ICRS: Korallenriffkrise im Fokus

Vom 19. bis 23. Juli 2021 organisiert die Universität Bremen virtuell das International Coral Reef Symposium (ICRS). Etwa 1.200 Teilnehmende werden erwartet. Es ist die weltweit größte Korallenriffkonferenz. Im Juli 2022 soll sie in Präsenz stattfinden. Denn vor einem Jahr musste sie wegen der Pandemie verschoben werden. In seiner über 50-jährigen Geschichte findet das ICRS damit erstmalig in Bremen, Deutschland und Europa statt. Begleitend zu den beiden Symposien gibt es in diesem und nächsten Jahr in Bremen mehrere Veranstaltungen zur Bedeutung und der globalen Korallenriffkrise – einige davon ebenfalls virtuell.

Wir ermöglichen der Masterstudentin Laura Niewendick, die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit über die Widerstandsfähigkeit von Korallen in Zeiten des globalen Klimawandels auf dem ICRS 2021 vorzustellen.

„Wir befinden uns in einer weltweiten Korallenriffkrise“

Deutliches Zeichen der Korallenriffkise: Ausgebleichtes Korallenriff Amerikanisch Samoa

Aufgrund des Klimawandels werden El Niños immer stärker. Der letzte El Niño aus dem Jahre 2016 führte weltweit zu einer langanhaltenden Temperaturerhöhung in den Ozeanen der Tropen. Nicht nur das Große Barriereriff in Australien war sehr stark betroffen. Es kam weltweit zu großflächigen Korallenbleichen, wie hier in Amerikanisch-Samoa im Pazifik. Das Vorher- (linke Seite) und Nachher-(rechte Seite)-Bild des gleichen Riffabschnittes zeigt eindrücklich, dass das komplette Riffdach ausgebleicht ist. USA, Amerikanisch-Samoa, 2016. Copyright/Quelle: The Ocean Agency/www.ICRS2020.de

Das Internationale Korallenriff-Symposium ist die mit Abstand wichtigste Veranstaltung, die sich mit den Korallenriff-Ökosystemen beschäftigt.

Hier treffen sich seit 1967 normalerweise alle vier Jahre Menschen aus Wissenschaft, Küstenmanagement, Umweltschutz und Politik und stellen ihre aktuellen Forschungsergebnisse vor.

„Dieser Konferenz kommt eine ganz besondere Bedeutung zu“, sagt Professor Christian Wild von der Universität Bremen, der die Veranstaltung mit seinem Team organisiert.

„Denn wir befinden uns in einer weltweiten Korallenriffkrise. Global sind 30 Prozent aller Korallenriffe schon verloren, 40 Prozent massiv bedroht und nur noch weniger als 30 Prozent in einem vergleichsweise guten Zustand.“

Ursachen der globalen Korallenriffkrise seien vor allem Klimawandel, Überfischung und die Verschmutzung der Meere.

Veranstaltung „Wissenschaft und Politik im Dialog“: Teilnahme per Livestream

Am Dienstag, 20. Juli 2021, wird um 14 Uhr im Rahmen des ICRS 2021 VIRTUAL ein bedeutendes Strategiepapier mit dem Titel „Rebuilding Coral Reefs: A Decadal Grand Challenge” der Öffentlichkeit vorgestellt. Anschließend steht es zum freien Download zur Verfügung.

Es richtet sich weltweit an Entscheidungstragende aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. „Wir wollen darin die Dringlichkeit von Maßnahmen deutlich machen, die zum Schutz und zur Wiederherstellung von Korallenriffen nötig sind“, sagt Dr. Sebastian Ferse vom Organisationskomitee des ICRS 2021 VIRTUAL und Organisator der Veranstaltung. Er ist Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen.

Umfassendes Strategiepapier gegen die Korallenriffkrise

Das Strategiepapier bietet eine Zusammenfassung der relevantesten und neuesten natur- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse. Somit liefert es die Grundlage für Diskussionen und Verhandlungen zu Umwelt- und Naturschutz, Klimawandel und nachhaltiger Entwicklung auf lokaler und globaler Ebene.

Opfer der Korallenriffkrise: Langschnäuziger Korallenwächter

Viele Fisch- und wirbellose Arten in den Korallenriffen sind von einer oder wenigen Korallenarten abhängig. Sie haben sich auf bestimmte ökologische Nischen spezialisiert. Verschwinden diese Korallenarten durch die Folgen menschlichen Handelns wie CO2 – Emissionen, physische Zerstörung oder Verschmutzung durch Sediment, Gift- oder Nährstoffe, dann bedeutet dies auch das Ende für die von ihnen abhängenden Arten. Copyright/Quelle: Heinz Krimmer/www.ICRS2020.de

Teilnehmende des ICRS 2021 und die interessierte Öffentlichkeit können die Veranstaltung per Livestream verfolgen. Sie ist hochkarätig besetzt. Zu den Sprecherinnen und Sprechern gehören:

  • Botschafter Peter Thomson (Sondergesandter des UN-Generalsekretärs für die Ozeane)
  • Nancy Knowlton (Leitende Autorin des Strategiepapiers, Smithsonian Institution)
  • David Obura (Mitwirkender Autor, Gründungsdirektor von CORDIO Ostafrika)
  • Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin im deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU))
  • Abdulla Naseer (Staatsminister für Umwelt, Malediven)
  • Leticia Carvalho (Leiterin der Meeres- und Süßwasserabteilung, UN-Umweltprogramm)
  • David Souter (Global Coordinator, Global Coral Reef Monitoring Network)
  • Andréa Grottoli (Präsidentin der International Coral Reef Society)
Doktorfisch im Fischernetz

Überfischung gehört zu den großen lokalen Stressfaktoren, die Korallenriffe gefährden. Insbesondere die Entnahme der pflanzenfressenden Arten, wie dieser gefangene Doktorfisch, schädigt das Riff. Steinkorallen und Algen kämpfen in jedem Riff um die Siedlungsplätze. Werden die Algen nicht von pflanzenfressenden Fischen abgeweidet, verlieren die Korallen den Kampf und die Riffe veralgen. Ägypten, Sinai, Dahab, Rotes Meer, Stellnetz auf dem Riffdach. Copyright/Quelle: Heinz Krimmer/www.ICRS2020.de

Wissenschaft und Politik im Dialog gegen die Korallenriffkrise

Organisiert wird „Wissenschaft und Politik im Dialog“ unter der Schirmherrschaft des Internationalen Korallenriff-Symposiums 2021 von Future Earth Coasts, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, der International Coral Reef Society, dem UN-Umweltprogramm, der International Coral Reef Initiative, der „Fürst Albert II von Monaco“-Stiftung und der Kellner & Stoll Stiftung für Klima und Umwelt der Universität Bremen.

Registrierung und weitere Informationen für die Veranstaltung „Wissenschaft und Politik im Dialog“, Dienstag, 20. Juli 2021, 14 Uhr:
www.icrs2021.de/program/science-policy-dialogue

Zahlreiche Veranstaltungen

Um auf die Bedeutung und Bedrohung der Korallenriffe und die weltweite Korallenriffkrise verstärkt aufmerksam zu machen, plant das Organisationsteam des ICRS in diesem und nächsten Jahr zudem zahlreiche weitere Veranstaltungen in der Hansestadt.

Fragen beantwortet:

Heinz Krimmer
ICRS 2021 Konferenzsekretariat
Marine Ökologie
Universität Bremen
E-Mail: [email protected]

Quelle:

Universität Bremen
Hochschulkommunikation und -marketing
Telefon: +49 421 218-60150
E-Mail: [email protected]

Foto oben:
Die Geweihkorallen dieser massiven Riffwand sind vollständig abgestorben. Der Niedergang dieses tropischen Korallenriffes begann schon in den 1970er-Jahren. In der Karibik sind in den letzten 40 Jahren 80 % der Korallenbestände verloren gegangen. Die Aufnahme entstand im August 2016, Karibik, Amerikanische Jungferninseln, Buck Island Reef. Copyright/Quelle: Richard Ross/Secore international/www.ICRS2020.de