Langleinenfischerei

Langleinenfischerei trägt massiv zur Überfischung der Weltmeere bei

Mit der Einführung der Langleinenfischerei war anfangs die Hoffnung auf eine effektive und selektive Fangtechnik verbunden. Was folgte war Ernüchterung und heftige Kritik. Denn die Langleinenfischerei reißt sowohl Zielfischarten als auch durch horrende Beifangraten zahlreiche Nichtzielarten in den Abgrund. Nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) von 2005 lag die Beifangrate in der Langleinenfischerei bei durchschnittlich ca. 20 Prozent der Gesamtfangmenge. Daher prangern Wissenschaftler und Meeresschützer sie als eine der größten Bedrohungen für Haie und Rochen sowie für Nichtzielarten wie Albatrosse, Fregattvögel oder Meeresschildkröten an. Hinzu kommt die mittlerweile starke Überfischung der Zielfischarten wie dem Schwarzen Seehecht (Dissostichus eleginoides) im Südpolarmeer oder dem Roten Thunfisch (Thunnus thynnus) im Mittelmeer, insbesondere durch illegal operierende Piratenfischer. Beide Arten sind mittlerweile fast ausgerottet.

Zielfischarten

Langleinenfischer haben es zumeist auf den Schwarzen Seehecht, verschiedene Thunfischarten, Kabeljau (Gadus morhua), Schwertfische (Xiphias gladius), Heilbutt (Hippoglossus hippoglossus), Mahimahi (Dolphin Fish oder Goldmakrelen), Haie und andere wertvolle Speisefischarten abgesehen. Vorteile dieser Fischereimethode sind die im Vergleich zum Fang mit Netzen geringen Beschädigungen der Zielfische. Außerdem wird Meeresboden nicht geschädigt oder zerstört. Dies ist z. B. beim Einsatz von Grundschleppnetzen oder Baumkurren der Fall.

 

Toter Schwertfisch am Haken einer Langleine. © Andre Seale/Marine Photobank.

Toter Schwertfisch am Haken einer Langleine
© Andre Seale/Marine Photobank

 

Langleinenfischerei ist vor allem in den Gewässern der Südhalbkugel sehr verbreitet. Sie kommt aber auch in der Nordsee beim Fang von Kabeljau und in der Ostsee beim Dorsch- und Aalfang zum Einsatz.

Bis zu 130 Kilometer lang und mit mehr als 20.000 Köderhaken bestückt

Bei der Langleinenfischerei werden an einer aus Kunststoff gefertigten Hauptleine (auch Grundleine oder Mutterleine genannt) unzählige mit Köderhaken versehene Nebenleinen ausgelegt. Das gesamte Fanggerät kann eine Länge von bis zu 130 Kilometern erreichen. Daarn befinden sich dann mehr als 20.000 Köderhaken. Als Köder kommen Makrelen oder Tintenfische zum Einsatz. Und Fischer aus Peru benutzen sogar Delfinfleisch als Köder bei der Langleinenfischerei auf Haie.

Pelagische und Grundfisch-Langleinenfischerei

Es gibt es zwei grundverschiedene Einsatzformen der Langleinenfischerei: die pelagische und die Grundfisch-Langleinenfischerei. Pelagische oder halbpelagische Langleinen werden von den Fangschiffen an oder nahe der Wasseroberfläche ausgebracht. Dann lässt man sie treiben. Mittels an Bojen befindlichen Radio-Transmittern ist es den Fischern später möglich, das Fanggerät wiederzufinden und einzuholen. Auf diese Weise fischt man allem große Thunfischarten oder Schwertfische.

Tor zur Befischung der Tiefsee wird aufgestoßen

Bei der Grundfisch-Langleinenfischerei werden Langleinen am Meeresboden in bis zu 5.000 Metern Tiefe versenkt und horizontal zu diesem verlaufend verankert. Diese auch “Grundfischerei“ genannte Technik wurde 1988 speziell zum Fang des Schwarzen Seehechts und anderer nahe oder am Meeresboden lebender Fischarten eingeführt. Seither fand sie starke Verbreitung. Damit war das Tor zur Befischung der von Fischereiaktivitäten bis dahin weitgehend verschont gebliebenen Tiefsee aufgestoßen.

Katastrophe für Albatrosse und Fregattvögel

Für Seevögel, insbesondere für Albatrosse, war die Erfindung der pelagischen Langleinenfischerei ein Desaster. Denn die nahe der Wasseroberfläche während des Setzens der Leinen ausgebrachten Köder ziehen sie auf der Suche nach Nahrung magisch an. Doch die so majestätischen Vöglen verhaken sich. Und beim Absinken der Leine ertrinken sie jämmerlich. Nach Schätzungen von BirdLife International muss man auf 2.500 Haken mindestens einen toten Albatross rechnen. Bei jährlich schätzungsweise 200 Millionen ausgebrachten Haken sind mittlerweile alle 21 Albatrossarten gefährdet oder akut vom Aussterben bedroht. Bereits nahezu ausgerottet ist der Amsterdaminsel-Albatros (Diomedea amsterdamensis). Es sollen nur noch knapp über 100 Exemplare existieren.

Umweltorganisationen schätzen, dass in allen Weltmeeren jährlich 300.000 dieser prächtigen Seevögel getötet werden.

Millionen Haie und Rochen, gezielt befischt oder unabsichtlich mitgefangen

Haie werden sowohl gezielt befischt aber auch, wie Rochen, als unbeabsichtigter Beifang getötet. Nach einer Studie des WWF vom Juli 2007 starben allein im Südostatlantik jährlich sieben Millionen Haie und Rochen als Beifang bei der Langleinenfischerei auf Thunfisch, Schwertfisch und Seehechte. Darunter waren ca. 5,5 Millionen Blauhaie (Prionace glauca) und ca. 1,1 Millionen der bedrohten Makohaie (Isurus oxyrinchus). Allerdings ist die Dunkelziffer wegen der illegalen Fischerei hoch. Allein durch die Langleinenfischerei sollen heute etwa 20 % aller Haiarten vom Aussterben bedroht sein.

Langleinenfischerei lässt Meeresschildkröten keine Chance

Besonders Lederschildkröten (Dermochelys coriacea), Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta) und Echte Karettschildkröten (Eretmochelys imbricata) sind durch die Langleinenfischerei gefährdet. Doch gehen die Schätzungen über die jährlichen Verluste gehen weit. Im Mittelmeer soll die jährliche Beifangrate ca. 20.000 Unechte Karettschildkröten betragen. Weltweit allerdings sollen es zwischen 250.000 und 400.000 sein. Die Tiere sterben an Verletzungen, die ihnen die Haken zufügen, oder sie ertrinken, weil sie sich nicht mehr von ihnen befreien können.

Es geht auch anders

Durch Modifikationen am Fischereigerät können die hohen Beifangraten bei der Langleinenfischerei drastisch gesenkt werden. So ließe sich der Seevogelbeifang sehr leicht vermeiden. Denn Seevögel stürzen sich in der Regel beim „Schießen“ der Leinen auf die Köder. Werden die Leinen dagegen durch ein bis in etwa 10 Meter Wassertiefe reichendes Rohr geschossen, können Albatrosse oder Fregattvögel nicht nach den Ködern tauchen.

Eine andere Methode sind so genannte „Vogelscheuchen-Leinen“ bei denen farbige Bänder die Vögel abschrecken. Diese Methode ist in Südafrika beim Einsatz von pelagischen Langleinen bereits vorgeschrieben. Doch wird sie nur unzureichend angewandt.

Dass Schutzmaßnahmen den Seevogelbeifang bei der Langleinenfischerei deutlich senken können, beweist die Situation der überwachten und regulierten Langleinenfischerei in der Antarktis. Denn bereits 1991 wurden dort Modifikationen am Fischereigerät von der Convention for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources (CCAMLR) eingeführt. Daraufhin sank die Seevogel-Beifangrate um 90 Prozent. 2007 gab es in der Antarktis zum zweiten Mal in Folge keine Albatross-Beifänge mehr.

Vergleichbare Maßnahmen wurden im November 2007 von der Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfischs (ICCAT), der die Fischereiflotten der EU sowie 44 weitere Nationen angehören verabschiedet. Kurz darauf schloss sich die Fischereikommission für den westlichen und zentralen Pazifik (WCPFC) an. Ihr gehören EU sowie 24 weitere Fischereinationen an.

Piratenfischer halten sich nicht an Regeln

Problematisch bleiben allerdings die in allen, auch in antarktischen Gewässern operierenden Piratenfischer. Denn ihnen geht es nur um eine möglichst große Beute ohne Rücksicht auf Beifangverluste.

Rundhaken retten Meeresschildkröten, Magnete schützen Haie

Der Beifang von Meeresschildkröten lässt sich durch spezielle Rundhaken um 90 Prozent reduzieren, ohne dass dabei weniger Fisch gefangen wird. Ein oberhalb der Haken angebrachter Magnet schreckt Haie ab und könnte deren Beifangrate deutlich senken. Und das Setzen beköderter Langleinen in Tiefen ab 100 Metern beim Thunfischfang im tropischen Ostpazifik würde sowohl den Beifang von Haien und Rochen als auch den von Meeresschildkröten minimieren. Denn diese gehen in der Regel an Haken oberhalb von 100 Metern Tiefe. Thunfische dagegen fängt man in Tiefen unterhalb von 100 Metern. Diese Methode wird erfolgreich von der Fischereiabteilung der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten (NOAA) in US-Gewässern getestet.

Abwrackprogramme

Taiwan reduzierte seine Langleinen-Fischereiflotte zwischen 2005 und 2006 um 160 größere Thunfangboote. Dies entspricht einer Verkleinerung der gesamten Fischereiflotte um 26 %. Im Rahmen dieses Programms wurden 50 taiwanesische Langleinenfangboote aus dem Atlantischen Ozean von September bis Dezember 2006 abgewrackt oder versenkt.

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Die Reduzierung der Fangflotte und Fangkapazität sollte dazu dienen, die Wirtschaftlichkeit der Thunfischfangflotte beim Fang von Großaugenthunen zu verbessern. Zusätzlich wollte man sicherstellen, dass die verbliebenen Fangschiffe mit wirtschaftlich rentablen Fangquoten operieren. Gleichzeitig sollten so internationale Fischereirichtlinien erfüllt werden. Ziel war es, eine nachhaltige Nutzung der Thunbestände zu erreichen.

Für viele Tierarten ist es bereits zu spät

Für viele Meerestierarten dürften diese technischen Verbesserungen und die von den regionalen Fischereikommissionen veranlassten Reformen allerdings zu spät kommen. Denn insgesamt gibt es noch immer zu wenige ernsthafte Anstrengungen gegen die ausufernde Piratenfischerei.
Fot oben: Projeto Tamar Brazil/Marine Photobank