Umstritten: MSC zertifiziert FAD-Fischerei

Fischsammler (FADs) sind wegen hoher Beifangraten nicht nachhaltig!

Erstmals hat das Marine Stewardship Council (MSC) eine Fischerei als nachhaltig zertifiziert, die sogenannte FADs (fish aggregating devices) oder Fischsammler einsetzt. Es handelt sich um das spanische Unternehmen Echebastar. Folglich darf sie künftig für Skipjack-Thunfischfänge aus dem Indischen Ozean das begehrte, verkaufsfördernde blaue Fischsiegel verwenden. Meeresschützer kritisieren die erneute Zertifizierung einer nicht-nachhaltigen Fischerei seitens des MSC scharf. Denn die von Echebastar beim Thunfischfang eingesetzte Fangmethode ist stark umstritten. FAD-Fischerei verursacht hohe Beifangraten. Aus diesem Grund sterben viele Jungfische, Haie und andere Fischarten, Meeresschildkröten, aber auch Wale und Delfine. Denn sie werden von den FADs ebenfalls angelockt und unweigerlich mitgefangen.

8000 tote Seidenhaie mit nur 5 Schiffen für 35 000 Tonnen Thunfisch

Seidenhai.

Seidenhaie werden von der IUCN als potenziell gefährdet eingestuft. Denn sie gehören zu den drei am meist gehandelten Haiarten der Welt.

Wie zerstörerisch die FAD-Fischerei von Echebastar ist, zeigt sich an den jährlich mindestens 8000 beim Einsatz von FADs getöteten Seidenhaien (Carcharhinus falciformis). Bemerkenswert ist, dass dieser gewaltige Beifang von nur 5 Echebastar Trawlern verursacht wurd. Diese erzielen eine durchschnittliche Fangmenge von 35 000 Tonnen Thunfisch.

Kritik vom WWF

Auch der WWF, der einst gemeinsam mit Unilever 1997 das Marine Stewardship Council (MSC) gründete, schließt sich der Kritik an. Konseqeunterweise weist der WWF darauf hin, dass „Fischkonsumenten nicht davon ausgehen sollten, dass das Fischereiunternehmen Echebastar den Standards des MSC-Umweltsiegels in seiner Performance ausreichend nachkommt.“

Deutscher Lebensmittelhandel setzt auf Siegel – auch auf falsche

MSC und ASC zertifizierter Fisch bei Kaufland.

Bei Kaufland gibt es nur noch MSC- und ASC-zertifizierten TK-Fisch und Garnelen im Eigenmarken-Sortiment.
Quelle: obs/Kaufland

Die Nachfrage nach Fisch hat viel Druck auf ein wachsendes nachhaltiges Angebot in Deutschland erzeugt. In der Folge stellen große Lebensmittelkonzerne wie EDEKA oder Kaufland ihre Fischproduktangebote massiv auf MSC- oder ASC-zertifizierte Erzeugnisse um.

Doch wie nachhaltig diese Fischprodukte tatsächlich sind, wird nicht hinterfragt. Hauptsache sie tragen ein Siegel.

Wendepunkt: Zertifizierung einer FAD-Fischerei

Bislang hat der MSC damit geworben, dass er nur Fischereien zertifiziert, die keine Fischsammler (FADs) einsetzen: „Es ist zwar ein einfacher Weg, Fischerei zu betreiben, aber auch verschwenderisch und destruktiv, da viele junge Thunfische gefangen werden, ehe sie sich fortpflanzen können, gemeinsam mit einem hohen Anteil an Beifang anderer Spezies. Die Probleme, die mit dieser Fischereimethode einhergehen, sind von sehr kritischer Bedeutung für den Erhalt und die Gesundheit des Ozeans.“

Einmal mehr verabschiedet sich das Marine Stewardship Council damit von seinen eigenen Nachhaltigkeitskriterien. Denn erst im August 2017 wurde das blaue Fischsiegel bereits an eine mexikanische Fischerei vergeben, die Delfinschulen jagt, um Thunfische zu fangen. Dabei werden die Delfine mit Netzen eingekreist, verletzt und getötet.

Was sind Fischsammler (FADs)?

FAD mit Netzmaterial.

Das Netzmaterial verringert die Verdriftung des FAD. Zusätzlich wird die Attraktivität als Aggregationsort für Fische erhöht.
Foto: ISSF/David Itano

Im Prinzip kann auch ein vor sich hin trödelnder Blauwal ein Fischsammler sein. Denn besonders Jungfische suchen Schutz unter an der Wasseroberfläche treibenden größeren Objekten. Mithin gab es natürliche FADs, wie Baumstämme oder Algenansammlungen, schon immer. Hinzu kommt, dass Thunfische sie als „Landmarken“ oder „Treffpunkte“ nutzen, um sich zu größeren Schwarmverbänden zusammenzufinden.

Diese Fischansammlungen bleiben Jägern natürlich nicht lange verborgen. Folglich kommen große Thunfische, Haie oder Delfine da gerne einmal für eine Mahlzeit vorbei.

FAD-Fischerei um natürliche schwimmende Objekte wird schon lange durchgeführt. Erst in den 1980er-Jahren begann der Einsatz künstlicher Objekte (FADs). Dieser entwickelte sich in den frühen 1990er-Jahren dann schnell weiter.

Künstliche FADs können reine Bambusflöße oder Bambusflöße mit Netzmaterial sein. Insebsondere das Netzmaterial verringert die Verdriftung des FAD. Zusätzlich erhöht es die Attraktivität als Aggregationsort. Meist treiben FADs frei oder verankert an der Wasseroberfläche. Wohingegen andere in einer bestimmten Wassertiefe schwimmen. Zum leichteren Auffinden werden viele FADs mit Signalgebern ausgestattet. Einige sind auch mit einem Echolot ausgerüstet, um die Menge an Fisch unter dem FAD festzustellen.

Skipjack – Der Dosenthunfisch

Skipjack im Ringwadennetz.

Skipjack, Ringwadennetzfischerei.
Foto: Alex Hofford Greenpeace/Marine Photobank

Der Skipjack (Katsuwonus pelamis) ist streng genommen kein Thunfisch (Gattung Thunnus). Doch von der Fischereiindustrie erhält er viele wohlklingende Namen wie Atún, Bauchstreifiger Bonito, Bonito oder Echter Bonito.

Skipjack vermehrt sich schnell. Bereits mit ein bis zwei Jahren ist er geschlechtsreif. Denn seine Lebenserwartung liegt bei nur drei Jahren. Ausgewachsen erreichen sie eine Körperlänge von nur 35 cm bei bis zu 3 kg Gewicht. Sie ernähren sich von anderen Fischen, Krebstieren, Mollusken und Tintenfischen. Ebenso zeigt die Art starken Kannibalismus.

Es handelt sich um die mit Abstand häufigste für Thunfischprodukte genutzte Art. Skipjack ist DER „Dosenthunfisch“ (mit z. B. einem Anteil von über 70 % in Deutschland).

Skipjack-Thune nutzen keine bestimmten Regionen zu Fortpflanzung. Doch sie assoziieren sich gern mit großen driftenden Objekten, Walhaien, Haien, Walen und sogar auf der Wasseroberfläche weilenden Seevögeln. Trotz starker Befischung im Atlantik gelten die Bestände dort als noch intakt, aber bis zum Limit ausgeschöpft. Etwa 67 % der weltweiten Skipjackfänge kommen aus dem Pazifik. Im Ostpazifik soll Skipjack sogar noch „unterfischt“ sein.
DSM, November 2018
Unter Verwendung von Informationen zur FAD-Fischerei von: Fischbestände online – Thünen-Institut für Ostseefischerei
Foto oben: ISSF/Fabien Forget