Shark Finning – Haiflossen-Fischerei

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Haiflossen-Fischerei ist grausam. Denn bei der auch „Shark Finning“ genannten Fischereimethode, schneidet man nach dem Fang die Flossen vom Körper. Dann werfen die Fischer die verstümmelten und nicht mehr schwimmfähigen Tiere zurück ins Meer. Dort sterben sie langsam. Sie ersticken, verbluten, werden lebendig gefressen. Meeresschützer und Wissenschaftler befürchten schon lange den Zusammenbruch der Bestände bestimmter Arten. Denn die Fangrate steigt ständig. Doch Haie haben nur wenig Nachwuchs. Viele Arten benötigen bis zu 25 Jahre bis sie geschlechtsreif sind.

Shark Finning  – Millionen Haie sterben bei der Haiflossen-Fischerei

Nach Angaben der Weltnaturschutzunion (IUCN) sterben jährlich zwischen 63 und 273 Millionen Haie. Getötet durch Menschenhand. Genaue Zahlen gibt es nicht. Es sind wohl viel mehr. Belastbare Daten fehlen. Anzunehmen ist, dass die Dunkelziffer, auch wegen der weltweiten illegalen Fischerei (IUU), hoch ist. Haiflossen-Fischerei ist eine gigantische Verschwendung. Denn fast 99 % jedes gefangenen Hais verschwinden ungenutzt wieder im Ozean.

Nachfrage nach Haiflossen übertrifft Angebot

Ein Stapel Haiflossen.

Haiflossen gehören zu den teuersten Fischprodukten überhaupt. Doch die Nachfrage übertrifft das Angebot bei Weitem. Foto: Jessica King, Marine Photobank

In über 125 Ländern werden Haiflossen verkauft. Größter Absatzmarkt ist Hongkong. Dort gelten sie als Delikatesse und Statussymbol. Eine Schale Haifischflossensuppe von bestimmten Arten kann dort bis zu 400 Euro kosten. Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung in Fernost können und wollen sich immer mehr Menschen Haiflossenprodukte kaufen. Früher was dies nur einer kleinen wohlhabenden Bevölkerungsschicht vorbehalten.

Viele bedrohte Arten sterben beim Shark Finning

Wissenschaftler der Florida International University (FIU) durchleuchteten zwischen Februar 2014 und Februar 2015 mittels DNA-Analysen den bis dahin undurchsichtigen Handel auf dem weltweit größten Markt für Haiflossen in Hongkong. 2016 importierte Hongkong 5 718 Tonnen Haiflossen. Das Ergebnis der im Oktober 2017 veröffentlichten Studie ist erschreckend. Denn mehr als ein Drittel der verkauften Haiflossen stammte von bedrohten Arten.

Bei 4 800 aus fast 100 Fischgeschäften gekauften Haiprodukten identifizierten die Forscher fast 80 Hai- und Rochenarten. 25 Prozent der Proben stammten dabei von Arten, die auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) als gefährdet gelistet sind. Mit einem Anteil von 34 Prozent war der Blauhai (Prionace glauca) die am häufigsten für Haiflossen und anderen Haiprodukte verwendete Art. Auf der Roten Liste ist er mit dem Status „Gefährdung droht“ eingestuft.

Seidenhai.

Auch Flossen der bedrohten Seidenhaie landen auf den Märkten in Hongkong. Foto: Alex Chernikh/Marine Photobank

Weitere 8 Prozent der angebotenen Haiflossen stammten von bedrohten Arten. Darunter Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini), Großer Hammerhai (Sphyrna mokarran), Seidenhai (Carcharhinus falciformis) oder Großaugen-Fuchshai (Alopias superciliosus). Nur etwa ein Fünftel der gefunden Arten stammen aus nachhaltig operierenden Fischereien.

Dennoch sieht FIU-Meeresbiologe Damien Chapman, der an der Haiflossen-Studie teilnahm, Zeichen des Wandels: „Insgesamt sehen wir, dass der Schutz von Haien in der Öffentlichkeit immer mehr Unterstützung findet und die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich zieht“, sagt er auf phys.org. „Es liegt noch ein sehr langer Weg vor uns, aber wenn der jüngste Schwung anhält, dann können wir meines Erachtens die am stärksten gefährdeten Arten vor dem Handel schützen und gleichzeitig mehr auf nachhaltig gefischte Produkte umschwenken.“

FIU-Studie zum Handel mit Haiflossen in Hongkong:
Andrew T. Fields et al. Species composition of the international shark fin trade assessed through a retail-market survey in Hong Kong, Conservation Biology (2017). DOI: 10.1111/cobi.13043


Shark Finning in der EU

Zwar ist Shark Finning seit 2013 in der EU mit der sogenannten „Fins Naturally Attached“-Verordnung (Ganzkörperanlandung) verboten. Dies wird aber kaum kontrolliert. Deshalb kann niemand sagen, wie viele Haiflossen illegal angelandet werden.

EU exportiert jährlich 3.500 Tonnen Haiflossen

In Europa findet der Haifang vor allem im Atlantik statt. Hier ist Spanien einer der Weltmarktführer. Allein 2016 landeten spanische Fischer offiziell 53.000 Tonnen Blauhaie an. Das entspricht etwa 1,75 Millionen Tieren. Berechnungsgrundlage ist ein Durchschnittsgewicht von etwa 30 Kilogramm pro Blauhai. Die Gesamtfangmenge aller EU-Fangflotten liegt bei 66.194 Tonnen Blauhai. Das entspricht etwa 2,2 Millionen Tieren. Viele von ihnen Opfer der gezielten Haiflossen-Fischerei.

Shark Finning: Abgeschnittene Haiflossen liegen auf einer Karre.

Foto: Rikke Færøvik Johannessen/Marine Photobank

Dabei ist Blauhai-Fleisch schwer genießbar. Wegen seines hohen Harnstoffgehalts riecht und schmeckt es nach Ammoniak. Es sei dann man verarbeitet es unmittelbar nach dem Fang. Dies ist den Fischern oft zu mühselig. Derartige Fangmengen lohnen sich also nur für die Flossen. Trotz zunehmender Bedrohung hat sich die Blauhai-Fangmenge im Atlantik gegenüber dem Anfang des Jahrtausends fast verdoppelt. Doch auch andere Arten der urtümlichen Fische sind betroffen.

Insgesamt exportiert die EU jährlich durchschnittlich knapp 3.500 Tonnen Flossen. Das entspricht einem Gesamtwert von etwa 52 Millionen Euro.

Fins Naturally Attached-Verordnung soll Haiflossen-Fischerei verhindern

Aufbewahren, Umladen und Anlanden von Haiflossen sind in EU-Hoheitsgewässern und auf allen EU-Schiffen ausnahmslos verboten. Die Tiere müssen beim Entladen im Hafen intakt sein. Erst danach darf man die Flossen abtrennen und verkaufen. Bislang gibt es nur in wenigen Staaten vergleichbare Gesetze zur Hai-Ganzkörperanlandung (Fins Naturally Attached). Etwa in den USA, Kanada, Indien, Südafrika, Chile, Costa Rica oder Kolumbien.

In anderen Ländern dagegen ist Shark Finning erlaubt. Daher gibt es auf dem weltweiten Markt gewaltige Mengen an Flossen. Die Herkunft ist meist kaum nachvollziehbar. Oft ist sie fragwürdig. Dennoch dürfen auch diese Haiflossen legal in und über Europa gehandelt werden. Dabei heißt es in der aktuellen „Fins Naturally Attached“-Verordnung: „Haie stellen keine traditionell europäische Speise dar, doch sie sind ein nötiges Element der europäischen marinen Ökosysteme.

Foto oben: Hai ohne Flossen am Meeresgrund: Nancy Boucha, www.scubasystems.org 2005/Marine Photobank


Was können Sie tun?

Verzichten Sie – auch im Urlaub – auf den Verzehr von Haiprodukten. Achten Sie dabei auf als Kalbsfisch, Seestör oder Schillerlocke „getarnte“ Haiprodukte.

Citizen Science – Bürgerforscher:
Mithilfe der sozialen Medien wollen Haiforscher mehr über Haie und Rochen im Mittelmeer herausfinden, um eine umfassende Datenbank über die Arten zu erstellen. Dafür wurde das MECO Project gegründet (Mediterranean Elasmobranch Citizen Observations): Denn je mehr wir wissen, umso besser können wir Arten schützen!

Die öffentliche Facebook-Gruppe heißt: Hai-Sichtungen Mittelmeer/Sharks of the Mediterranean. Dort können Sie Ihre Sichtungen melden … und staunen, welche Arten schon entdeckt wurden!

Bildspenden:
Sie haben einen Hai gesehen? Wir freuen uns immer über Bildmaterial (Foto, Video), denn: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

Sterben die Haie, stirbt das Meer!

Toter Hai hängt in einem Fischernetz, Fidschi

Helfen Sie bedrohten Haien


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