Inseln und Madeira. Tiefseebewohner wie Rotbarsche, Tiefseekorallen oder Tiefseehaie haben jetzt eine bessere Chance zu überleben.

Grundschleppnetzfischerei verursacht hohe Beifangraten.

Grundschleppnetzfischerei verursacht hohe Beifangraten (unbeabsichtigter Fang von Nichtzielarten) von bis zu 90 Prozent. © OCEANA Enrique Talledo

EU begrenzt Umfang der Tiefseefischerei

Neben dem Verbot für Grundschleppnetze in der Tiefsee beschloss die EU noch weitere dringend notwendige Reformen für den Fischereisektor. Zukünftig sind auch Stellnetze und Kiemennetze in Regionen unterhalb von 600 Meter verboten. Für bisher nicht befischte Gebiete muss jetzt immerhin eine Verträglichkeitsprüfung stattfinden. Erst dann kann eine Fangerlaubnis für Tiefseefische erteilt werden.

Zukünftig müssen bei 20 Prozent aller Ausfahrten von Tiefseefischern Fischereibeobachter an Bord sein. Dies gilt für der EU-Gewässer und auf der Hohen See. Ursprünglich hatte das EU-Parlament hier unabhängige Beobachter auf allen Tiefseetrawlern gefordert. Außerdem muss bei Kontakt mit Tiefseekorallen, -schwämmen und anderen empfindlichen Tiefsee-Ökosystemen der Fang abgebrochen und anderswo fortgesetzt werden. Allerdings ist dann meist schon zu spät. Für die überwiegende Zahl der Tiefseefischer dürften diese Bestimmungen allerdings Schall und Rauch sein. Denn ohne Fischereibeobachter machen derartige Regeln wenig Sinn.


150.000 Stimmen gegen Grundschleppnetzfischerei in Meeresschutzgebieten

Am 20. Dezember 2021 überreichten Aktivisten des Meeresschutzbündnisses „Seas at Risk“, dem wir angehören, Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei,  über 150.000 Stimmen der EU-Bürgerpetition „Stop destroying our ocean/Hört auf unseren Ozean zu zerstören“ gegen Grundschleppnetzfischerei in EU-Meeresschutzgebieten. Mit der auch von uns unterstützen Bürgerpetition wurde die EU aufgefordert, Grundschleppnetzfischerei abzuschaffen, angefangen mit einem sofortigen Verbot in europäischen Meeresschutzgebieten. Außerdem erhielt der Fischereikommissar ein 1,5 x 2,5 m großes Pop-up-Buch.

Protestaktion gegen Grundschleppnetzfischerei in der EU mit Unterschriftenübergabe an EU-Kommissar Sinkevičius

In dem Buch begeben sich die beiden Kommissare Sinkevičius und Timmermans (geschäftsführender Vizepräsident der EU-Kommission) auf ein Meeresabenteuer, das dem populären Film „Die Tiefseetaucher / The Life Aquatic“ nachempfunden ist. Dieser karikiert die Arbeit des berühmten Meeresforschers und Naturschützers Jacques-Yves Cousteau. Es zeigt aber auch die Verwüstungen, die die bodenberührende Fischerei anrichtet – und wie die Meeresumwelt ohne sie gedeihen könnte.


Wiederentdeckte Meeresdinosaurier – bald endgültig ausgestorben?

Glasschwämme bildeten vor 155 Millionen Jahren die größten Riffe der Weltgeschichte. Eines reichte über 7000 Kilometer vom Kaukasus über den heutigen Atlantik bis nach Tennessee. Vor 55 Millionen Jahren starben sie aus. Dachte man. Bis man 1997 zufällig ein Glasschwammriff vor der Küste der kanadischen Provinz British Columbia entdeckte.

Es gibt sie heute nur noch im Nordpazifik auf einer Fläche von 1000 Quadratkilometern in Tiefen von 150 bis 250 Metern. Natürlich ist der Fischreichturm rund um diese Kaltwasser-Organismen der Fischerei nicht lange verborgen geblieben. Und jetzt läuft den wiederentdeckten Dinosauriern der Meere, nach Millionen von Jahren, die Zeit davon. Während es etwa 9000 Jahre dauert, bis ein Glasschwammriff gewachsen ist, benötigt ein Grundschleppnetzfischer 90 Minuten, um es auszulöschen.

Foto oben: Illegaler Grundschleppnetzfischer auf der Flucht vor Fischereiaufsicht, Mayumba Bucht, Gabun: Michael Markovina
Quelle Kapitel Baumkurren: Fischbestände Online

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