Gericht stoppt SHELL: keine Gas- und Ölsuche vor Südafrika!

Erfolg für den Meeresschutz: Der Ölriese Shell darf nicht mit Schallkanonen (Airguns) an der Wild Coast vor der Ostküste Südafrikas seismische Erkundungen zur Suche nach Öl- und Gaslagerstätten durchführen. Gegen erhebliche Proteste hatte der Ölgigant Anfang Dezember 2021 Schallkanonen (Airguns) vor der Ostküste von Südafrika eingesetzt, um Gas- und Ölfelder im Meeresboden zu lokalisieren. Hierbei kommen infernalisch laute 3-D-Echolote zum Einsatz. Sie erzeugen für Meerestiere aller Art schädigende, mitunter tödliche Schalldrücke. Die Explorationen sollten 5 Monate lang dauern, mit rund um die Uhr feuernden Airguns. Wir unterstützten südafrikanische Meeresschützer bei ihrem Kampf gegen die rücksichtslose Zerstörung von Meeresökosystemen.

Nachdem ein erster Versuch, die Seismik mit einem Eilantrag vor Gericht zu stoppen, scheiterte, war ein weiterer Eilantrag dann am 28.12.2021 erfolgreich. Das Hohe Gericht in Grahamstown in der Provinz Ostkap urteilte zugunsten der Umweltschützer. Jetzt ist das letzte Wort gesprochen. Am 1. September 2022 urteilte der High Court von Makhanda, dass die Genehmigung von 2014 nicht rechtmäßig erteilt worden war. Der Kampf ist vorbei, Shell hat verloren. Ob Shell Berufung einlegt, ist Medienberichten zufolge noch nicht klar.

Erster Schritt bei der Gas- und Ölsuche im Meer: Dauerbeschallung von Meerestieren

Bei seismischen Untersuchungen zur Erdölsuche feuern Airguns (Schallkanonen) von Schiffen aus rund um die Uhr ungefähr alle fünf bis zehn Sekunden einen lauten, explosionsartigen Druckimpuls ab. Aus dem vom Meeresboden reflektierten Schall lässt sich ablesen, wo sich Erdgas- oder Erdöllagerstätten befinden.

Die Lautstärke von teils über 260 dB kann bei Walen und Delfinen schwere Gehörschäden bis zur Taubheit hervorrufen. In unmittelbarer Nähe wirkt der Schall tödlich – auch für andere Meerestiere wie Robben, Haie, Pinguine und selbst Kleinlebewesen wie Schalentiere. Die Dauerbeschallung von Shell vor der Wild Coast war für fünf Monate auf einem mehr als 6.000 Quadratkilometer großen Meeresgebiet angesetzt, dessen nächst gelegene Entfernung zur Küste ca. 20 km beträgt.

In der Nähe des Explorationsgebietes befinden sich außerdem vier Meeresschutzgebiete mit einer großen Anzahl endemischer, also ausschließlich dort vorkommender Arten. Zwar sollten die Tests nicht zur Hauptwanderzeit von Buckelwalen und Südlichen Glattwalen stattfinden. Doch andere Meeressäugerarten, die sich hier aufhalten oder durchwandern, wären unmittelbar in Gefahr geraten. Etwa tieftauchende Schnabelwale oder Pottwale. Ferner vom Aussterben bedrohte Bogenstirn-Hammerhaie und die kleine südafrikanische Population Bleifarbener Delfine, die gleichfalls stark bedroht ist.

Shell: grüner Anstrich versus Zerstörung mariner Ökosysteme

„Shell gibt sich neuerdings grün. So will man bis 2050 klimaneutral sein. Außerdem verleiht man sich einen grünen Anstrich mit dem Geld der Tankstellenkunden. Mit einem von Kunden gespendeten Extragroschen beim Tanken lässt Shell Bäumchen zum CO2-Ausgleich pflanzen. Das soll das Gewissen umweltbewusster Menschen beruhigen. Hinter den Kulissen jedoch setzt man, ohne Rücksicht auf die Umwelt, weiter auf das schwarze Gold“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

A Song for Shell Oil (John Lennon – Imagine Reimagined) von THE KIFFNESS

Weitreichende Störungen beim Einsatz von Airguns

Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigte bereits 2014, dass die impulshaften Schallemissionen von Airguns noch in 2.000 Kilometern Entfernung Meeressäuger stören. Der Störeffekt kann dabei sowohl die Physis als auch die Psyche der Tiere verschlechtern. Dazu sagte die frühere Präsidentin des UBA, Maria Krautzberger: „Für Meeressäuger sind Airguns eine erhebliche Störung. Ihre Schallimpulse können die Verständigung extrem einschränken. Im schlimmsten Fall sogar über ein gesamtes Ozeanbecken hinweg.“

In Entfernungen ab 1.000 km wandeln sich die ursprünglich sehr kurzen Schallimpulse zu einem kontinuierlichen Rauschen. Das kann die Verständigung von Delfinen und Walen extrem einschränken; auf nur noch etwa ein Prozent des natürlichen Verständigungsraumes. Es ist, als ob wir uns plötzlich, ohne künstliche Beleuchtung, in ständigem Dämmerlicht zurechtfinden müssten.

Die durch seismische Tests ins Meerwasser eingebrachte Schallenergie steht nach Nukleartests und sonstigen Explosionen an dritter Stelle entsprechender schädlicher menschlicher Aktivitäten für die Meeresumwelt!

Auf der Sounddatei hört man einen explosionsartigen Druckimpuls und das Echolot. Quelle: NOAA Pacific Marine Environmental Laboratory VENTS Program

Offshore-Ölförderung: jedes Jahr Tausende Störfälle

Es sind nicht nur Katastrophen wie die massive Ölpest im Golf von Mexiko, bei der Tausende von Tieren qualvoll starben, ganze Landstriche verseucht und Lebensgrundlagen von Kleinfischern zerstört wurden. Die Öl- und Gasförderung im Meer ist hochriskant, denn allein bei der täglichen Routine gelangen Öl und giftige Chemikalien mit den Bohrschlämmen und dem Produktionswasser ins Meer. Zudem kommt es jedes Jahr allein in US-Gewässern zu Tausenden von Ölunfällen unterschiedlichen Ausmaßes.

Gericht in Südafrika stoppt Shell! Kein Einsatz von Schallkanonen (Airguns) zur Suche nach Gas- und Öl im Meeresboden. Bohrtürme vor schottischer Küste

Offshore-Förderung zerstört marine Ökosysteme. Foto: Ulrich Karlowski/DSM

Offshore-Ölförderung verursacht Tierleid

Schreckliche Bilder von ölverschmierten Seevögeln, Meeresschildkröten und anderen Tieren zeugen vom unendlichen Leid, das eine Ölpest verursacht.

Ölverschmutzungen können schlimme Haut- und Augenverletzungen auslösen und zu Vergiftungserscheinungen durch mit der Nahrung aufgenommenes Öl führen. So wiesen einer Studie zufolge etliche von 29 untersuchten Großen Tümmlern im Golf von Mexiko nach der Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Jahr 2010 zerstörte Nebennierenrinden auf. Zudem gab es auffällig viele Lungenerkrankungen im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Ölkontakt. Die Folgeerkrankungen waren so schlimm, dass man nur der Hälfte von ihnen eine Überlebenschance gab.

Ölverschmierte Meeresschildkröte

Ölverschmierte junge Atlantische Bastardschildkröte nach der Ölkatastrophe der Deepwater Horizon 2010. Foto: NOAA

Titelfoto: Brennende Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko, Foto: U.S. Coast Guard, Grafik To hell with SHELL: #Gnasher


#ToHellWithShell #SaveTheWildCoast