Neue Chance für Makohaie

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Die EU hat den Handel mit Makohaien aus dem Atlantik komplett gestoppt! EU-Artenschutzbehörden verhängten jetzt auch ein Import- und Exportverbot für Makohaie aus dem Südatlantik. Dies ergänzt ein bereits seit Jahresbeginn 2021 geltendes Verbot für den Nordatlantik. „Das ist ein Meilenstein im internationalen Haischutz. Vielleicht lässt sich der sich abzeichnende Zusammenbruch der Bestände der schnellsten Haie der Welt im Atlantik doch verhindern“, hofft der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Handelsverbot für Makohaie gilt nur für die EU

Ein umfassender Schutz für Makohaie wäre allerdings erst dann gewährleistet, wenn die für die Fischerei auf Makohaie im Atlantik zuständige regionale Fischereikommission ICCAT sich auf ein vollständiges Fangverbot einigt. Dies würde dann auch für Fischereien aus Mitgliedsstaaten der Kommission wie den USA, Japan, Südafrika oder Russland gelten. 

Superhai mit Spitzenleistungen: Der Makohai

Kurzflossen-Makohaie (Isurus oxyrinchus) sind spektakulär. Sie sehen Weißen Haien sehr ähnlich, werden aber nicht ganz so groß. Man findet diese Haie weltweit in allen tropischen und gemäßigten Gewässern, küstennah und auf der Hochsee. Makohaie zählen zu den Makrelenhaien. Daher können sie ihre Körpertemperatur über der des sie umgebenden Meerwassers halten.

Makos gehören mit ihrer Kombination aus Intelligenz, Schnelligkeit und Wendigkeit zu den gefährlichsten Meeresraubtieren. Sie haben keine natürlichen Feinde. Ihre größte Bedrohung ist der Mensch. Sie spielen als Top-Prädatoren eine zentrale Rolle für intakte Meeresökosysteme.

Kurzflossen-Makohai.
Foto: Shark Project
Wie schnell schwimmen Makohaie?

Makohaie sind die schnellsten Haie der Welt. Sie können 70 km/h und mehr erreichen und besitzen spezielle Anpassungen für ihr Hochgeschwindigkeitsleben. Winzige zahnartige Schuppen reduzieren Strömungswiderstände. Makos sind daher extrem wendig und ausdauernd. Deshalb sind sie bei sogenannten Sportfischern beliebt.

Wie hoch springt ein Makohai?

Sie schaffen Sprünge von bis zu 9 m. Gäbe es mehrstöckige Häuser auf dem Meer, könnte ein Makohai mit seinen großen Augen kurz durchs Fenster im dritten Stock schauen.

Wie groß sind Makohaie?

Mit 600 kg und bis zu 4 m Länge zählen sie zu den größten Haiarten.

Kurzflossen-Makos in der kroatischen Adria? Hätten Sie’s gewusst?

Kurzflossen-Makohaie tauchen vereinzelt auch in der kroatischen Adria auf. So versetzte im Juni 2019 ein Drei-Meter-Mako Touristen und Einheimische bei Makarska in (völlig unnötige) Aufruhr. Erfahren Sie mehr in unserer Broschüre „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria“.

Vermehrung in Zeitlupe

Wie die meisten Hai- und Rochenarten sind Makohaie anfällig für Überfischung. Daher brechen die Bestände rasch zusammen. Denn ausgerechnet diese schnellen Haie vermehren sich nur langsam. Erst mit etwa 20 Jahren erreichen Weibchen die Geschlechtsreife. Die Tragzeit ist lang. Sie dauert 18 Monate. Und dann gebären sie meist nicht mehr als 18 Jungtiere. Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass es ungefähr 50 Jahre dauern wird, bis die Bestände im Nordatlantik wieder aufgebaut sind.

Abgetrennter Kopf eines Makohais liegt am Meeresboden.

Foto: David Serradell Zamora (@dserradell_photo)

Kommerz gegen Artenschutz

All ihre Höchstleistungen helfen den Superhaien nicht. Das Fleisch von Makohaien ist schmackhaft und in südlichen EU-Ländern gefragt. Dort kostet ein Kilo um die 13 Euro. Auch aus diesem Grund will man nur ungern auf den Fang verzichten.

Jedes Jahr werden ca. 40.000 Tonnen Mako-Fleisch und -Flossen international gehandelt. Das sind etwa 1,5 Millionen Haie. Das ist zu viel. Deshalb stufte die Weltnaturschutzunion IUCN sie 2019 auf der Roten Liste von „gefährdet“ auf „stark gefährdet“. Im Mittelmeer sind Makohaie bereits fast ausgerottet.

EU-Fischereien tragen dabei die Hauptverantwortung für den massiven Rückgang der Art. Sowohl im Nord- als auch im Südatlantik. Laut Shark Trust sind allein im Nordatlantik EU-Langleinenfischer für rund 74 % aller Makohai-Fänge verantwortlich. „DG Mare“, die Fischereiabteilung der EU, vertritt jedoch meist die Interessen der spanischen und portugiesischen Fischereiindustrie. Im Gegensatz dazu wollen die EU-Artenschutzbehörden das Ausstreben stark gefährdeter Arten verhindern.

Ein Großteil des Fischereidrucks auf Makohaie geht von EU-Fangflotten aus.

Ein Großteil des Fischereidrucks auf Makohaie geht von EU-Fangflotten aus. Quelle: The Shark Trust

Fischereikommission ignoriert Empfehlungen der Wissenschaft

Zuständig für das Fischereimanagement von Makohaien im Nordatlantik ist die Internationale Kommission zum Erhalt des Atlantischen Thunfischs (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas; ICCAT). Beim Management der Makohai-Bestände im Nord- und Südatlantik hat sie lange versagt. Obwohl ihre Wissenschaftler seit mehr als zehn Jahren warnen. Bereits 2008 klassifizierten sie Kurzflossen-Makohaie als die am stärksten durch Langleinenfischerei im Atlantik gefährdeten Haie. Daher sind ihre Empfehlungen eindeutig:

  • ein komplettes und ausnahmsloses Fangverbot im Nordatlantik
  • keine Anlandung unabsichtlich gefangener Tiere (Beifang), sondern deren Freilassung

Nach zähen Verhandlungen einigte sich die Kommission auf ihrer am 23. November 2021 beendeten Jahrestagung endlich auf ein Anlandeverbot von Kurzflossen-Makohaien aus dem Nordatlantik. Damit besteht ein faktisches Fangverbot für die in diesem Fanggebiet vom Aussterben bedrohten Haie. Es gilt jedoch nur für 2 Jahre. Das ist viel zu kurz. In dieser Zeit werden sich die überfischten Bestände nicht erholen können.

Für das Fanggebiet Südatlantik vereinbarte die Komission bislang keine Fangmengenbegrenzung. Die Überfischung von Makohaien ging hier ungebremst weiter. Kein Wunder also, dass die Fangmengen im Südatlantik sogar um 500 t zunahmen. Zudem konnten Fischereien im Nordatlantik illegal gefangene Makos leicht als Fänge aus dem Südatlantik „umdeklarieren“ und damit legalisieren.

Unser Einsatz für Makohaie

Monatelang hatte die auch von uns unterstützte Allianz aus über 30 Umwelt- und Meeresschutzorganisationen #Rally4Makos für ein langjähriges, kategorisches Fang- und Anlandeverbot für Makohaie gekämpft.

Kurzflossen-Makohai.
Foto: Tomas Kotouc / Sharkproject

Das Überleben der schnellsten Haie der Welt ist noch lange nicht gesichert.


Heißhunger auf Hai

Die EU nimmt eine Schlüsselrolle im globalen Handel mit Hai- und Rochenprodukten ein. Sowohl bei Export und Import als auch beim Konsum. Allein Spanien exportierte von 2009 bis 2019 etwa 184.000 Tonnen Haifleisch in 85 Länder. Mit 22 Prozent Anteil am globalen Im- und Export durchläuft mehr als jeder fünfte gefischte Hai die EU. Sie ist einer der Hauptlieferanten der südostasiatischen und östlichen Märkte.

Nach Angaben des WWF setzte der globale Handel mit Hai- und Rochenfleisch von 2012 bis 2019 mehr als 2,6 Mrd. US-Dollar um. Zwar sind Haiflossen um einiges teurer. Doch betrug deren Handelswert im gleichen Zeitraum ca. 1,5 Mrd. US-Dollar. Der Gesamtwert des Handels mit Hai- und Rochenprodukten lag damit bei über 4,1 Mrd. US-Dollar.

Haifleisch in Deutschland

Im Vergleich zu anderen Ländern importiert Deutschland wenig Haifleisch. Es sind jährlich durchschnittlich 32 Tonnen. Das meiste davon sind „Schillerlocken“. Das sind die geräucherten Bauchlappen des Dornhais.

Was können Sie tun?

Verzichten Sie – auch im Urlaub – auf den Verzehr von Haiprodukten. Achten Sie dabei auf als Kalbsfisch, Seestör oder Schillerlocke „getarnte“ Haiprodukte.

Citizen Science – Bürgerforscher:
Mithilfe der sozialen Medien wollen Haiforscher mehr über Haie und Rochen im Mittelmeer herausfinden, um eine umfassende Datenbank über die Arten zu erstellen. Dafür wurde das MECO Project gegründet (Mediterranean Elasmobranch Citizen Observations): Denn je mehr wir wissen, umso besser können wir Arten schützen!

Die öffentliche Facebook-Gruppe heißt: Hai-Sichtungen Mittelmeer/Sharks of the Mediterranean. Dort können Sie Ihre Sichtungen melden … und staunen, welche Arten schon entdeckt wurden!

Bildspenden:
Sie haben einen Hai gesehen? Wir freuen uns immer über Bildmaterial (Foto, Video), denn: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

Sterben die Haie, stirbt das Meer!

Toter Hai hängt in einem Fischernetz, Fidschi

Helfen Sie bedrohten Haien

Titelfoto oben: Fred Buyle


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