Hongkong: Viele Haiflossen von bedrohten Haiarten

Mehr als ein Drittel der in Hongkong verkauften Haiflossen stammt von bedrohten Arten

Abgeschnittene Haiflossen liegen auf einer Karre.

Haiflossen, Ecuador
Foto: Rikke Færøvik Johannessen/Marine Photobank

Dies zeigte eine Studie von Wissenschaftlern der Florida International University (FIU). Mittels DNA-Analysen durchleuchteten sie den bisher undurchsichtigen Handel auf dem weltweit größten Markt für Haiflossen. Sie fanden besonders viele Produkte von bedrohten Haiarten.

Haiflossensuppe von bedrohten Haiarten

Das Ergebnis der Studie ist erschreckend. Denn von 4 800 zwischen Februar 2014 und Februar 2015 aus fast 100 Fischgeschäften gekauften Haiprodukten identifizierten die Forscher fast 80 Hai- und Rochenarten.

25 Prozent der Proben stammten von Arten, die auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) als gefährdet gelistet sind. Weitere 8 Prozent stammten von bedrohten Haiarten. Darunter waren Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini), Großer Hammerhai (Sphyrna mokarran), Seidenhai (Carcharhinus falciformis) oder Großaugen-Fuchshai (Alopias superciliosus). 2016 importierte Hongkong 5 718 Tonnen Haiflossen.

Der Wandel hat begonnen – Verbesserter Schutz für Blauhaie

Mit einem Anteil von 34 Prozent war der Blauhai (Prionace glauca) die am häufigsten für Haiflossen in Hongkong und andere Haiprodukte verwendete Art. Auf der Roten Liste ist er mit dem Status „Gefährdung droht“  eingestuft.

Nur etwa ein Fünftel gefunden Arten stammen aus nachhaltig operierenden Fischereien. Dennoch sieht FIU-Meeresbiologe Damien Chapman, der an der Studie teilnahm, Zeichen des Wandels: „Insgesamt sehen wir, dass der Schutz von Haien in der Öffentlichkeit immer mehr Unterstützung findet und die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich zieht“, sagt er auf phys.org. „Es liegt noch ein sehr langer Weg vor uns, aber wenn der jüngste Schwung anhält, dann können wir meines Erachtens die am stärksten gefährdeten Arten vor dem Handel schützen und gleichzeitig mehr auf nachhaltig gefischte Produkte umschwenken.“

Befeuert werden könnte dies durch eine Entscheidung der 12. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS). Dort erfolgte nämlich die Einstufung des Blauhais auf Anhang II. Damit verpflichten sich die Vertragsstaaten, nationale Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung der Art zu implementieren.

Seidenhai.

Auch Flossen vom bedrohten Seidenhai aus illegaler Fischerei landen auf den Märkten in Hongkong
Foto: Alex Chernikh/Marine Photobank

Und wenn das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) sich auf seiner nächsten Tagung 2019 auf Handelsbeschränkungen für Blauhaiprodukte einigt, dann könnte der Handel  mit Haiflossen in Hongkong ernsthaft in Gefahr geraten.
Foto oben: Jessica King, Marine Photobank

Weitere Informationen:

Andrew T. Fields et al. Species composition of the international shark fin trade assessed through a retail-market survey in Hong Kong, Conservation Biology (2017).
DOI: 10.1111/cobi.13043