Zeitschrift Natur und Landschaft

In ihrer aktuellen Ausgabe thematisiert die Zeitschrift „Natur und Landschaft“ (Herausgeber Bundesamt für Naturschutz) den kritischen Status deutscher Meeresschutzgebiete in der Nordsee. Zwei große Krisen belasten Meere und Ozeane im globalen und lokalen Maßstab: Zum einen die Klimakrise, die zur fortschreitenden Erwärmung und Versauerung der Wasserkörper führt. Zum anderen die anthropogen bedingten massiven Belastungen der marinen biologischen Vielfalt. Hier muss mit den richtigen Maßnahmen zur Erhaltung der einzigartigen marinen Arten und Lebensräume gegensteuert werden. Wie steht es darum in unseren Nordsee-Meeresschutzgebieten?

-> -> -> weiterlesen

Erdölsuche vor Südafrika: Gericht stoppt Shell

Erfolg für den Meeresschutz: Shell muss seismische Explorationen zur Erdölsuche vor der Ostküste Südafrikas vorerst einstellen! Als hätte es die UN-Klimakonferenz COP26 im November nicht gegeben, setzen Shell und die Regierung von Südafrika weiterhin auf die Erschließung neuer fossiler Energiequellen.

So begann der Ölgigant Anfang Dezember, gegen erhebliche Proteste, mit der Erdölsuche vor der Ostküste von Südafrika. Dabei kommen infernalisch laute 3-D-Echolote zum Einsatz. Diese Schallkanonen (Airguns) erzeugen für Meerestiere aller Art schädigende, mitunter tödliche Schalldrücke. Die Explorationen sollten 5 Monate lang dauern, mit rund um die Uhr feuernden Airguns. Wir unterstützen südafrikanische Meeresschützer bei ihrem Kampf gegen die rücksichtslose Zerstörung von Meeresökosystemen. Nachdem ein erster Versuch, die Seismik mit einem Eilantrag vor Gericht, zu stoppen, scheiterte, war ein weiterer Eilantrag am 28.12.2021 erfolgreich. Das Hohe Gericht in Grahamstown in der Provinz Ostkap urteilte zugunsten der Umweltschützer. Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen …

-> -> -> weiterlesen

EU-Subventionen für die Fischerei

Voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten

EU-Fischer verbrauchen jedes Jahr etwa 2,3 Milliarden Liter Schiffsdiesel. Dabei erzeugen sie fast 7,3 Millionen Tonnen CO2. Trotzdem zahlt die EU Subventionen für die Fischerei von bis zu 1,5 Milliarden Euro aus Steuererleichterungen. Dies zeigt der Bericht „Climate Impacts & Fishing Industry profits from EU Fuel Tax Subsidies“. Vorgelegt hat ihn die Organisation Our Fish. Er basiert auf den neuesten verfügbaren Daten (2018). Mit ihrer Subventionspolitik heizt die EU nicht nur den Klimawandel an. EU-Fischerei-Subventionen fördern zudem die Überfischung der Meere.

Überfischung und Klimagase mit Steuererleichterungen

Fischerei-Subventionen ermöglichen den Betrieb zu vieler und zu großer Fangboote. Gleichzeitig hält die EU an zu hohen Fangquoten fest. Die Folge sind gravierende negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Daher stehen Arten wie der Kurzflossen-Makohai im Nordatlantik am Rande der Ausrottung. Denn die EU lehnt ein von Wissenschaftlern, anderen Fangnationen und Meeresschützern gefordertes Fang- und Anlandeverbot ab.

EU-Fischer operieren teilweise Tausende Kilometer außerhalb heimischer Gewässer. Dort zerstören sie die Lebensgrundlage lokaler Kleinfischer. Plündern den Fischreichtum entlang der Küsten von zumeist armen Ländern. Hinzu kommt, dass in vielen Fanggebieten weitaus mehr Fisch gefangen wird, als es ökologisch verträglich wäre. Daher sind sind bereits zwei Drittel aller Fischbestände ausgeschöpft oder überfischt.

EU Subventionen für die Fischerei erlauben EU-Fischern in großer Entfernung zu fischen: EU-Thunfischboote im Hafen auf den Seychellen

Dank der EU-Fischerei-Subventionen können EU-Fischer bei den Seychellen mit ihren Thunfischbooten auf Fangfahrt gehen – Foto: iStock.com/Juan Carlos Hernández Hernández

Delfinmassaker im Golf von Biskaya

Auch Meeressäuger leiden unter der auf über 63.000 Fischereifahrzeuge künstlich aufgeblähten Fischereiflotte der EU – darunter eine Furcht einflößende Armada von zumeist in den Niederlanden registrierten Supertrawlern.

Jedes Jahr töten französische, spanische und portugiesische Fischer mit ihren Schleppnetzen im Golf von Biskaya Zehntausende Gemeine Delfine. Hochsaison ist jeweils von Dezember bis März. So starben 2019 bis 2020 im FAO-Fanggebiet Nordostatlantik mehr als 18.500 Meeressäuger. In den letzten 30 Jahren sollen es mindestens 90.000 gewesen sein. Das ist ein durch EU-Subventionen für die Fischerei befeuertes Delfinmassaker unvorstellbaren Ausmaßes.

EU-Fischerei-Subventionen in Zeiten des Klimanotstands?

Nun wird die Energiebesteuerungsrichtlinie im Rahmen des Green Deal von der EU-Kommission überarbeitet. Damit soll die Besteuerung an die Energie- und Klimapolitik angepasst werden. Daher fordern Meeres- und Klimaschützer ein Ende der Steuerbefreiungen. „An diesem Punkt des Klimanotstands zählt jede Tonne CO2. Steuerbefreiungen für EU-Fischer sollten vollständig aus der überarbeiteten Richtlinie gestrichen und alle Energieprodukte nach ihrem Energie- und Kohlenstoffgehalt besteuert werden“, fordert Rebecca Hubbard von Our Fish.

PDF-Download Bericht „Climate Impacts & Fishing Industry profits from EU Fuel Tax Subsidies


Neue EU-Subventionen für neue Fischtrawler

Allen Beteuerungen und Reformbestrebungen der europäischen Fischereipolitik zum Trotz gewährte die EU-Kommission im September 2018 für die sogenannten „Gebiete in äußerster Randlage“ neue EU-Fischerei-Subventionen zum Kauf neuer Fischtrawler. Es gibt neun EU-Gebiete in äußerster Randlage. Dazu gehören aus Frankreich: Guadeloupe, Französisch-Guayana, La Réunion, Martinique, Mayotte und St. Martin. Während Portugal Madeira und die Azoren ins Rennen schickt. Schließlich sind da noch die zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln.

Begründet wurde dies u. a. mit der dringend notwenigen Modernisierung der Fischereiflotten in den Gebieten in äußerster Randlage. Denn die dortigen Flotten seien untragbar veraltet. Zudem seien die Kutter zu klein. Folglich können sie wegen beschränkter Kapazität und niedriger Entfernungsleistung auf See Fischereiressourcen nicht effektiv nutzen.

Fischkutter Two Brothers.

Foto: Barbara Preston/pixabay

EU-Subventionen für die Fischerei verpuffen wirkungslos

Gemeinsam mit 40 anderen Meeresschutzorganisationen unterstützen wir einen vom WWF-Europa initiierten Appell an die damaligen EU-Kommissare Cecilia Malmström (Handel) und Karmenu Vella (Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei). Sie sollten keine neuen EU-Subventionen für die Fischerei für den Bau neuer Fangboote freigeben.

Angesichts des anhaltenden Versagens der EU, Überfischung oder Beifang in den Griff zu bekommen und die EU-Fischereiflotten auf eine nachhaltige Nutzung der Bestände zu verpflichten, wird das Vorhaben, neue Fangboote zu subventionieren, die kritische Situation zahlreicher Fischbestände nur weiter verschärfen.

In dem Appell wird betont, dass Subventionen für Fangboote in Gebieten in äußerster Randlage in der Vergangenheit wirkungslos verpufft sind. Zudem hat sich die Situation der Flotten nicht signifikant verbessert. So gewährte Frankreich 2008 für neue Fischkutter 40,5 Mio. Euro. Auch die Azoren erhielten großzügige EU-Subventionen für die Fischerei. Dorthin flossen zwischen 2007 und 2013 Mittel in Höhe von 17 Mio. Euro für neue Fischkutter.

EU-Parlament fordert neues Geld für neue Fangboote

Bereits im April 2017 hatte sich das Europäische Parlament mit der Frage befasst. Wir unterstützten eine Initiative des European Marine Programme von The Pew Charitable Trust. Gemeinsam mit vielen anderen Meeresschutzorganisationen forderten wir die Abgeordneten des EU-Parlaments auf, ein seit 2004 bestehendes Verbot für den Einsatz öffentlicher Gelder zum Neubau von Fischereifahrzeugen, aufrechtzuerhalten. Denn der subventionierte Bau neuer Fangboote untergräbt das Ziel der Gemeinsamen Fischereipolitik, die Überfischung zu beenden.

Es gelang, zahlreiche Abgeordnete auf unsere Seite zu ziehen. Dennoch konnte sich die Meeresschutz-Koalition am Ende leider nicht durchsetzen. Schlussendlich unterstützte eine Mehrheit des Parlaments mit 358 zu 240 Stimmen den Antrag für neue EU-Fischerei-Subventionen zum Kauf neuer Fangboote.


Empty promises: Wie die EU beim Schutz von Delfinen und Schweinswalen vor Beifang in der Fischerei versagt

Veröffentlichung in: Fish and Fisheries – Wiley Online Library

Zusammenfassung:
„Beifang ist weltweit die größte Bedrohung für Delfine und Schweinswale. Obwohl diese Arten unter dem besonderen Schutz der EU-Habitat-Richtlinie stehen, hat die EU es versäumt, den Beifang von Kleinwalen angemessen zu bewerten und erforderlichenfalls einzudämmen. Das Fischereimanagement ist diffus. Zudem verfolgt die EU keine übergreifenden, quantitativen Erhaltungsziele.

Um dieses Problem zu lösen, empfehlen wir, dass die EU einen umfassenden Plan zum Schutz von Delfinen und Schweinswalen in europäischen Gewässern verabschiedet. Dieser Plan sollte regelmäßige formale Bewertungen der Kleinwalpopulationen beinhalten. Einschließlich der Festlegung quantitativer Ziele im Fischereimanagement. Außerdem sollte die Höhe der Bestände erfasst und nachhaltige Beifangsterblichkeitsraten festgelegt werden. Es gilt, biologische Referenzpunkte als Richtschnur für Fischereimanagementmaßnahmen zu vereinbaren, um sicherzustellen, dass die Beifänge ein nachhaltiges Niveau nicht überschreiten.“

Foto oben: © U. Karlowski

Können Korallenriffe dem Klimawandel widerstehen?

Voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Im Rahmen meiner Masterarbeit im Studiengang „International Studies in Aquatic Tropical Ecology (ISATEC)“ habe ich in Thailand mit zwei Kommilitonen, Vanessa Conrad und Manding Suwareh, interessante Daten zu Korallenriffen in sich erwärmenden Ozeanen erarbeitet. In Phuket (Thailand) untersuchten wir die Anpassungsfähigkeit von Korallen aus unterschiedlichen Umgebungen an neue Bedingungen. Daraus ergaben sich wichtige Erkenntnisse zur Widerstandsfähigkeit von Korallen in Zeiten der globalen Klimakatastrophe.

-> -> -> weiterlesen

Mikroplastik im Meer und seine Klimafolgen

Neue Studie Mikroplastik im Meer und seinen Klimafolgen. Wie können die Auswirkungen bewältigt werden? Mikroplastik im Meer stammt aus zahlreichen Quellen und Wirtschaftsbereichen [1]. Neben weitreichenden negativen Folgen für die Umwelt trägt Mikroplastik im Meer zur Klimaerhitzung bei. Denn bei der Fragmentierung von Einwegkunststoffen und Verpackungen (Hitze, Wellenschlag, UV-Einstrahlung) gelangen Treibhausgase wie Methan und Ethylen in die Atmosphäre. In Auftrag gegeben wurde die Studie vom europäischen Meeresschutz-Dachverband „Seas At Risk“, dem wir angehören. Erstellt hat sie das Galway-Mayo Institute of Technology (GMIT). Zusätzlich zeigt die Studie wirksame Lösungen auf, wie die Freisetzung von Mikroplastik verhindert werden kann.

Mikroplastik im Meer, woher?

Primäres Mikroplastik Typ-A

Quellen von Mikroplastik im Meer.

Körperpflegeprodukte, die zugesetzte Kunststoffe wie Glitzer oder Mikrokügelchen in Peelings enthalten, bilden nur die Spitze des Eisbergs. Denn sie machen lediglich 2 % des in die Meeresumwelt freigesetzten Anteils aus. [2]

Primäres Mikroplastik Typ-B

Tatsächlich findet man in den Ozeanen meist unbeabsichtigt erzeugte Mikropartikel (Typ-B). Sie entstehen im Zuge alltäglicher Nutzung und stammen aus Quellen wie Reifenabrieb, synthetische Textilfaser, Stadtstaub und Schiffsanstriche.

Sekundäres Mikroplastik durch Fragmentierung

Viel sekundäres Mikroplastik im Meer entsteht durch Fragmentierung.

Der Abbau von Plastikmüll im Meer verläuft über Fragmentierungs- und Zerschlagungsprozesse. Dabei werden allerlei Chemikalien, Mikropartikel und Nanokunststoffe freigesetzt. Sie sind sowohl für das Leben im Meer als auch für das Gleichgewicht der Ökosysteme schädlich.

Allerdings versinken 70 bis 94 % aller Plastikabfälle. Am Meeresboden jedoch finden Zersetzungsprozesse extrem langsam statt. Es kann somit Jahrhunderte dauern, bis der Müll dort abgebaut ist.

Auswirkungen von Mikroplastik auf das Klima

Die GMIT-Studie zeigt, dass Mikroplastik auch Auswirkungen auf das Klima hat.

Emission von Treibhausgasen

Im Zuge der Fragmentierung durch Wellenschlag und UV-Einstrahlung bestimmter Kunststofftypen (hauptsächlich Einwegkunststoffe und Verpackungen) werden Treibhausgase freigesetzt. Meist handelt es sich um Methan und Ethylen. Dabei wiegt der Effekt von Methan besonders schwer. Denn es hat einen 34-mal stärkeren Treibhausgaseffekt als Kohlendioxid [3].

Bei einem erwarteten Anstieg der Kunststoffproduktion von 33–36 % [4] bis 2025 werden die Methanemissionen somit voraussichtlich auf 101–103 Millionen Tonnen ansteigen. Es sei denn, die Produktion der kritischen Plastikverpackungen kann zurückgefahren werden. [5]

Reduzierte Kohlenstoffbindung

Mit Mikroplastik kontaminiertes Plankton kann weniger Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden. Infolgedessen verringert sich die Funktion der Ozeane als globale Kohlenstoffsenke.

Umweltauswirkungen von Mikroplastik im Meer

Die wichtigsten Umweltfolgen von Mikroplastik im Meer sind der Verlust biologischer Vielfalt, negative Auswirkungen auf marine Nahrungsnetze und eine Gefährdung des Gleichgewichts der Ökosysteme. In ihrer Studie identifizierten GMIT-Forscher insbesondere:

Aufnahme durch Meeresorganismen

Umweltauswirkungen von Mikroplastik im Meer.

Wenn Mikroplastik von Fischen und anderen Meerestieren aufgenommen wird, kann dies zu verminderter Nahrungsaufnahme, Fruchtbarkeits- und Verhaltensproblemen, im Extremfall zum Tod führen. Mittlerweile findet man bei etwa 50 % aller Fische im Mittelmeer [6] und 80 % aller Fischlarven in Flussmündungen in der EU Plastikpartikel im Körper.

Bioakkumulation gefährlicher Substanzen durch Meeresfauna und -flora

Umweltgifte, die im Mikroplastik enthalten sind oder von diesem absorbiert werden, können schwerwiegende Folgen für die Meeresflora und -fauna haben. In den USA beispielsweise führte Straßenstaub, einschließlich Reifenabrieb, zu einem Massensterben von Fischen in nahe gelegenen Flüssen.

Verbreitung invasiver Arten und Krankheitserreger

Die hartnäckig haltbaren Kleinstpartikel dienen zudem bioinvasiven Arten wie Bakterien und Viren als Transportmittel. Diese können dabei über große Entfernungen „reisen“.

Mikroplastik im Meer, was tun?

Abhängig von ihren Eigenschaften setzen bestimmte Kunststofftypen im Vergleich zu anderen eine viel höhere Menge an Mikroplastik, giftigen Chemikalien oder Treibhausgasemissionen frei. Daher zielen die in der Studie vorgeschlagenen Lösungen darauf ab, die Freisetzung an der Quelle zu minimieren.

Lösungsansätze

  • Produktionsverbote für Kunststoffe, die nachweislich viel Mikroplastik freisetzen, wie synthetische Schaumpolymere (z. B. Polystyrolverpackungen und -schachteln). Aber auch in der Landwirtschaft und im Gartenbau gebräuchlicher Kunststoffmulch.
  • Bereits in der Entwurfsphase kann mit verbindlichen Ökodesign-Anforderungen für Textilien dafür gesorgt werden, dass problematische Stoffe und Zusatzstoffe gar nicht erst enthalten sind.
  • Festlegung eines Grenzwerts für die Freisetzung von Mikroplastik durch Reifenabrieb.
  • Reduzierung der Freisetzung von Kunststoffteilen in Produktions- und Recyclinganlagen für Plastik.
  • Verringerung potenziell toxischer Additive. Erstellung einer Open-Access-Datenbank mit kritischen Kunststoffadditiven.
  • Festlegung von Best-Practice-Verfahren und regelmäßige Schulungen des Personals. Zum Beispiel, um den Verlust von Seecontainern und Fischereigerät auf See zu verhindern. Auch hierdurch entstehen große Mengen an sekundärem Mikroplastik. Zusätzlich hat verloren gegangenes Fischereigerät wie Netze, Befestigungsseile oder Schnüre einen stark negativen Effekt auf die Biodiversität und sensible Ökosysteme der Ozeane.
  • Verbot aller nicht wesentlichen Einwegkunststoffprodukte, um die Mikroplastikverschmutzung langfristig zu verringern.
  • Erweiterte Herstellerverantwortung, um Anreize zu geben, nachhaltigere Produkte und Herstellungsverfahren zu entwickeln.

Plastikstrategie der EU

Im Jahr 2016 hat die Europäische Kommission eine Plastikstrategie auf den Weg gebracht, um das Problem der Plastikverschmutzung anzugehen.

Zero pollution action plan

Derzeit wird die Single-Use-Plastic-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt. Darüber hinaus untersucht die EU-Kommission das Problem der Mikroplastik-Schadstoffe im Rahmen der neuen Zero-Pollution-Initiative des European Green Deal. Dazu veröffentlichte die Kommission kürzlich den „zero pollution action plan“. Er umfasst die Strategie für die kommenden Jahre. Erste Maßnahmen sind Beschränkungen von primärem Mikroplastik Typ-A (absichtlich hinzugefügte Kunststoffe), basierend auf einem Vorschlag der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA).

Zusätzlich analysiert die EU-Kommission derzeit die unbeabsichtigte Freisetzung von Partikeln, Mikrofasern und Reifenverschleiß in die Umwelt. Ziel ist es, hieraus mögliche EU-Maßnahmen zur Verringerung der Problematik auf den Weg zu bringen.

Verschmutzung durch Mikroplastik im Meer darf nicht weiter eskalieren

„Angesichts des erwarteten exponentiellen Anstiegs der weltweiten Kunststoffproduktion und der anschließenden Freisetzung von Mikroplastik in die Umwelt [8] ist es wichtig, zu verhindern, dass diese Verschmutzung eskaliert. Nur so lassen sich dramatische Folgen für die biologische Vielfalt der Meere, die globalen Ökosysteme und das Klima vermeiden“, sagt Frédérique Mongodin, Senior Marine Litter Policy Officer bei „Seas At Risk“. „Bereits die Wahl des Kunststoffs und der Zusatzstoffe kann die Mikroplastikverschmutzung drastisch reduzieren. Doch nur mit der Verabschiedung verbindlicher, gezielter vorgelagerter Maßnahmen auf EU-Ebene sind die erforderlichen sektorübergreifenden Anpassungen möglich“.

Download:
Microplastics in the marine environment: Sources, Impacts and Recommendations

In Geisternetz ertrunkener Delfin.

Quellen

[1] Microplastics in the marine environment: Sources, Impacts and Recommendations. Galway-Mayo Institute of Technology (GMIT)

[2] Global plastic production has been increasing exponentially since the 1950s, with over 200 million tonnes produced in 2000, 368 million tonnes in 2019, and a forecasted production equal to over 500 million tonnes by 2025 and 650 million by 2030 (Heinrich Böll Stiftung, Plastic Atlas 2019).

[3] Boucher et Friot 2017, Boucher, J. and Friot D. (2017). Primary Microplastics in the Oceans: A Global Evaluation of Sources. Gland, Switzerland: IUCN. 43pp.https://www.iucn.org/content/primary-microplastics-oceans

[4] Saunois, M., Stavert, A.R., Poulter, B., Bousquet, P., Canadell, J.G., Jackson, R.B., Raymond, P.A., Dlugokencky, E.J., Houweling, S., et al., (2020). ‘The Global Methane Budget 2000–2017’. Earth System Science Data, 12, 1561–1623. Available at: https://doi.org/10.5194/essd-12-1561-2020

[5] Global plastic production has been increasing exponentially since the 1950s, with over 200 million tonnes produced in 2000, 368 million tonnes in 2019, and a forecasted production equal to over 500 million tonnes by 2025 and 650 million by 2030 (Heinrich Böll Stiftung, Plastic Atlas 2019).

[6] Center for International Environmental Law (CIEL) (2019). Plastic & Climate: The Hidden Costs of a Plastic Planet. Available at: https://www.ciel.org/plasticandclimate/

[7] [9] Rodrigues, S., Almeida, C., Silva, D., Cunha, J., Antunes, C., Freitas, V., Ramos S., (2018). ‘Microplastic contamination in an urban estuary: Abundance and distribution of microplastics and fish larvae in the Douro Estuary’. Science of the Total Environment, 659, 1071-1081. Available at: https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2018.12.273

[8] Pennino, M. G., Bachiller, E., Lloret-Lloret, E., et al., (2020). ‘Ingestion of microplastics and occurrence of parasite association in Mediterranean anchovy and sardine’. Marine Pollution Bulletin, 158, 111399. Available at: https://doi.org/10.1016/j.marpolbul.2020.111399

EU soll Abbau von Tiefsee-Rohstoffen verbieten

Die EU soll in ihren Gewässern den Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee verbieten und sich weltweit für ein Moratorium einsetzen. Dies fordert der europäische Meeresschutz-Dachverband „Seas At Risk“, dem auch wir angehören, mit seinem neuen, umfassenden Report „At a crossroads: Europe’s role in deep sea mining“. Auf 88 Seiten analysieren die Autoren die Rolle der EU, ihrer Mitgliedstaaten, des Vereinigten Königreichs und Norwegens bei der Ausbeutung von Meeresbodenschätzen. Außerdem soll sich die EU verbindliche Ziele zur Reduzierung des „Material Footprints“ (Ökologischer Rucksack*) setzen. Denn nur so ließe sich auch der Primärverbrauch von im Zuge der Umstellung auf E-Mobilität stark nachgefragten Rohstoffen (Lithium, Nickel oder Kobalt) drastisch reduzieren.

Was macht Deutschland?

Derzeit hält Deutschland zwei Explorationsverträge. Einen im Pazifik und einen im Indischen Ozean. Außerdem war Tiefseeabbau auch Bestandteil des Koalitionsvertrags von 2018. Damit wollte man Versorgungssicherheit für die Industrie mit seltenen Rohstoffen gewährleisten.

Immerhin drängt Deutschland bei der für die Vergabe von Abbaulizenzen zuständigen Internationalen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority/ISA) [1] auf die Einhaltung strenger Umweltvorschriften und verbindlicher regionaler Umweltmanagementpläne. Demgegenüber hat sich ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen in Deutschland und im Pazifik formiert. Sie fordern ein Verbot des Abbaus von Tiefsee-Bodenschätzen.

Begehrter Rohstoff aus der Tiefsee: Manganknolle

Manganknolle vom Meeresgrund – Foto: Velizar Gordeev

Rohstoffe in der Tiefsee: Europa am Scheideweg

Mit ihrem Report wollen die Umweltschützer den Druck auf die EU und die europäischen Länder verstärken. Ziel ist es, das Rennen um die Ausbeutung von Rohstoffen in der Tiefsee zu verlangsamen.

Denn ungeachtet deutlicher Warnungen von Wissenschaftlern ließ die ISA ein Gebiet von der Größe Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens zusammen für die Exploration im Pazifik, im Indischen Ozean und im Atlantischen Ozean zu. Noch verhallen Warnungen vor dem damit verbundenen irreversiblen Verlust von Artenvielfalt in einem der fragilsten Ökosysteme der Welt.

Viele EU-Länder wollen Rohstoffe in der Tiefsee abbauen

Mehrere europäische Länder sind maßgeblich am Rennen um die Ausbeutung von Meeres-Mineralienlagerstätten beteiligt. Das belgische Unternehmen Global Sea Mineral Resources führt sogar bereits erste Tests im pazifischen Raum durch. Daher ist die Liste der europäischen Länder, die Explorationsaufträge in internationalen Gewässern sponsern oder halten, lang. Beteiligt sind Belgien, Bulgarien, die Tschechische Republik, die Slowakei, Polen, Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich. Andere wiederum, wie Spanien, Portugal oder Norwegen, haben Interesse bekundet.

„Die EU steht jetzt am Scheideweg“, sagt Ann Dom, Senior Policy Advisor bei Seas At Risk. „Als Hauptakteur in diesem Wettlauf kann sie sich dafür entscheiden, den Schutz des Lebens in der Tiefsee zu stärken, anstatt es zu zerstören. Sie sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu gehört, ein Verbot des Abbaus von Tiefsee-Rohstoffen in ihren Hoheitsgewässern. Außerdem muss sie auf ein globales Moratorium in internationalen Gewässern drängen.“

Keine Mittel für Schutz und Forschung

Der Bericht deckt auch auf, dass seitens der EU bereits Millionen Euro ausgegeben wurden, um neue Bergbautechnologien zu entwickeln und ihre Auswirkungen zu untersuchen. Dagegen sind weit weniger Ressourcen für die Erforschung von Ökosystemen ab 200 m Tiefe vorhanden. Und dass, obwohl diese zu den am wenigsten bekannten Regionen des Planeten gehören.

Schließlich zeigt der Bericht in zehn Schritten auf, wie Europa den Tiefseeschutz voranbringen könnte. Zusätzlich schlägt er verbindliche Ziele für die Verringerung des materiellen Fußabdrucks der EU vor. Letzteres hatte das Europäische Parlament gefordert.

Erste Schritte in Richtung eines Moratoriums?

Nach mehr als einem Jahrzehnt stiller Teilnahme an den Verhandlungen der ISA scheint bei der EU ein Umdenken einzusetzen. Denn auf Ersuchen von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll die „Blue Growth Strategy“ (Strategie für blaues Wachstum) – die den Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee als einen der wichtigsten EU-Wirtschaftssektoren fördert – noch in diesem Jahr in die „Sustainable Blue Economy Strategy“ (Strategie für nachhaltige Meereswirtschaft) umgestaltet werden.

Download:  At a crossroads: Europe’s role in deep sea mining


ANMERKUNGEN:

[1] Die International Seabed Authority ist die vom UNCLOS (Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen) beauftragte Behörde, die für die Regulierung aller mineralbezogenen Aktivitäten auf hoher See zuständig ist.


* Was ist der ökologische Rucksack?
Der ökologische Rucksack drückt das Gewicht aller natürlichen Rohstoffe aus, die für unseren Konsum anfallen. Sprich: Alle Produkte inklusive ihrer Herstellung, Nutzung und Entsorgung. Für das Autofahren zählt man zum Beispiel nicht nur das Auto selbst und das Benzin, sondern anteilig auch die Eisenerzmine, die Stahlhütte und das Straßennetz.

Alle Rohstoffe zusammengezählt ergeben eine Maßzahl für die Belastung der Umwelt. Denn die Förderung von Rohstoffen ist nicht nur ein Eingriff in das natürliche Gleichgewicht der Erde, sondern wird irgendwann als Abfall an die Natur zurückgegeben. Je weniger natürliche Rohstoffe wir verbrauchen, desto geringer sind auch unsere Umweltauswirkungen.
Quelle: Wuppertal Institut

Mein ökologischer Rucksack | Der Ressourcenrechner des Wuppertal Instituts (ressourcen-rechner.de)


Weiterführende Informationen