Vertrauen der Verbraucher in das blaue MSC-Siegel steht auf der Kippe

Ergebnisse einer neuen Verbraucherumfrage zu Ökosiegel für nachhaltigen  Fischfang veröffentlicht

Pressemitteilung, 26. April 2018 – Neueste Umfrageergebnisse einer im Auftrag der „Make Stewardship Count“-Koalition durchgeführten Verbraucherumfrage zeigen, dass der Marine Stewardship Council (MSC) Gefahr läuft, das Vertrauen der Verbraucher komplett zu verlieren, und zwar als Folge seiner Haltung zu solch wesentlichen Themengebieten wie der Reduzierung des Beifangs von gefährdeten und geschützten Tierarten, der gezielten Verfolgung und Einkesselung von Delfinen, der Zerstörung mariner Lebensräume oder der wirksamen Unterbindung des „Finning“ von Haien, bei dem den meist noch lebenden Tieren die Flossen abgeschnitten werden und die Haikörper dann ins Meer zurückgeworfen werden, wo sie bewegungsunfähig entweder ersticken oder von anderen Tieren gefressen werden.

Glaubwürdigkeit des Verbrauchersiegels ist in Gefahr

Die von uns finanziell mitunterstützte Verbraucherumfrage wurde von YouGov Deutschland GmbH im Zeitraum vom 12. – 19. April 2018 für die Koalition durchgeführt. 5574 Teilnehmer in Frankreich, Deutschland, Schweiz und Großbritannien wurden befragt und die gewichteten Ergebnisse sind repräsentativ für die Bevölkerung über 18 Jahren in jedem diese Länder. Die „Make Stewardship Count“-Koalition hat die Ergebnisse erstmals während der Seafood Global/Seafood Processing Global Messe 2018 vorgestellt, die vom 24. bis 26. April in Brüssel stattfand.

Obwohl die Meinungen in den einzelnen Ländern leicht variieren, sind im Durchschnitt 76 % aller Befragten der Meinung, dass Zertifizierungsagenturen, die eine Fischerei hinsichtlich der Erfüllung der MSC-Kriterien bewerten sollen, dies nicht wirklich ohne Interessenkonflikt tun können, wenn sie von eben dieser Fischerei bezahlt werden. 77 % aller Verbraucher sind auch der Meinung, dass MSC-zertifizierte Fischereien ihren gesamten Fang und Beifang durch unabhängige Methoden verifizieren und dokumentieren lassen und diese Daten Umweltschutzorganisationen und Wissenschaftlern zur Verfügung stellen sollten.

Auf die Frage, ob es einer MSC-zertifizierten Fischerei erlaubt sein sollte, beim Thunfischfang gezielt Delfine oder andere Meeresbewohner zu verfolgen und einzukreisen, lautete eine überwältigende Anzahl mit 80 % aller Antworten dahingehend, dass eine solche Praxis nicht zulässig sein dürfe.

Ähnlich hohe Ergebnisse gab es auch gegen den Einsatz von sogenannten Lockbojen (künstliche Flöße, unter denen Jungfische Schutz suchen), die zum vielfachen Tod von jungen Haien und einem hohen Beifang an anderen bedrohten und geschützten Tierarten führen. Zum Thema „Finning“ von Haien und dem Einsatz umweltzerstörender Fangmethoden gab es ebenfalls außergewöhnlich hohe Ablehnung. Im Durchschnitt waren 85 % aller Befragten über alle Länder hinweg der Meinung, dass diese Praktiken verboten sein sollten.

Die Zukunft unserer Ozeane steht auf dem Spiel!

Der Marine Stewardship Council gerät zunehmend unter Druck von vielen Meeresschutzorganisationen und Fischereiexperten, die allesamt die Glaubwürdigkeit des Verbrauchersiegels am Markt in Gefahr sehen:

„Für mich ist das Ergebnis der Umfrage in der Schweiz eindeutig. Mehr als zwei Drittel der Konsumenten erwarten, dass eine mit dem MSC Label ausgezeichnete Fischerei keinen Beifang generiert und weder Meeressäuger, Meeresschildkröten, Haie noch Seevögel gefährdet“, betont Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare.

„Nachhaltigkeit beim Fischkauf ist für die überwiegende Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher erfreulicherweise von großer Bedeutung. Diese Erwartung erfüllt das MSC leider nicht. Es muss endlich Schluss sein mit den leeren Versprechungen beim MSC“, so Ulrich Karlowski, Biologe und Mitgründer der Deutschen Stiftung Meeresschutz/DSM.

Wenn sie erfahren, dass einige MSC-zertifizierte Fischereien die oben genannten umweltzerstörenden Praktiken anwenden, geben 78 % der Umfrageteilnehmer an, zukünftig weniger MSC-Produkte zu kaufen oder diese überhaupt nicht mehr zu kaufen. „Diese Ergebnisse sollten beim MSC die Alarmglocken läuten lassen“, sagt Susan Millward, Direktorin des Meeressäugerprogramms beim Animal Welfare Institute. „Ohne die zügige Umsetzung umfassender Verbesserungen beim Standard geht der MSC das Risiko ein, einen erheblichen Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit seiner europäischen Hauptmärkte zu verlieren.“

Friederike Kremer-Obrock, 1. Vorsitzende von Sharkproject Germany e.V., stimmt dieser Aussage ebenfalls zu und fügt noch weiter hinzu: „Die Ergebnisse zeigen ganz eindeutig, dass ca. 80 % aller Verbraucher erwarten, dass der MSC seine ehrgeizigen Versprechungen hinsichtlich eines nachhaltigen Umgangs mit unseren Ozeanen und des Schutzes bedrohter Arten und Lebensräume auch tatsächlich in die Praxis umsetzt. Wenn jetzt nicht endlich weitreichende Verbesserungen unverzüglich umgesetzt werden, läuft der MSC Gefahr, das Vertrauen der Verbraucher unwiederbringlich zu verspielen und damit sowohl seine eigene Zukunft als auch die Zukunft unserer Ozeane auf Spiel zu setzen.“
Make Stewardship Count
Für weitere persönliche Informationen kontaktieren Sie bitte:

Kate O-Connell, Animal Welfare Institute, Washington, D.C., kate.oconnell@balaena.org

Dr. Iris Ziegler, Sharkproject Germany, i.ziegler@sharkproject.org

Dr. Cat Dorey, Fisheries Consultant, Australia, catdorey@gmail.com

Shannon Arnold, Ecology Action Centre, Canada, sarnold@ecologyaction.ca