Zu viel Lärm im Mittelmeer

Mit der Stille des Meeres ist es vorbei

In vielen Meereslebensräumen herrscht infernalisch viel Lärm. Die Ursachen sind menschengemacht: Seismische Untersuchungen für die Suche nach Erdöl- und Erdgaslagerstätten. Stark gestiegener Schiffsverkehr. Sowie Marinemanöver, bei denen Hoch- und Mittelfrequenzsonare zur U-Boot-Suche eingesetzt werden. Im Januar 2016 stellten Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, der Schweiz und den USA die Ergebnisse einer zehnjährigen Analyse vor. Ihr Bericht, Übersicht der Lärm-Hotspots im Mittelmeer, beschreibt die zeitlich-räumliche Entwicklung vom Unterwasserlärm. Es ist die erste flächendeckende Erhebung zur Dichte lärmintensiver Aktivitäten nebst der Kartierung der Lärmquellen. Dabei analysierten die Forscher unzählige Daten. Diese stammten von 1446 Häfen, 228 Ölplattformen, 830 seismischen Explorationsgebieten, 7 Millionen Schiffspositionen, 52 Windfarmprojekten sowie offiziell zugänglichen Angaben zu militärischen Aktivitäten.

Die durch seismische Tests ins Meerwasser eingebrachte Schallenergie steht nach Nukleartests und sonstigen Explosionen an dritter Stelle entsprechender schädlicher menschlicher Aktivitäten

Besorgniserregend ist dabei die Zunahme seismischer Aktivitäten mit sogenannten Airguns (Schallkanonen oder Luftpulser) zur Suche nach Öl- und Gasvorkommen. Waren 2005 nur etwa 3,8 % der Oberfläche des Mittelmeeres diesen extrem schallintensiven Explorationen ausgesetzt, stieg die die derart beschallte Fläche bis 2013 auf 27 %. Selbst in bereits ausgewiesenen Schutzzonen sowie in Kernzonen, die besonders wichtig für Meeressäuger sind, ist es viel zu laut. Im Meeressäugerschutzgebiet Pelagos im Ligurischen Meer, in der Straße von Sizilien, in Teilen des Hellenischen Grabens, aber auch in den Gewässern zwischen den Balearen und dem spanischen Festland. Es gibt einfach zu viel Lärm im Mittelmeer!

Regierung Spaniens reagiert

Das spanische Umweltministerium kündigte daufhin an, die Gewässer zwischen den Balearen und dem spanischen Festland als Migrationskorridor für Wale und Delfine unter Schutz zu stellen. Dies hätte auch ein striktes Management lärmintensiver Aktivitäten zur Folge. Der Report wurde vom Abkommen zum Schutz von Walen und Delfinen im Schwarzen Meer, Mittelmeer und angrenzenden Atlantikgebiet (ACCOBAMS) in Auftrag gegeben. Mit den gewonnenen Erkenntnissen sollen Problemzonen sowie weiterer Forschungsbedarf und mögliche Schutzmaßnahmen identifiziert werden.