Kurze Atempause für Makohaie

Es war ein zähes Ringen. Doch dann einigte sich die Internationale Kommission zum Erhalt des Atlantischen Thunfischs (ICCAT) auf ihrer am 23. November beendeten Jahrestagung doch noch auf ein Anlandeverbot von Kurzflossen-Makohaien aus dem ICCAT-Fanggebiet Nordatlantik. Damit besteht ein faktisches Fangverbot für die im Nordatlantik vom Aussterben bedrohte Haiart. Es gilt jedoch nur für 2 Jahre. Monatelang hatte eine auch von uns unterstützte internationale Allianz aus über 30 Umwelt- und Meeresschutzorganisationen für ein langjähriges, kategorisches Fang- und Anlandeverbot für Kurzflossen-Makohaie gekämpft. Ein Schritt, den ICCAT-Wissenschaftler seit 2017 empfehlen.

„Kanada, Großbritannien, Senegal und Gabun haben sich auf der ICCAT-Jahrestagung für den Makohai starkgemacht. Leider jedoch besteht die EU, deren Langleinenfischereien für rund 74 % aller Makohai-Fänge im Nordatlantik verantwortlich sind, auf einem befristeten Anlandeverbot. Doch zwei Jahre reichen bei Weitem nicht aus. In dieser kurzen Zeit können sich die völlig überfischten Bestände dieser langsam vermehrenden Haie nicht erholen. Denn dafür benötigt man nach wissenschaftlicher Einschätzung einen Fangstopp von mindestens 50 Jahren“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Rettet die Makohaie: #Rally4Makos

Im Mittelmeer sind Makohaie bereits fast ausgerottet. Nun droht ihnen auch im Nordatlantik das Aus.

Ein Großteil des Fischereidrucks auf Makohaie geht von EU-Fangflotten aus.

Ein Großteil des Fischereidrucks auf Makohaie geht von EU-Fangflotten aus. Quelle: The Shark Trust

Grund hierfür ist die Gier einiger EU-Fischfangnationen. Allen voran Spanien und Portugal. Denn der Fang von Makos lohnt sich. Man schätzt sie in der Gastronomie, wegen ihrer Flossen und in der Sportfischerei. Folglich steht die Kurzflossen-Mako-Population im Nordatlantik kurz vor dem Zusammenbruch.

Dies will eine internationale Allianz aus über 30 Umwelt- und Meeresschutzorganisationen verhindern: #Rally4Makos. Wir sind mit dabei.

Unsere Forderungen

  • Festlegung einer Gesamtfangmenge (Total Allowable Catch/TAC) von Null für den Atlantik
  • Freilassung aller lebend als Beifang gefangener Makohaie
  • Sofortiger Stopp der Anlandung von Makohai-Beifängen
  • Entwicklung spezifischer wissenschaftlicher Empfehlungen zur Minimierung von Makohai-Beifängen
  • Umsetzung dieser Empfehlungen bereits ab 2021

„Heute feiern wir einen entscheidenden Schritt, wohl wissend, dass der Kampf morgen weitergeht. Denn aus den Verhandlungen geht glasklar hervor, dass sich die EU weiterhin darauf konzentriert, die Ausbeutung so schnell wie möglich wiederaufzunehmen“, sagt Shannon Arnold, Koordinatorin des Meeresschutzprogramms beim Ecology Action Centre.

EU ignoriert Empfehlungen der Wissenschaft

Zuständig für das Fischereimanagement im Nordatlantik ist die ICCAT. Das steht für Internationale Kommission zum Erhalt des Atlantischen Thunfischs (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas). Ihr gehören 52 Mitglieder an. Darunter die EU, die USA, China, Russland, Japan, Brasilien und Syrien.

Internationale Verschwörung zum Fang aller Thunfische

Die ICCAT ist wegen ihres schlechten Fischereimanagements gefürchtet. Meeresschützer bezeichnen sie als „International Conspiracy to Catch All Tuna“ (Internationale Verschwörung zum Fang aller Thunfische).

Abgetrennter Kopf eines Makohais liegt am Meeresboden.

Foto: David Serradell Zamora (@dserradell_photo)

Folglich versagt sie auch beim Mako-Management. Obwohl ICCAT-Wissenschaftler seit mehr als zehn Jahren warnen.

Bereits 2008 klassifizierten sie Kurzflossen-Makos als die am stärksten durch Langleinenfischerei im Atlantik gefährdeten Haie. Daher sind ihre Empfehlungen für den Mako-Fang dort mittlerweile eindeutig:

  • ein komplettes und ausnahmsloses Fangverbot
  • keine Anlandung unabsichtlich gefangener Tiere (Beifang), sondern deren Freilassung

Doch die ICCAT ignoriert konsequent die Empfehlungen ihrer eigenen Wissenschaftler.

Überfischung von Makohaien im Südatlantik geht weiter

Im Fanggebiet Südatlantik vereinbarte ICCAT bedauerlicherweise keine Fangmengenbegrenzung für Makohaie. Die Überfischung der Makos geht hier ungebremst weiter. Kein Wunder also, dass die Fangmengen im Südatlantik sogar um 500 t zunahmen.

Damit zeichnet sich für den Südatlantik ein ähnlicher Zusammenbruch der Makohai-Bestände ab, wie im Nordatlantik. Zudem besteht die Gefahr, dass Fischer im Nordatlantik gefangene Makohaie schlichtweg „umdeklarieren“, um das dort geltende Anlandeverbot zu umgehen.

Das Überleben der schnellsten Haie der Welt ist noch lange nicht gesichert.

Superhai mit Spitzenleistungen

Kurzflossen-Makohaie (Isurus oxyrinchus) sind spektakulär. Nicht nur, dass sie mit 70 km/h und mehr unterwegs sind. Das macht sie zu den schnellsten Haien der Welt. Außerdem können sie ihren bis zu 4 m langen Körper auf bis zu 9 m aus dem Wasser katapultieren. Gäbe es mehrstöckige Häuser auf dem Meer, könnte so ein bis zu 600 kg schwerer Mako mit seinen großen Augen kurz durchs Fenster im dritten Stock schauen.

Makos gehören mit ihrer Kombination aus Intelligenz, Schnelligkeit und Wendigkeit zu den gefährlichsten Meeresraubtieren. Sie haben keine natürlichen Feinde. Ihre größte Bedrohung ist der Mensch.

Kurzflossen-Makos leben weltweit in allen tropischen und gemäßigten Gewässern. Sie leben küstennah und auf der Hochsee. Sie gehören zu den Makrelenhaien. Daher können sie ihre Körpertemperatur über der des sie umgebenden Meerwassers halten.

Leben im Hochgeschwindigkeitsmodus

Makohai

Foto: David Serradell Zamora (@dserradell_photo)

Makos sind wunderbar. Ihre Spitzenleistungen sind phänomenal. Sie besitzen spezielle Anpassungen für ihr Hochgeschwindigkeitsleben. Winzige, zahnartige Schuppen reduzieren Strömungswiderstände. Sie sind extrem wendig und ausdauernd. Deshalb sind sie bei sogenannten Sportfischern beliebt.

Hinzu kommt, dass ihr schmackhaftes Fleisch in südlichen EU-Ländern gefragt ist. Dort kostet ein Kilo um die 13 Euro. Auch aus diesem Grund will man nur ungern auf den Fang verzichten.

So helfen alle Höchstleistungen den Superhaien nicht. Denn jedes Jahr werden ca. 40.000 Tonnen Mako-Fleisch und -Flossen international gehandelt. Das sind etwa 1,5 Millionen Haie. Das ist zu viel. Deshalb stufte die Weltnaturschutzunion IUCN sie 2019 auf der Roten Liste von „gefährdet“ (vulnerable) auf „stark gefährdet“ (endangered).

Vermehrung in Zeitlupe

Wie die meisten Hai- und Rochenarten sind Makos anfällig für Überfischung. Daher brechen die Bestände rasch zusammen. Denn ausgerechnet diese schnellen Haie vermehren sich nur langsam. Erst mit etwa 20 Jahren erreichen Weibchen die Geschlechtsreife. Die Tragzeit ist lang. Sie dauert 18 Monate. Und dann gebären sie meist nicht mehr als 18 Jungtiere.

Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass es ungefähr 50 Jahre dauern wird, bis die Bestände im Nordatlantik wieder aufgebaut sind. Doch nur bei einem sofortigen Fangstopp.

Makohai

 

Heißhunger auf Hai

Die EU nimmt eine Schlüsselrolle im globalen Handel mit Hai- und Rochenprodukten ein. Sowohl bei Export und Import als auch beim Konsum. Allein Spanien exportierte von 2009 bis 2019 etwa 184.000 Tonnen Haifleisch in 85 Länder. Mit 22 Prozent Anteil am globalen Im- und Export durchläuft mehr als jeder fünfte gefischte Hai die EU. Sie ist einer der Hauptlieferanten der südostasiatischen und östlichen Märkte.

Nach Angaben des WWF setzte der globale Handel mit Hai- und Rochenfleisch von 2012 bis 2019 mehr als 2,6 Mrd. US-Dollar um. Zwar sind Haiflossen um einiges teurer. Doch betrug deren Handelswert im gleichen Zeitraum ca. 1,5 Mrd. US-Dollar. Der Gesamtwert des Handels mit Hai- und Rochenprodukten lag damit bei über 4,1 Mrd. US-Dollar.

Haifleisch in Deutschland

Im Vergleich zu anderen Ländern importiert Deutschland wenig Haifleisch. Es sind jährlich durchschnittlich 32 Tonnen. Das meiste davon sind „Schillerlocken“. Das sind die geräucherten Bauchlappen des Dornhais.


👉 Was können Sie tun? – Verbrauchertipps:

  • Kaufen Sie prinzipiell keine Haiprodukte. Unabhängig davon, um welche Art es sich handelt!
  • Achten Sie beim Kauf von Fischprodukten auf die Fangmethode UND das Fanggebiet.
  • Unterstützen Sie mit Ihrem Kauf Fischereien, die nachhaltige Fangmethoden einsetzen. Das sind Pole & Line (Angelruten), Handangeln, Fischfallen, Wurfnetze etc.
  • Meiden Sie grundsätzlich mit Langleinen oder Fischsammlern (FAD) gefangenen Fisch.

👉 Ihre Hilfe für Haie


👉 Kurzflossen-Makos in der kroatischen Adria? Hätten Sie’s gewusst?

Kurzflossen-Makohaie tauchen vereinzelt auch in der kroatischen Adria auf. So versetzte im Juni 2019 ein Drei-Meter-Mako Touristen und Einheimische bei Makarska in (völlig unnötige) Aufruhr.

Erfahren Sie mehr in unserer Broschüre „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria“.

Foto oben: Fred Buyle