Rettungsplan für die Weltmeere

Internationale Expertengruppe fordert Hochseeabkommen mit großflächigen Schutzgebieten

Experten des Teams Ocean Governance vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) aus Potsdam sehen die Ozeane in akuter Gefahr. Sie haben daher einen Rettungsplan für die Weltmeere aufgestellt. Zentrale Forderung darin ist ein Hochseeabkommen mit großflächigen Schutzgebieten. „Es besteht schneller Handlungsbedarf. Denn es mehren sich die Anzeichen von Veränderungen der Ozeane, die rascher auftreten als dies selbst jüngere Modelle prognostiziert haben“, sagt Mitautor Torsten Thiele vom IASS. Thiele zählt zu den Experten des Internationalen Programms zum Zustand der Ozeane (IPSO). Das multidisziplinäre IPSO-Team, bestehend aus Meeresforschern und Experten aus den Bereichen Recht, Politik und Finanzen, überprüfte die Ergebnisse von 131 wissenschaftliche Arbeiten. Dadurch konnten sie sowohl zu erwartende Veränderungen als auch Folgen von Untätigkeit bewerten.

Besonders gefährliche Veränderungen

  • Die Ozeane erwärmen sich um durchschnittlich um 40 Prozent schneller als Schätzungen eines Gremiums der Vereinten Nationen annahmen.
  • Weltweit verstärkte Wellenbildung durch Erwärmung der oberen Ozeanschichten.
  • Sinkender Sauerstoffgehalt in den Meeren führt dazu, dass in Kombination mit chemischen Schadstoffen weite Gebiete für Lebewesen unbewohnbar werden.
  • Das arktische und antarktische Eis schmilzt schneller als von Wissenschaftlern prognostiziert. Der daraus folgende Anstieg des Meeresspiegels wird katastrophale Folgen für Städte weltweit nach sich ziehen.

Vorbereitungen für einen globalen Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad Celsius

„Oberste Priorität hat daher die konsequente Bekämpfung der globalen Erderwärmung und die Begrenzung des Anstiegs der Oberflächentemperatur auf 1,5 Grad Celsius bis 2100“, warnt Torsten Thiele – „und es sollten jedoch zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, um auf einen Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad Celsius vorbereitet zu sein.“

Weltmeere unter einer Art Dauerbeschuss durch menschliche Aktivitäten

Die IPSO-Publikation in „Aquatic Conservation“ nennt Schwerpunktmaßnahmen. Diese müssen zeitgleich umgesetzt werden.

Denn nur so können Worst-Case-Szenarien und möglicherweise irreversible Veränderungen abgewendet werden. Dazu gehört insbesondere auch ein angemessener Finanzierungsmechanismus zum Schutz der Ozeane. Nur dann hat der Rettungsplan für die Weltmeere eine Chance.

FAD-Fischerei um natürliche schwimmende Objekte wird schon lange durchgeführt. Erst in den 1980er-Jahren begann der Einsatz künstlicher Objekte (FADs). FAD-Fischerei verursacht sehr hohe Beifangraten. Foto: ISSF/David Itano

Toter Ammenhai mit Netzresten im Maul.

Toter Ammenhai mit Netzresten im Maul. Foto: Aaron O’Dea/Marine Photobank.

Weitere dringliche Sofortmaßnahmen des Rettungsplans für die Weltmeere

  • Abschluss eines belastbaren und umfassenden Schutzabkommens für die Hohe See. Zudem reformierte Stimmrechte für Organisationen wie die Internationale Meeresbodenbehörde. Dadurch wird verhindert, dass das Vorsorgeprinzip von Einzelinteressen untergraben wird.
  • Durchsetzung bestehender Standards für wirksame Meeresschutzgebiete (MPAs). Dies gilt insbesondere für vollständig geschützte Meeresschutzzonen sowie deren Ausweitung auf mindestens 30 Prozent der Ozeanfläche. Gleichzeitige Gewährleistung einer effektiven Bewirtschaftung für die restliche Ozeanfläche.
  • Beendung der Überfischung und zerstörerischer Praktiken, einschließlich illegaler, nicht gemeldeter und nicht regulierter Fischerei.
  • Drastische Reduzierung der Verschmutzung der Meeresgewässer, einschließlich Stickstoffdünger, Abwasser und Plastik.
  • Vor Beginn jeglichen Tiefseebergbaus eine Umwelt-Verträglichkeitsprüfung, um nachhaltiges Management zu ermöglichen.
  • Steigerung der Meeresforschung. Forschungsfokus sollte ein besseres Verständnis der Wärmeaufnahme und -abgabe der Meere an die Atmosphäre sein. Die von der UNO ausgerufene Internationale Dekade der Meeresforschung für Nachhaltige Entwicklung ab 2021 wäre die Gelegenheit, um dies zu forcieren.

Publikation

Laffoley, D. et al.: Eight urgent fundamental and simultaneous steps needed to restore ocean health, and the consequences for humanity and the planet of inaction or delay, Ipso 07/2019.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner

Torsten Thiele
Senior Wissenschaftlicher Mitarbeiter
IASS-Team Ocean Governance
Telefon: +49 331 28822 360
E-Mail: torsten.thiele@iass-potsdam.de

 

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