Letzte Chance für Makohaie

Kurzflossen-Makohaie (Isurus oxyrinchus) sind spektakulär. Nicht nur, dass mit 70 km/h und mehr unterwegs sind, was sie zu den schnellsten Haien der Welt macht. Außerdem können sie ihre bis zu 4 m langen Körper auf bis zu 9 m katapultieren. Gäbe es mehrstöckige Häuser auf dem Meer, könnte so ein bis zu 600 kg wiegender Mako mit seinen großen Augen mal eben kurz durchs Fenster im dritten Stock hereinschauen.

Im Nordatlantik jedoch droht den wendigen Meeresjägern das Aus. Grund ist – wie so oft – die Gier einiger EU-Fischfangnationen, allen voran Spanien und Portugal. Denn Makohaie gehören zu den wirtschaftlich einträglichsten Haiarten. Man schätzt sie in der Gastronomie, wegen ihrer Flossen und in der Sportfischerei. Folglich steht die Population der Kurzflossen-Makos im Nordatlantik jetzt kurz vor dem Zusammenbruch. Um dies zu verhindern, hat sich eine internationale Allianz aus über 30 Umwelt- und Meeresschutzorganisationen zusammengefunden (#Rally4Makos), der auch wir angehören.

Fischereikommission und EU-Fischereiminister ignorieren Empfehlungen der Wissenschaft

Abgetrennter Kopf eines Makohais liegt am Meeresboden.

Foto: David Serradell Zamora (@dserradell_photo)

Zuständig für das Fischereimanagement im Nordatlantik ist die Internationale Kommission zum Erhalt des Atlantischen Thunfischs (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas/ICCAT). Ihr gehören 52 Mitglieder an, darunter die EU, die USA, China, Russland, Japan, Brasilien und Syrien.

Sie ist bei Meeresschützern wegen ihres eklatant schlechten Fischereimanagements auch als „International Conspiracy to Catch All Tuna“ (zu Deutsch: Internationale Verschwörung zum Fang aller Thunfische) gefürchtet.

Folglich versagt die ICCAT auch beim Management der Bestände der Kurzflossen-Makohaie. Obwohl ihre eigenen Wissenschaftler seit mehr als zehn Jahren vor der besonderen Gefährdung dieser Haiart warnen. Denn bereits 2008 klassifizierten sie Kurzflossen-Makos als die am stärksten von Überfischung durch Langleinenfischerei im Atlantik gefährdeten Haie.

So sind die Empfehlungen der Wissenschaftler mittlerweile ganz eindeutig:
ein komplettes und ausnahmsloses Fangverbot,
keine Anlandung unabsichtlich gefangener Tiere (Beifang), sondern deren Freilassung.

Doch mit einer geradezu schon penetranten Konsequenz ignoriert die ICCAT seit Jahren die Empfehlungen ihrer eigenen Wissenschaftler.

Superhai mit Spitzenleistungen

Kurzflossen-Makos kommen weltweit in allen tropischen und gemäßigten Gewässern vor. Und wie alle Makrelenhaie können sie ihre Körpertemperatur über der des sie umgebenden Meerwassers halten.

Makohai

Foto: David Serradell Zamora (@dserradell_photo)

„Makos sind wunderbare Haie, die einzigartige Spitzenleistungen vollbringen “, erklärt Diplom-Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz (DSM). „Sie besitzen spezielle Anpassungen für ihr Hochgeschwindigkeitsleben. Mit winzigen zahnartigen Schuppen reduzieren sie Strömungswiderstände. Sie sind extrem wendig und sehr ausdauernd. Doch wegen ihrer fantastischen Ausdauer und Akrobatik sind Makos bei sogenannten Sportfischern leider sehr beliebt. Und ihr schmackhaftes Fleisch ist besonders in südlichen EU-Ländern gefragt. Daher will die Fischereilobby nur ungern auf den Fang dieser Tiere verzichten.“

So helfen all ihre Höchstleistungen den sowohl küstennah als auch auf der Hochsee lebenden Superhaien nicht. Auch im Mittelmeer drohen sie auszusterben. Global sind sie stark gefährdet.

Makohaie: Vermehrung in Zeitlupe

Wie die meisten großen Hai- und Rochenarten sind Makohaie sehr anfällig für Überfischung. Ihre Bestände erschöpfen sich schnell. Dabei zeichnen sich ausgerechnet die superschnellen Makos durch eine ungewöhnliche Zeitlupenvermehrungsstrategie aus. Erst mit etwa 20 Jahren erreichen Weibchen die Geschlechtsreife. Dann bringen sie nach einer langen Tragzeit von 18 Monaten nicht mehr als 18 Jungtiere zur Welt.

Wissenschaftler gehen auch deshalb davon aus, dass es selbst bei einem sofortigen Fangstopp ungefähr 50 Jahre dauern wird, bis die Bestände im Atlantik wieder aufgebaut sind.

Makohai

 

Europa und die Fangnationen im Atlantik müssen JETZT schnell handeln

Bereits im November 2019 hätte die ICCAT eine Null-Fangquote für Kurzflossen-Makos verhängen können. Zumindest sah dies ein von Senegal und Kanada vorgelegtes und vom wissenschaftlichen Ausschuss der ICCAT gestütztes Gutachten vor. Jedoch blockierten dies die USA und die EU. „Ein Großteil des Fischereidrucks auf Makohaie geht von EU-Fangflotten aus. Da wundert es wenig, dass die EU verbindliche Fangverbote für diese Art verhindert. Trotz aller Warnungen von Wissenschaftlern und Appellen von Meeresschutzorganisationen“, sagt Ulrich Karlowski.

Vom 6. bis 8. Juli 2021 berät die ICCAT erneut über das Schicksal der Kurzflossen-Makohaie im Nordatlantik. Es ist die vielleicht letzte Chance für die schnellsten Haie der Welt in diesem riesigen Fanggebiet.

Forderungen der Allianz „Rettet den Makohai“

  • Festlegung einer Gesamtfangmenge (Total Allowable Catch/TAC) von Null für den Atlantik
  • Freilassung aller lebend als Beifang gefangener Makohaie
  • Sofortiger Stopp der Anlandung von Makohai-Beifängen
  • Entwicklung spezifischer wissenschaftlicher Empfehlungen zur Minimierung von Makohai-Beifängen
  • Umsetzung dieser Empfehlungen bereits ab 2021

Foto oben: Fred Buyle


Was können Sie tun? – Verbrauchertipps:

  • Kaufen Sie prinzipiell keine Haiprodukte, unabhängig davon, um welche Art es sich handelt!
  • Achten Sie beim Kauf von Fischprodukten auf die Fangmethode UND das Fanggebiet.
  • Unterstützen Sie mit Ihrem Kauf Fischereien, die nachhaltige Fangmethoden einsetzen: Pole & Line (Angelruten), Handangeln, Fischfallen, Wurfnetze etc.
  • Meiden Sie grundsätzlich mit Langleinen oder Fischsammlern (FAD) gefangenen Fisch.

Kurzflossen-Makos in der kroatischen Adria? Hätten Sie’s gewusst?

Kurzflossen-Makohaie tauchen vereinzelt auch in der kroatischen Adria auf. So versetzte im Juni 2019 ein Drei-Meter-Mako Touristen und Einheimische bei Makarska in (völlig unnötige) helle Aufruhr.

Erfahren Sie mehr in unserer Broschüre „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria“.