Shell: Auf Erdölsuche vor Südafrika

Als hätte es die UN-Klimakonferenz COP26 im November nicht gegeben, setzt Shell weiterhin auf die Erschließung neuer fossiler Energiequellen. So will der Ölgigant in wenigen Tagen auf Erdölsuche vor Südafrika im Indischen Ozean gehen. Dabei setzt man infernalisch laute 3-D-Echolote ein. Diese Schallkanonen (Airguns) erzeugen für Meerestiere aller Art schädigende, mitunter tödliche Schalldrücke. Und das 5 Monate lang, 24 Stunden täglich. Wir unterstützen südafrikanische Meeresschützer bei ihrem Kampf gegen die rücksichtslose Zerstörung von Meeresökosystemen.

Erster Schritt bei der Erdölsuche im Meer: Dauerbeschallung von Meerestieren

Am 1. Dezember 2021 sollen die seismischen Untersuchungen vor der Wild Coast im Indischen Ozean beginnen. Dabei feuern Airguns (Schallkanonen) von Schiffen aus rund um die Uhr ungefähr alle fünf bis zehn Sekunden einen lauten, explosionsartigen Druckimpuls ab. Aus dem vom Meeresboden reflektierten Schall lässt sich ablesen, wo sich Erdgas- oder Erdöllagerstätten befinden.

Erster Schritt der Erdölsuche: seismische Tests

Keine seismischen Test zur Erdölsuche vor der Ostküste Südafrikas! Grafik: Gnasher

Die Lautstärke von teils über 260 dB kann bei Walen und Delfinen schwere Gehörschäden bis zur Taubheit hervorrufen. In unmittelbarer Nähe wirkt der Schall tödlich – auch für andere Meerestiere wie Robben, Haie, Pinguine und selbst Kleinlebewesen wie Schalentiere.

Die Dauerbeschallung ist für fünf Monate auf einem mehr als 6.000 Quadratkilometer großen Meeresgebiet angesetzt, dessen nächst gelegene Entfernung zur Küste ca. 20 km beträgt.

In der Nähe des Explorationsgebietes befinden sich außerdem vier Meeresschutzgebiete mit einer großen Anzahl endemischer, also ausschließlich dort vorkommender Arten. Zwar finden die Tests nicht zur Hauptwanderzeit von Buckelwalen und Südlichen Glattwalen statt.

Doch andere Meeressäugerarten, die sich hier aufhalten oder durchwandern, sind durchaus in Gefahr. Etwa tieftauchende Schnabelwale, oder Pottwale. Ferner vom Aussterben bedrohte Bogenstirn-Hammerhaie und die kleine südafrikanische Population Bleifarbener Delfine, die gleichfalls stark bedroht ist.

A Song for Shell Oil (John Lennon – Imagine Reimagined) von THE KIFFNESS

👉 Bitte unterzeichnen Sie die Petition gegen die geplanten seismischen Untersuchungem und informieren Sie Freunde und Bekannte.

Weitreichende Störungen

Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigte bereits 2014, dass die impulshaften Schallemissionen von Airguns noch in 2.000 Kilometern Entfernung Meeressäuger stören. Der Störeffekt kann dabei sowohl die Physis als auch die Psyche der Tiere verschlechtern. Dazu sagte die frühere Präsidentin des UBA, Maria Krautzberger: „Für Meeressäuger sind Airguns eine erhebliche Störung. Ihre Schallimpulse können die Verständigung extrem einschränken. Im schlimmsten Fall sogar über ein gesamtes Ozeanbecken hinweg.“

In Entfernungen ab 1.000 km wandeln sich die ursprünglich sehr kurzen Schallimpulse zu einem kontinuierlichen Rauschen. Das kann die Verständigung von Delfinen und Walen extrem einschränken; auf nur noch etwa ein Prozent des natürlichen Verständigungsraumes. Es ist, als ob wir uns plötzlich, ohne künstliche Beleuchtung, in ständigem Dämmerlicht zurechtfinden müssten.

Die durch seismische Tests ins Meerwasser eingebrachte Schallenergie steht nach Nukleartests und sonstigen Explosionen an dritter Stelle entsprechender schädlicher menschlicher Aktivitäten für die Meeresumwelt!

Auf der Sounddatei hört man einen explosionsartigen Druckimpuls und das Echolot. Quelle: NOAA Pacific Marine Environmental Laboratory VENTS Program

Offshore-Ölförderung: jedes Jahr Tausende Störfälle

Bohrtürme vor schottischer Küste

Die Offshore-Förderung zerstört marine Ökosysteme. Foto: Ulrich Karlowski/DSM

„Es ist absurd. Zu einem Zeitpunkt, an dem der UN-Generalsekretär António Guterres auf der jetzigen Klimakonferenz wegen unserer Abhängigkeit von fossilen Energieträgern davor warnte, dass wir unser eigenes Grab schaufelten, geht Shell auf die Suche von neuen Erdöl- und Gasfeldern. Ein fatales Zeichen“, erklärt Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Es sind nicht nur Katastrophen wie die massive Ölpest im Golf von Mexiko, bei der Tausende von Tieren qualvoll starben, ganze Landstriche verseucht und Lebensgrundlagen von Kleinfischern zerstört wurden.

Die Öl- und Gasförderung im Meer ist hochriskant, denn allein bei der täglichen Routine gelangen Öl und giftige Chemikalien mit den Bohrschlämmen und dem Produktionswasser ins Meer. Zudem kommt es jedes Jahr allein in US-Gewässern zu Tausenden von Ölunfällen unterschiedlichen Ausmaßes.

Offshore-Ölförderung verursacht Tierleid

Ölverschmierte Meeresschildkröte

Ölverschmierte junge Atlantische Bastardschildkröte nach der Ölkatastrophe der Deepwater Horizon 2010. Foto: NOAA

Schreckliche Bilder von ölverschmierten Seevögeln, Meeresschildkröten und anderen Tieren zeugen vom unendlichen Leid, das eine Ölpest verursacht.

Ölverschmutzungen können schlimme Haut- und Augenverletzungen auslösen und zu Vergiftungserscheinungen durch mit der Nahrung aufgenommenes Öl führen.

So wiesen einer Studie zufolge etliche von 29 untersuchten Großen Tümmlern im Golf von Mexiko nach der Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Jahr 2010 zerstörte Nebennierenrinden auf. Zudem gab es auffällig viele Lungenerkrankungen im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Ölkontakt. Die Folgeerkrankungen waren so schlimm, dass man nur der Hälfte von ihnen eine Überlebenschance gab.

Shell: grüner Anstrich versus Zerstörung mariner Ökosysteme

Widerstand gegen die Erdölsuche von Shell vor Südafrika

Keine Förderung von Öl und Gas vor der Ostküste Südafrikas! Grafik: Gnasher

„Shell gibt sich neuerdings grün. So will man bis 2050 klimaneutral sein. Außerdem verleiht man sich einen grünen Anstrich mit dem Geld der Tankstellenkunden. Mit einem von Kunden gespendeten Extragroschen beim Tanken lässt Shell Bäumchen zum CO2-Ausgleich pflanzen. Das soll das Gewissen umweltbewusster Menschen beruhigen. Hinter den Kulissen jedoch setzt man, ohne Rücksicht auf die Umwelt, weiter auf das schwarze Gold“, erklärt Karlowski.

To hell with Shell – Petition

Shell muss gestoppt werden! In Südafrika organisiert die Koalition Oceans Not Oil den Widerstand gegen die Pläne des Ölriesen.

Die Petition richtet sich an die südafrikanische Umweltministerin sowie an Shell und Phakisa, ein Regierungsprojekt zur Wirtschaftsentwicklung.

👉 Bitte unterzeichnen Sie die Petition gegen die geplanten seismischen Untersuchungem und informieren Sie Freunde und Bekannte.

 


#ToHellWithShell #SaveTheWildCoast

Titelfoto: Brennende Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko, Foto: U.S. Coast Guard, Grafik To hell with SHELL:#Gnasher