Hering ist Fisch des Jahres 2021

Fisch des Jahres 2021 ist der Hering (Clupea harengus). Gewählt wurde er vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV), Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST). Mit der Wahl zum Fisch des Jahres sollen die bekannten und weitverbreiteten Fische und ihre Gefährdung verstärkt Aufmerksamkeit erhalten. Doch es geht um mehr. Jährlich fängt die kommerzielle Fischerei bis zu hunderttausend Tonnen Heringe. Da die Art eine zentrale Rolle im marinen Ökosystem innehat, will man mit der Ernennung zum Fisch des Jahres auch auf die insgesamt bedrohte biologische Vielfalt der Meere hinweisen.

Der Fisch des Jahres: Wichtiges Bindeglied des marinen Nahrungsnetzes

Schweinswal Portrait.

Heringe sind eine wichtige Nahrung für Schweinswale – Foto: Brendan Hunter/iStock

„Der Atlantische Hering spielt in den Ökosystemen unserer Meere, ob in Nord- und Ostsee oder im Nordatlantik, eine entscheidende Rolle: Er stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen verschiedenen Ebenen des Nahrungsnetzes dar und dient zum Beispiel als Nahrungsgrundlage für Dorsche, Robben und Schweinswale“, erklärt BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel. „Der Erhalt der Heringsbestände ist eine wichtige Grundlage, um die biologische Vielfalt der Meere […] zu bewahren. Die Fangmengen der kommerziellen Fischerei und der Freizeitfischerei müssen sich daher an wissenschaftlichen Empfehlungen orientieren, um eine ökonomisch und ökologisch nachhaltige Nutzung des Heringsbestandes zu ermöglichen. Weitere zentrale Bausteine zur Erholung der Heringsbestände sind die Reduzierung der Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und des klimawandelbedingten Anstiegs der Meerestemperatur.“

Den Heringsbeständen in der westlichen Ostsee droht der Kollaps

Fisch des Jahres 2021 ist der Hering: Eine Ladung Heringe in einer Fischkiste.

Foto: PublicDomainPictures/Pixabay

In seinem gesamten Verbreitungsgebiet ist der Fisch des Jahres eine häufige Fischart. Doch in der westlichen Ostsee droht dem Bestand der Kollaps. Davor warnte unlängst auch das GEOMAR-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.

Bereits seit 2006 befindet sich der Hering hier außerhalb sicherer biologischer Grenzen. Das heißt, seine erfolgreiche Fortpflanzung ist akut gefährdet. Daher empfahl der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) 2019, den Heringsfang in der westlichen Ostsee vorübergehend einzustellen. Nur so könne sich der Bestand erholen. Eine Forderung, die die GEOMAR-Wissenschaftler und sogar Berufsfischer jetzt wiederholten.

Doch die EU-Fischereiminister vereinbarten lediglich eine Senkung der Fangquoten für Berufsfischer um 50 Prozent für 2021.

Raubquallen, Klimawandel und Überdüngung setzen Ostsee-Heringe zusätzlich unter Druck

Neben der Fischerei gefährdet auch die Erhöhung der Meerestemperatur durch den Klimawandel den Fortpflanzungserfolg der Heringe in der westlichen Ostsee. Denn wegen hoher Frühjahrstemperaturen schlüpfen Heringslarven jetzt, bevor ausreichend Nahrung für sie verfügbar ist – und verhungern.

Rippenqualle (Mnemiopsis leidyi) auch Meerwalnuss genannt.

In der Ostsee entdeckte man die ersten Exemplare der Meerwalnuss 2006. Da hatten die Raubquallen in der Ostsee bereits begonnen, die Eier von Dorsch, Grundel, Seestichling oder Wittling aufzufressen – Foto: Steven G. Johnson/Marine Photobank

Die Larven der Heringe, die überlebt haben, sehen sich dann einer Armada von Rippenquallen gegenüber. Denn die eingeschleppte räuberische Rippenquallenart (Mnemiopsis leidyi) vermehrt sich im warmen Wasser prächtig. Die auch Meerwalnuss genannten Glibbertiere fressen nicht nur Fischlarven, sondern konkurrieren mit diesen auch noch um deren Futter, das Plankton.

Hohe Nährstoffkonzentrationen, maßgeblich durch die Düngung aus der industriellen Landwirtschaft über Flüsse ins Meer gebracht, führen besonders in der Ostsee zu starkem Wachstum einzelliger Algen. In der Folge können größere Algenarten aufgrund von Lichtmangel nicht mehr wachsen. Damit fehlt dem Fisch des Jahres hier das nötige Laichsubstrat für seine Fortpflanzung.

So ist zum Beispiel im Greifswalder Bodden, einem der wichtigsten Laichgebiete für frühjahrslaichende Heringe, die Meeresbodenbedeckung mit höheren Wasserpflanzen auf etwa sieben Prozent der ursprünglichen Fläche zurückgegangen.

Heringe sind auf Platz 4 der Liste der beliebtesten Speisefische Deutschlands

Der Fisch des Jahres ist auch bei Möven sehr beliebt: Möve mit Hering im Schnabel.

Foto: Steve Crowhurst/Pixabay

Kaum eine andere Fischart hat eine so große wirtschaftliche Bedeutung wie der Hering – und dies schon seit mehr als 1000 Jahren, als man die Salzkonservierung entdeckte.

Im Jahr 2018 landeten deutsche Fischer 69.000 Tonnen Heringe an. Den Großteil davon fingen sie außerhalb deutscher Hoheitsgewässer: 52.000 Tonnen. Aktuell liegt der Marktanteil von Hering und Heringsprodukten bei 15 bis 20 Prozent aller Fischprodukte. Wobei der Pro-Kopf-Verzehr bei ungefähr zwei Kilogramm pro Jahr beträgt.

Der Fisch des Jahres ist auch bei Freizeitfischern sehr beliebt

Daneben haben es auch Freizeitfischer auf die bis zu einem Kilo schweren und ausgewachsen etwa 45 cm großen Schwarmfische abgesehen. So schätzt das Thünen-Institut für Ostseefischerei, dass Freizeitangler an den deutschen Ostseeküsten jährlich rund 1.500 Tonnen fangen. In Wahrheit dürften es sehr viel mehr sein.

Quellen:
BfN
GEOMAR