Am 15. September 2025 trat endlich das bereits Mitte Juni 2022 beschlossene erste Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO) zur Einschränkung schädlicher Fischereisubventionen in Kraft, nachdem zwei Drittel der WTO‑Mitgliedsstaaten es ratifiziert hatten.1 Ein Meilenstein im Kampf gegen Überfischung und illegale Fischerei. Denn jährlich fließen schätzungsweise bis zu 35 Milliarden US-Dollar als Subventionen für die globale Fischerei. Davon gelten mindestens 22 Milliarden US-Dollar als schädlich. Mit dem Abkommen über Fischereisubventionen plant die Welthandelsorganisation, gegen illegale Fischerei (IUU-Fischerei) vorzugehen, die Überfischung auf der Hohen See zu bekämpfen und für mehr Nachhaltigkeit in der Fischerei zu sorgen.
Das ist mit der neuen Vereinbarung nur teilweise gelungen. Längst nicht alle Fischereisubventionen sind vom Tisch. Dennoch ist es das erste multilaterale WTO-Abkommen, bei dem die Nachhaltigkeit und nicht der Handel im Mittelpunkt steht. Von den 166 WTO-Mitgliedern haben bislang 122, darunter Deutschland, die EU, China und die USA, das Abkommen ratifiziert. Es fehlen allerdings (noch) bedeutende Fischereinationen wie Indien oder Indonesien.2
Kernaussagen
- Am 15. September 2025 trat das erste WTO-Abkommen zur Einschränkung schädlicher Fischereisubventionen in Kraft.
- Das Abkommen zielt darauf ab, illegale Fischerei und Überfischung zu bekämpfen, bleibt jedoch unvollständig.
- Wichtige Fischereinationen wie Indien und Indonesien haben das Abkommen bisher nicht ratifiziert.
- Die Einigung stellt einen Fortschritt dar, benötigt werden jedoch weitere Maßnahmen für den langfristigen Schutz der Meere.
Endlich weniger Fischereisubventionen
Mehr als 20 Jahre lang diskutierte die WTO. Erst Mitte Juni 2022 kam Bewegung in die festgefahrenen Auseinandersetzungen. Auf der 12. WTO-Konferenz in Genf erzielte man eine erste Einigung. Es gelang allerdings nicht, den Subventionssumpf im Fischereisektor komplett trocken zu legen.
Versäumnisse
Das Versäumnis, Treibstoffsubventionen konsequent zu beenden, schwächt die Klimaeffizienz des Abkommens und ermöglicht weiterhin hohe CO₂-Emissionen durch die Fischereiflotten. Auch Ausnahmeregeln für Entwicklungsländer bergen das Risiko, dass schädliche Subventionen de facto weiterlaufen. Weiterhin fehlen Vorgaben zur Beifangreduktion und für den Schutz sensibler Meeresgebiete. Damit bleiben wichtige Schutzziele unvollständig.
Fortschritte
Dennoch war die Einigung ein lange überfälliger Schritt. Erstmals sind nun verbindliche Instrumente gegen die schädlichsten Subventionen vorhanden. Das reicht aber nicht aus, um die Meere langfristig zu schützen.
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Verpflichtung zur Meldung von Subventionen bei der WTO.
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Verbot direkter Subventionen für den Neubau großer Fangschiffe.
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Strengere Berichtspflichten und Transparenzanforderungen für alle Mitgliedstaaten.
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Sanktionen und Streitbeilegungsmechanismen gegen Staaten, die IUU-Fischerei aktiv unterstützen.
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Einführung eines fünfjährigen Überprüfungszyklus mit klaren Indikatoren für Kapazitätsreduzierung und Beifangminderung.
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Der neu eingerichtete WTO-Fischereifonds (WTO Fish Fund) soll Entwicklungsländer und wenig entwickelte Länder bei der Transformation für ein nachhaltigeres Management ihrer Fischereien unterstützen.
Hochseefischerei wäre ohne Subventionen defizitär
Schätzungen gehen davon aus, dass Fischereien weltweit (Küsten- und Hochseefischerei) mit 14 bis 35 Milliarden US-Dollar subventioniert werden.

Somit finanzieren Steuerzahler mehr als ein Drittel (35 Prozent) der globalen Fischereikosten. Nur so können im Grunde unrentable Fischereien, wie die zumeist defizitär operierende Fischerei auf der Hohen See, überhaupt existieren. Beispiele hierfür sind die Schleppnetzfischerei in der Tiefsee und die Fischerei auf Tintenfische in internationalen Gewässern.
Spitzenreiter bei Subventionen für die Fischerei auf der Hohen See ist Japan, gefolgt von Spanien, China, Südkorea und den USA. In all diesen Ländern übertreffen die Zuschüsse bei Weitem die Einnahmen.
Subventionierte EU-Trawler auf Raubzug vor den Küsten armer Länder
Fischereisubventionen ermöglichen den Betrieb zu vieler und zu großer Fangboote. Gleichzeitig hält die EU nach wie vor an zu hohen Fangquoten fest.3 Die Folge sind gravierende negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Daher stehen Arten wie der Kurzflossen-Makohai im Nordatlantik am Rande der Ausrottung.
EU-Fischer operieren teilweise tausende Kilometer außerhalb heimischer Gewässer. Dort zerstören sie die Lebensgrundlage lokaler Kleinfischer. Plündern den Fischreichtum entlang der Küsten von zumeist armen Ländern. Hinzu kommt, dass in vielen Fanggebieten weitaus mehr Fisch gefangen wird, als es ökologisch verträglich wäre. Daher sind bereits zwei Drittel aller Fischbestände ausgeschöpft oder überfischt.

Fischereisubventionen machen es möglich, dass EU-Fangflotten bei den Seychellen mit ihren Thunfischbooten auf Fangfahrt gehen. Foto: iStockphoto.com/Juan Carlos Hernández Hernández
- WTO Agreement on Fisheries Subsidies enters into force ↩︎
- tagesschau.de: WTO-Abkommen verbietet schädlichste Subventionen ↩︎
- taz.de: Bestände am Ende. Eine Studie aus Kiel wirft der EU schweres Missmanagement beim Meeresschutz vor: Statt Fischbestände zu schützen, gehorche sie nationalen Interessen. ↩︎
Titelfoto: © pixabay
Weiterführende Informationen
- Thunfischkommission für den Indischen Ozean (IOTC, Indian Ocean Tuna Commission)
- Blue Manifesto – Der Fahrplan für gesunde Meere im Jahr 2030
- Fischereiverbot in der Biskaya zum Schutz von Delfinen
- UN-Vertrag zum Schutz der Hohen See
- Keine Meereswende in Deutschland!
- Problemzone industrielle Fischerei
- Fischereikommission IOTC verabschiedet erstmals Einschränkungen der FAD-Fischerei im Indischen Ozean
