Klimawandel schädigt Fischbestände – Meeresschützer fordern von der EU Anpassung von Fangquoten

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Die Europäische Union soll die negativen Folgen der Ozeanerhitzung bei der Festlegung von Fischfangquoten stärker berücksichtigen. Das fordern die Deutsche Stiftung Meeresschutz, Oceana, Sciaena, The Ocean Foundation, The Pew Charitable Trusts und der WWF. In einem gemeinsamen Schreiben bitten die Organisationen den Leiter der europäischen Delegation bei der ICCAT-Fischereikommission (Internationale Kommission zum Erhalt des Atlantischen Thunfischs) um Unterstützung seitens der EU.

Fischerei leidet bereits massiv unter den Folgen der Erderhitzung

„Alle reden vom Klimawandel, aber die damit verbundenen Gefahren werden bislang nicht wirklich angegangen“, sagt Dr. Iris Ziegler, Expertin für Haie, Fischerei- und Meeresschutzpolitik bei der Deutschen Stiftung Meeresschutz. „Dabei leidet die Fischerei bereits heute massiv unter den Folgen. Vielerorts gehen Fischbestände massiv zurück oder wandern in kühlere Gewässer ab. Das betrifft auch die wirtschaftlich besonders bedeutenden Thunfische.“

Fischereikommission prüft klimabedingte Anpassungen bei Fangquoten

Die ICCAT ist für das Management von etwa 30 weit wandernden Fischarten im gesamten Atlantik zuständig, darunter Arten wie der Rote Thunfisch, Gelbflossenthune, Makohaie oder Schwertfische.

Auf ihrer letzten Tagung 2023 vereinbarte sie eine Überprüfung von Klimafolgen bei der Festlegung von Fangquoten und gründete eine gemeinsame Expertengruppe. Erstmals tagte sie jetzt vom 2. bis 3. Juli 2024. Der Expertengruppe gehören Vertreter der ICCAT-Mitgliedsstaaten, akkreditierte Beobachter wie die Deutsche Stiftung Meeresschutz und Experten vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) an.

Vorsorgeprinzip statt Festlegung maximaler Fangquoten

„Insbesondere von der Europäischen Union hängt es ab, ob die Arbeitsgruppe tragfähige und starke Empfehlungen für die diesjährige ICCAT-Kommissionssitzung im November beschließt“, erklärt Iris Ziegler. Daher fordern die Meeresschutzorganisationen in ihrem Schreiben, dass bei Festlegung der maximal zulässigen Fangmengen oder bei der Erarbeitung von Management-Strategien zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Beständen die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt werden. Dies gilt auch für den Wiederaufbau überfischter Bestände.

„Wir plädieren dafür, dabei verstärkt auf das Vorsorgeprinzip zu setzen, auch wenn harte Bestandsdaten für viele Fischarten noch fehlen. Sozusagen im Zweifel für den Angeklagten. Das gilt in der Fischerei bislang viel zu selten“, so Iris Ziegler.

Organisationen mahnen zu ökosystemarem Ansatz bei der Festlegung von Fangquoten

Bei der Festlegung von Fangquoten und Bewirtschaftungsmaßnahmen sollen zudem nicht nur die Auswirkungen auf die jeweils befischte Art betrachtet werden.

Der Kurzflossen-Makohai leidet unter zu hohen Fangquoten.
Ein Kurzflossen-Makohai. Foto: Fred Buyle

Die Organisationen appellieren für eine Betrachtungsweise, die das gesamte Ökosystem berücksichtigt, das sogenannte ökosystemare Fischereimanagement (Ecosystem Approach to Fisheries Management/EAFM).

„Das muss natürlich auch für die von der ICCAT bewirtschafteten Haibestände gelten. Unabhängig davon, ob Haie gezielt befischt, wie in der spanischen und portugiesischen Fischerei, oder ob sie als Beifang genutzt werden. Uns allen geht bald die Luft aus, wenn wir so weitermachen. Aber bei den Haien bleiben nur noch wenige Jahre für eine Kehrtwende. Wenn wir die Wächter der Meere verlieren, hat das undenkbare Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem im Meer und damit letztlich auf uns alle“, warnt Iris Ziegler. „Daher hoffen wir sehr, dass unser Appell Erfolg hat und sich die EU gemeinsam mit den anderen Fangnationen der ICCAT darauf einigen wird, zukünftig die Auswirkungen des Klimawandels beim Fischereimanagement im Atlantik verstärkt zu berücksichtigen.“

Titelfoto: George Stoyle/Marine Photobank


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