Schiffe sollten langsamer fahren

Langsame Schiffe bringen viel für den Klimaschutz und die Meeresumwelt. Denn sie erzeugen weniger CO2 und andere Schadstoffe, wie Ruß, Schwefeloxide oder Stickoxide. Zudem könnten Wale langsamen Schiffen besser ausweichen. Außerdem wird sehr viel weniger Unterwasserlärm erzeugt. Das zeigen zwei Studien, die das belgische Umweltministerium Ende März 2021 vorstellte.

Langsame Schiffe entlasten Klima und Umwelt

Für die Studien analysierte die niederländische TNO Research Group verschiedene Szenarien mit realen Schifffahrtsdaten aus der Nordsee.

Das Ergebnis:
Bereits eine geringfügige Senkung der Geschwindigkeit um 25 % für alle Schiffstypen bringt viel Entlastung. So würde der Ausstoß von CO2, Schwefeloxiden (SOx), Stickoxiden (NOx) und Ruß um ein Zehntel sinken. Hinzu kommt, dass es unter Wasser sehr viel leiser wäre. Langsam fahrende Schiffe hätten zudem niedrigere Transportkosten zur Folge.

Langsame Schiffe entlasten Klima und Meeresumwelt: Voll beladener Containerfrachter.

Zu viel Lärm im Mittelmeer

Die Ergebnisse zeigen, dass langsame Schiffe viele Vorteile haben. Besonders in stark genutzten Gebieten wie z. B. dem Mittelmeer. Denn im Verhältnis zu seiner kleinen Fläche ist es eines der meistbefahrenen Gewässer der Welt. Rund zehn Prozent des weltweiten Containeraufkommens (zwanzig Prozent des weltweiten Handels) wird durchs Mittelmeer transportiert. Deshalb ist es hier auch sehr laut. Dies zeigte eine zehnjährige Analyse von Wissenschaftlern aus Frankreich, Italien, der Schweiz und den USA vom Januar 2016.

Ihr Bericht (Lärm-Hotspots im Mittelmeer) beschreibt die zeitlich-räumliche Entwicklung vom Unterwasserlärm. Es war die erste flächendeckende Erhebung zur Dichte lärmintensiver Aktivitäten nebst der Kartierung der Lärmquellen.

Lärm-Hotspots des Mittelmeers unter Berücksichtigung für Wale und Delfine ausgewiesener oder empfohlener Schutzzonen. Quelle: ACCOBAMS.

Lärm-Hotspots des Mittelmeers unter Berücksichtigung für Wale und Delfine ausgewiesener oder empfohlener Schutzzonen – Quelle: ACCOBAMS

Hierfür analysierten die Forscher unzählige Daten von von 1446 Häfen, 228 Ölplattformen, 830 seismischen Explorationsgebieten, 7 Millionen Schiffspositionen, 52 Windfarmprojekten sowie offiziell zugänglichen Angaben zu militärischen Aktivitäten.

Demnach ist es selbst in bereits ausgewiesenen Schutzzonen sowie in Kernzonen, die z. B. besonders wichtig für Meeressäuger sind, viel zu laut. So etwa im Meeressäugerschutzgebiet Pelagos im Ligurischen Meer, in der Straße von Sizilien, in Teilen des Hellenischen Grabens, aber auch in den Gewässern zwischen den Balearen und dem spanischen Festland.

Spanien reagiert

Daraufhin stellte Spanien im Dezember 2017 die Gewässer zwischen den Balearen und dem spanischen Festland als wichtigen Migrationskorridor für Wale und Delfine als SPAMI (Schutzgebiet von mediterraner Bedeutung/Specially Protected Area of Mediterranean Importance) unter Schutz. Dies hat auch ein striktes Management lärmintensiver Aktivitäten zur Folge.

Hintergrundinformationen

Treibhausgasemissionen

Seit 1992 hat die Seeschifffahrt weltweit um über 300 % zugenommen. Damit stieg auch der Anteil der Schifffahrt an den weltweiten Treibhausgasemissionen. Und zwar von 2,76 % im Jahr 2012 auf 2,89 % im Jahr 2018. Dies zeigte die 4. Treibhausgasstudie der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO).

In absoluten Zahlen stiegen die Emissionen der gesamten Schifffahrt (international, national und Fischerei) von 2012 bis 2018 vom 977 auf 1076 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente (CO2 plus Methan und Lachgas in CO2 umgerechnet). Das entspricht einem Anstieg um 9,6 %. Den größten Anteil der Treibhausgasemissionen der Schifffahrt hat dabei CO2. Hier stiegen die Emissionen von 962 auf 1056 Mio. Tonnen, nahmen damit um 9,3 % zu. Aufgrund der meist schlechten Qualität von billigem Schiffstreibstoff wie Schweröl oder Rückstandsöl kommen zusätzliche Belastungen durch große Mengen an Schadgasen wie Schwefeloxiden und Stickoxiden hinzu.

Langsame Schiffe bringen viel für die Meeresumwelt: Containerschiff im Santa Barbara Kanal.

Unterwasserlärm

Unterwasserlärm ist ein immer stärker werdendes, allgegenwärtiges Problem für alle Meerestiere. Besonders für die stark von akustischen Signalen abhängigen Meeressäuger. Denn Wale und Delfine setzen zur Nahrungssuche, Nah- und Fernkommunikation und für ihre Orientierung im Lebensraum akustische Signale ein. Diese können vom Schiffslärm und anderen von Menschen verursachten Lärmquellen überlagert und unkenntlich gemacht werden.

Zerstörer USS Wayne

Die Verwendung militärischer Sonare führt regelmäßig zu Massenstrandungen von Walen

Zudem führt Lärm zu erhöhtem Stress, der das Immunsystem der Tiere schädigt. Lärm senkt außerdem ihren Fortpflanzungserfolg und vertreibt sie aus ihren Lebensräumen.

Im Extremfall können plötzliche schallintensive Ereignisse auch zum Tod von Meeressäugern führen. Hiervon sind die besonders tief tauchenden Schnabelwale betroffen.

Kontinuierliche Lärmexposition führt zu Taubheit und kann Ursache für Schiffskollisionen und Strandungen sein. Da die Schifffahrt für den Großteil des gestiegenen Dauerlärmpegels im Meer verantwortlich ist, hat sie mit langsamer fahrenden Schiffen auch den Schlüssel zur Senkung dieser Umweltbelastung in der Hand.

Weniger Schiffskollisionen durch langsame Schiffe

Immer mehr und immer schneller fahrende Schiffe sind eine stetig größer werdende Gefahr für langsam an der Wasseroberfläche schwimmende oder ruhende Wale und andere Meerestiere. Besonders große Wale, wie Blau-, Finn-, Buckel-, Pottwal oder Nordatlantische Glattwale ist das Risiko hoch, von einem Schiff überfahren zu werden.

Langsame Schiffe bedeutet weniger toter Wale.

Dieses männliche Nordkaperkalb wurde knapp ein halbes Jahr alt. Denn Anfang Juli 2020 starb es vor New Jersey durch eine Schiffskollision – (c) Clearwater Marine Aquarium Research (CMAR)

Bei den Nordatlantischen Glattwalen bedrohen Schiffskollisionen bereits das Überleben der Art.

Auch die Pottwale bei den Kanarischen Inseln werden oft Opfer von Schnellfähren. Schätzungen gehen von mindestens 20 getöteten Walen jährlich aus.

Vor Sri Lanka kommt es jedes Jahr zu zahlreichen Zusammenstößen zwischen Zwergblauwalen und Containerschiffen. Viele davon enden tödlich.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass ab einer Geschwindigkeit von 30 km/h die Zahl der Zusammenstöße deutlich ansteigt.

Schiffe müssen langsam fahren, um Schiffskollisionen für Nordkaper zu vermeiden.

Quelle: NOAA Fisheries

Deshalb gibt es in einigen sensiblen Gebieten bereits Zonen, in den Schiffe langsam fahren müssen. So vor der Ostküste der USA entlang der Wanderrouten der Glattwale. Hier gibt es sogar temporäre Fahrverbote. Trotzdem können Kollisionen nicht gänzlich vermieden werden.

Während man diese Zonen flexibel auf durchziehende Wale jeweils neu anpasst, gilt in der Straße von Gibraltar seit 2007 zum Schutz der hier durchziehenden Pottwale ein Tempolimit von 13 Knoten (24 Stundenkilometer).

Foto oben: Ulrike Mai/pixabay