Historischer Sieg für den Meeresschutz: Der Ölriese Shell darf keine Seismik (Einsatz von Schallkanonen) zur Suche nach Öl- und Gaslagerstätten vor der Ostküste Südafrikas durchführen! Ein jahrelanger Rechtsstreit findet damit ein endgültiges Ende, und zwar zugunsten des Meeresschutzes! Wir unterstützten die südafrikanischen Meeresschützer – eine Koalition aus Umweltschützern, indigenen Gemeinden und Fischern – damals bei ihrer Petition gegen die rücksichtslose Zerstörung von Meeresökosystemen (wir berichteten).
Kernaussagen
- Shell darf keine Seismik zur Erdöl- und Erdgasexploration vor der Ostküste Südafrikas durchführen, ein bedeutender Sieg für den Meeresschutz.
- Seismische Untersuchungen verursachen extreme Lärmentwicklung, die Wale und Delfine und andere Meerestiere erheblich schädigen und töten kann.
- Die Schallwellen der Seismik reichen bis zu 2000 Kilometer weit und stören die Kommunikation von Meeressäugern erheblich.
- Umweltschützer konnten dank eines Eilantrages den seismischen Einsatz von Shell zunächst stoppen. Im August 2026 beendete schließlich das höchste Gericht von Südafrika die Pläne des Ölriesen Shell.
- Offshore-Ölförderung birgt hohe Risiken, darunter ständige Ölunfälle und massive Umweltschäden.
Gas- und Ölsuche mit 3-D-Seismik
Ende 2021 hatte Shell unter Berufung auf eine 2014 erteilte Genehmigung mit dem Einsatz von Seismik zur Gas- und Öl-Explorationen vor der Wild Coast an der Ostküste Südafrikas begonnen. Die Wild Coast ist ein unberührtes Stück Natur mit großem Artenreichtum.
Mit einem Eilantrag bei Gericht konnten Umweltschützer das Vorhaben zunächst stoppen. Es folgte ein mehrjähriger Gang durch die Instanzen. Am 14. August 2026 schließlich erließ das höchste Gericht Südafrikas, der Constitutional Court of South Africa, sein Urteil: Shell darf keine seismischen Erkundungen durchführen!
Seismik verursacht schwere Schäden bei Meerestieren
Bei seismischen Untersuchungen zur Erdölsuche feuern Schallkanonen oder Fächerecholote (Airguns) von Schiffen aus rund um die Uhr ungefähr alle fünf bis zehn Sekunden einen lauten, explosionsartigen Druckimpuls ab. Aus dem vom Meeresboden reflektierten Schall kann abgelesen werden, wo sich Erdgas- oder Erdöllagerstätten befinden.
Die Lautstärke von teils über 260 dB kann bei Walen und Delfinen schwere Gehörschäden bis zur Taubheit hervorrufen. In unmittelbarer Nähe wirkt der Schall tödlich – auch für andere Meerestiere wie Robben, Haie, Pinguine und selbst Kleinlebewesen wie Schalentiere. Die Dauer des Einsatzes von Seismik war von Shell auf fünf Monate auf einem mehr als 6.000 Quadratkilometer großen Meeresgebiet angesetzt, dessen nächstgelegene Entfernung zur Küste ca. 20 km beträgt.
In der Nähe des Explorationsgebietes befinden sich außerdem vier Meeresschutzgebiete mit einer großen Anzahl endemischer, also ausschließlich dort vorkommender Arten. Zwar sollte die Seismik zur Hauptwanderzeit von Buckelwalen und Südlichen Glattwalen pausieren. Doch andere Arten, die sich hier aufhalten oder durchwandern, wären unmittelbar in Gefahr geraten. Etwa tieftauchende Schnabelwale oder Pottwale. Ferner vom Aussterben bedrohte Bogenstirn-Hammerhaie und die kleine südafrikanische Population Bleifarbener Delfine, die gleichfalls stark bedroht ist.
Fossile Industrie agiert ohne Rücksicht auf sensible Ökosysteme
„Wie die gesamte fossile Industrie sieht sich auch Shell im Aufwind. Rücksichtslos setzt man wieder voll auf hohe Gewinne durch das schwarze Gold. Das Scheitern in Südafrika ist ein empfindlicher Dämpfer für dem Ölriesen“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.
Auswirkungen von Schallkanonen reichen bis zu 2.000 Kilometer weit
Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigte bereits 2014, dass die impulshaften Schallemissionen der bei seismischen Explorationen eingesetzten Schallkanonen (Airguns) noch in 2.000 Kilometern Entfernung Meeressäuger empfindlich stören können. Der Störeffekt der Seismik kann dabei sowohl die Physis als auch die Psyche der Tiere verschlechtern. Dazu sagte die frühere Präsidentin des UBA, Maria Krautzberger: „Für Meeressäuger sind Airguns eine erhebliche Störung. Ihre Schallimpulse können die Verständigung einschränken. Im schlimmsten Fall sogar über ein gesamtes Ozeanbecken hinweg.“
In Entfernungen ab 1.000 km wandeln sich die ursprünglich sehr kurzen Schallimpulse zu einem kontinuierlichen Rauschen. Das kann die Verständigung von Delfinen und Walen auf nur ein Prozent des natürlichen Verständigungsraumes einengen. Es ist, als ob wir uns plötzlich, ohne künstliche Beleuchtung, in ständigem Dämmerlicht zurechtfinden müssten.
Die durch seismische Tests ins Meerwasser eingebrachte Schallenergie von Airguns steht nach Nukleartests und sonstigen Explosionen an dritter Stelle entsprechender schädlicher menschlicher Aktivitäten für die Meeresumwelt!
Auf der Sounddatei hört man einen explosionsartigen Druckimpuls und das Echolot. Quelle: NOAA Pacific Marine Environmental Laboratory VENTS Program
Offshore-Ölförderung: jedes Jahr Tausende Störfälle
Es sind nicht nur Katastrophen wie die massive Ölpest im Golf von Mexiko, bei der Tausende Tiere qualvoll starben, ganze Landstriche verseucht und Lebensgrundlagen von Kleinfischern zerstört wurden. Die Öl- und Gasförderung im Meer ist hochriskant, denn allein bei der täglichen Routine gelangen Öl und giftige Chemikalien mit den Bohrschlämmen und dem Produktionswasser ins Meer. Zudem kommt es jedes Jahr allein in US-Gewässern zu Tausenden von Ölunfällen unterschiedlichen Ausmaßes.
Offshore-Ölförderung verursacht unfassbares Leid

Schreckliche Bilder von ölverschmierten Seevögeln, Meeresschildkröten und anderen Tieren zeugen vom unendlichen Leid, das eine Ölpest verursacht.
Ölverschmierte junge Atlantische Bastardschildkröte nach der Ölkatastrophe der Deepwater Horizon 2010.
© NOAA
Ölverschmutzungen können schlimme Haut- und Augenverletzungen auslösen und zu Vergiftungserscheinungen durch mit der Nahrung aufgenommenes Öl führen. So wiesen einer Studie zufolge etliche von 29 untersuchten Großen Tümmlern im Golf von Mexiko nach der Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Jahr 2010 zerstörte Nebennierenrinden auf. Zudem gab es auffällig viele Lungenerkrankungen im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Ölkontakt. Die Folgeerkrankungen waren so schlimm, dass man nur der Hälfte von ihnen eine Überlebenschance gab.
Titelfoto: Brennende Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko, Foto: U.S. Coast Guard, Grafik To hell with SHELL: #Gnasher




