Neue Chance für Makohaie

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Ende November 2022 verhängte die für die Befischung von atlantischen Makohaien zuständige regionale Fischereikommission ICCAT erstmals Fangbeschränkungen für den Südatlantik. Damit bestehen jetzt im gesamten atlantischen Lebensraum dieser stark überfischten und bedrohten Makrelenhaie entweder Fangverbote, Fangbeschränkungen sowie zusätzlich Handelsverbote. „Damit besteht eine Chance, auch wenn sie klein ist, dass sich die Makohai-Bestände im Atlantik erholen“, hofft der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Kurzflossen-Makohaie (Isurus oxyrinchus) werden direkt befischt. Außerdem sind sie ein willkommener, weil hochpreisiger Beifang von Langleinenfischern, die es auf Schwert- und Thunfisch abgesehen haben. Es handelt sich um eine weit wandernde Art. Seit 2019 steht sie auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN als stark gefährdet mit negativer Bestandsentwicklung. Makohaie leben im gesamten Atlantik und im Mittelmeer. Dort sind sie allerdings bereits fast ausgerottet. Obwohl das Überleben der Art von einheitlichem Fischereimanagement im gesamten Lebensraum abhängt, gelten für den Nord- und Südatlantik unterschiedliche Regeln. Ökosystemares Mehr-Arten-Management ist für den Makohai nicht in Sicht.

Artensteckbrief Makohai

Kurzflossen-Makohaie sind spektakulär. Sie sehen Weißen Haien sehr ähnlich, werden aber nicht ganz so groß. Man findet sie weltweit in allen tropischen und gemäßigten Gewässern, küstennah und auf der Hochsee. Makohaie zählen zu den Makrelenhaien. Daher können sie ihre Körpertemperatur über der des sie umgebenden Meerwassers halten.

Makos gehören mit ihrer Kombination aus Intelligenz, Schnelligkeit und Wendigkeit zu den gefährlichsten Meeresraubtieren. Sie haben keine natürlichen Feinde. Ihre größte Bedrohung ist der Mensch. Sie spielen als Top-Prädatoren eine zentrale Rolle für intakte Meeresökosysteme.

Kurzflossen-Makohai.
Foto: Shark Project
Wie schnell schwimmen Makohaie?

Makohaie sind die schnellsten Haie der Welt. Sie können 70 km/h und mehr erreichen und besitzen spezielle Anpassungen für ihr Hochgeschwindigkeitsleben. Winzige, zahnartige Schuppen reduzieren Strömungswiderstände. Makos sind daher extrem wendig und ausdauernd. Deshalb sind sie bei sogenannten Sportfischern beliebt.

Wie hoch springt ein Makohai?

Sie schaffen Sprünge von bis zu 9 m. Gäbe es mehrstöckige Häuser auf dem Meer, könnte ein Makohai mit seinen großen Augen kurz durchs Fenster im dritten Stock schauen.

Wie groß sind Makohaie?

Mit 600 kg und bis zu 4 m Länge zählen sie zu den größten Haiarten.

Kurzflossen-Makos in der kroatischen Adria? Hätten Sie’s gewusst?

Kurzflossen-Makohaie tauchen vereinzelt auch in der kroatischen Adria auf. So versetzte im Juni 2019 ein Drei-Meter-Mako Touristen und Einheimische bei Makarska in (völlig unnötige) Aufruhr. Erfahren Sie mehr in unserer Broschüre „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria“.

Vermehrung in Zeitlupe

Wie die meisten Hai- und Rochenarten sind Makohaie anfällig für Überfischung. Daher brechen die Bestände rasch zusammen. Denn ausgerechnet diese schnellen Knorpelfische vermehren sich extrem langsam. Erst mit etwa 20 Jahren erreichen Weibchen die Geschlechtsreife. Die Tragzeit ist lang. Sie dauert 18 Monate. Und nur alle 2-3 Jahre bekommen Makohaiweibchen bis zu maximal 25 lebende Jungtiere (Ovoviviparie).

Abgetrennter Kopf eines Makohais liegt am Meeresboden.

Foto: David Serradell Zamora (@dserradell_photo)

Handelsverbot für Makohaie

Jedes Jahr werden ca. 40.000 Tonnen Fleisch und Flossen von Makohaien gehandelt. Das sind etwa 1,5 Millionen Tiere. Das ist zu viel. EU-Fischereien tragen dabei die Hauptverantwortung für den massiven Rückgang der Art. Sowohl im Nord- als auch im Südatlantik. Laut Shark Trust sind EU-Langleinenfischer im Nordatlantik für rund 74 % aller Makohai-Fänge verantwortlich. Im Südatlantik stammt die Hälfte aller Makohai-Anlandungen von EU-Fischereien.

All ihre Höchstleistungen helfen den Superhaien nicht. Ihr Fleisch ist schmackhaft und in südlichen EU-Ländern gefragt. Auch aus diesem Grund will man nur ungern auf den Fang verzichten. Daher vertrat „DG Mare“, die Fischereiabteilung der EU, bei ICCAT-Tagungen lange die Interessen der spanischen und portugiesischen Fischereiindustrie.

Ein Großteil des Fischereidrucks auf Makohaie geht von EU-Fangflotten aus.

Ein Großteil des Fischereidrucks auf Makohaie geht von EU-Fangflotten aus. Quelle: The Shark Trust

Im Gegensatz dazu wollen die EU-Artenschutzbehörden das Aussterben gefährdeter Arten verhindern. Deshalb verhängten sie Anfang 2021 ein Im- und Exportverbot für Makohai-Fänge aus dem Nordatlantik. Im Oktober 2022 folgte dann ein Handelsverbot für südatlantische Fänge. Diese Handelsbeschränkungen gelten jedoch nur für die EU.

Unterschiedliche Fangbestimmungen für Makohaie im Atlantik

Zuständig für das Fischereimanagement von Makohaien ist die Internationale Kommission zum Erhalt des Atlantischen Thunfischs (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas; ICCAT). Beim Management der Makohai-Bestände hat sie jahrzehntelang versagt. Obwohl ICCAT-Wissenschaftler bereits 2008 den Kurzflossen-Makohai als die am stärksten durch Langleinenfischerei im Atlantik gefährdete Haiart einstuften.

Fangverbot im Nordatlantik für zwei Jahre

Nach zähen Verhandlungen einigte sich die Kommission auf ihrer Jahrestagung 2021 auf ein Anlandeverbot für Makohai-Fänge aus dem Nordatlantik. Damit besteht hier ein faktisches Fangverbot. Es gilt jedoch nur für 2 Jahre. Das ist viel zu kurz. In dieser Zeit werden sich die überfischten Bestände nicht erholen können.

Fangbegrenzung im Südatlantik

Auf der ICCAT-Jahrestagung 2022 wollten die EU, Großbritannien und Brasilien die für den Nordatlantik geltenden Regeln auch im Südatlantik durchsetzen. Südafrika und Namibia blockierten dies jedoch. Statt eines Anlandeverbots besteht im Südatlantik jetzt eine komplizierte Regelung mit einer maximalen Fangmenge von 1.295 Tonnen für 2023 und 2024. Wobei Fischereien, deren Anlandungen bislang bei mehr als 500 Tonnen lagen, diese um 60 % reduzieren müssen. Während Fangnationen, mit weniger als 500 Tonnen 40 % weniger fangen dürfen. Dieses Regelwerk erschwert eine Erholung der Makohai-Bestände im Südatlantik.

Unser Einsatz für Makohaie

Monatelang hatte die auch von uns unterstützte Allianz aus über 30 Umwelt- und Meeresschutzorganisationen #Rally4Makos für ein langjähriges, kategorisches Fang- und Anlandeverbot für Makohaie gekämpft.

Werden Makohaie im Nordatlantik überleben? Make or Break for Makos?
Foto: Fred Buyle

Heißhunger auf Hai

Die EU nimmt eine Schlüsselrolle im globalen Handel mit Hai- und Rochenprodukten ein. Sowohl bei Export und Import als auch beim Konsum. Allein Spanien exportierte von 2009 bis 2019 etwa 184.000 Tonnen Hai-Fleisch in 85 Länder. Mit 22 Prozent Anteil am globalen Im- und Export durchläuft mehr als jeder fünfte gefischte Hai die EU. Sie ist einer der Hauptlieferanten der südostasiatischen und östlichen Märkte.

Nach Angaben des WWF setzte der globale Handel mit Hai- und Rochenfleisch von 2012 bis 2019 mehr als 2,6 Mrd. US-Dollar um. Zwar sind Haiflossen um einiges teurer. Doch betrug deren Handelswert im gleichen Zeitraum ca. 1,5 Mrd. US-Dollar. Der Gesamtwert des Handels mit Hai- und Rochenprodukten lag damit bei über 4,1 Mrd. US-Dollar.

Hai-Fleisch in Deutschland

Im Vergleich zu anderen Ländern importiert Deutschland wenig Hai-Fleisch. Es sind jährlich durchschnittlich 32 Tonnen. Das meiste davon sind „Schillerlocken“. Das sind die geräucherten Bauchlappen des Dornhais.

Was können Sie tun?

Verzichten Sie – auch im Urlaub – auf den Verzehr von Haiprodukten. Achten Sie dabei auf als Kalbsfisch, Seestör oder Schillerlocke „getarnte“ Haiprodukte.

Citizen Science – Bürgerforscher:
Mithilfe der sozialen Medien wollen Haiforscher mehr über Haie und Rochen im Mittelmeer herausfinden, um eine umfassende Datenbank über die Arten zu erstellen. Dafür wurde das MECO Project gegründet (Mediterranean Elasmobranch Citizen Observations): Denn je mehr wir wissen, umso besser können wir Arten schützen!

Die öffentliche Facebook-Gruppe heißt: Hai-Sichtungen Mittelmeer/Sharks of the Mediterranean. Dort können Sie Ihre Sichtungen melden … und staunen, welche Arten schon entdeckt wurden!

Bildspenden:
Sie haben einen Hai gesehen? Wir freuen uns immer über Bildmaterial (Foto, Video), denn: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

Sterben die Haie, stirbt das Meer!

Toter Hai hängt in einem Fischernetz, Fidschi

Helfen Sie bedrohten Haien

Titelfoto: Fred Buyle


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