Corona-Einwegplastik – Todesfallen für Tiere

Wissenschaftler starten Mitmachaktion zu Corona-Einwegplastik

Bitte mitmachen und melden: Tiere – egal ob an Land, am Strand, im Wasser–, die mit Corona-Einwegplastik (Masken, Handschuhe) in Berührung gekommen sind.

Auf der Plattform www.covidlitter.com sammeln Forscher der Universität Leiden, Niederlande, Informationen zu Auswirkungen von Corona-Einwegplastik auf Tiere.

Zu viel Corona-Einwegplastik landet in der Natur

Möve hat sich in einer OP-Einwegplastik-Schutzmaske verheddert

Neue Patienten im Robbenzentrum Föhr: Tiere, die mit Corona-Einwegplastik in Kontakt gekommen sind – Foto: Robbenzentrum Föhr

Masken und Handschuhe schützen uns vor Covid-19 und anderen Atemwegskrankheiten. Doch wie gehen wir mit den Einwegprodukten nach deren Gebrauch um? Nicht sonderlich gut.

Im Zuge der Pandemie ist ein gewaltiges, neues Müllproblem entstanden mit hohem Gefahrenpotential für die Umwelt. Für Tiere an Land und im Meer.

Denn viel zu häufig landet Corona-Einwegplastik in der Natur. Achtlos entsorgt, auf der Straße, im Park, am See. Aus Versehen verloren gegangen, überall. Und plötzlich gibt es unzählige tödliche Fallen für Tiere.

Qualvolles Sterben

Igel oder Vögel verfangen sich mit ihren Beinchen in den Gummischnüren der Masken. Vögel verwenden Covid-19-Müll zum Nestbau. Doch ihre Küken können sich mit den Bändern von FFP-2- und OP-Masken strangulieren.

Gelangen Masken und Handschuhe in Gewässer, werden sie für Wasservögel gefährlich. Sie verheddern sich, können nicht mehr schwimmen oder Futter aufnehmen. Sie verenden qualvoll.

Tödlich: Wenn Tiere Corona-Einwegplastik fressen

Pinguin hatte eine Einwegmaske gefressen und starb

Wenn Tiere Covid-19-Müll verschlucken, kann das tödlich sein. Im Magen dieses Magellanpinguins (Spheniscus magellanicus), der am Juquehy Beach in São Sebastião, nördlich von São Paulo, gefunden wurde, fand man eine Gesichtsmaske. © Argonauta Institute for Coastal and Marine Conservation

Masken- und Plastikreste von Corona-Schutzausrüstung finden sich mittlerweile im Magen von Katzen und Hunden. Das führt bestenfalls „nur“ zu Verstopfungen. Schlimmstenfalls folgt der Hungertod.

Das gleiche Schicksal droht Füchsen, Wildschweinen und vielen anderen Wildtieren, wenn sie auf in der Natur herumliegende Corona-Einwegplastik-Reste stoßen und diese fressen. Sie erkennen die Gefahr nicht.

Fische ersticken in Gummihandschuhen

Gummihandschuhe sind weder recycelbar, noch bauen sie sich biologisch ab. Ein achtlos im Fluss oder am Meer „entsorgter“ Gummihandschuh ist eine langlebige Gefahr für Fische, Krebstiere und andere Wasserbewohner.

Toter kleiner Flussbarsch im Finger eines Gummihandschuhs

Der kleine Flussbarsch wurde mitsamt des Handschuhs, in dem er steckt, in Ethanol konserviert. Er ist nun Teil der Sammlung „De Grachtwacht“ in Leiden, Niederlande. © Auke-Florian Hiemstra

Auch für große Meerestiere: Meeresschildkröten verwechseln im Wasser treibende flächige Plastikteile mit ihrer Lieblingsbeute, Quallen. Das ist tödlich.

Kleine Fische schwimmen mitunter in einen der Finger eines Gummihandschuhs. Dann finden sie aber nicht wieder hinaus. Sie zappeln noch eine Weile hin und her. Dann rührt sich nichts mehr.

Wildtiere sind Opfer der Pandemie durch Covid-19-Müll

Bislang gibt es kaum wissenschaftliche Studien zum Ausmaß der Umweltbelastungen durch Covid-19-Müll.

Eine der ersten stammt von einem niederländischen Forscherteam um die Biologen Auke-Florian Hiemstra vom Naturalis Biodiversity Center und Liselotte Rambonnet von der Universität in Leiden. Ihre Befunde veröffentlichte das niederländische Wissenschaftsjournal „Animal Biology“.

Auke-Florian Hiemstra und Liselotte Rambonnet mit dem Fund eines kleinen Flussbarsches, der in einem Schutzhandschuh starb.

Die Biologen Auke-Florian Hiemstra und Liselotte Rambonnet bitten um Mithilfe – Foto: Alexander Schippers

Die jungen Biologen begaben sich auf eine intensive weltweite Internetsuche: eine Ersterfassung der globalen Corona-Müllbelastung. Weitere Ergebnisse lieferten „Plastic Spotter“-Kanalsäuberungen in Leiden. Dabei fahren Freiwillige mit Kanus durch die Kanäle und sammeln Müll.

Bei Onlinefunden, ob auf sozialen Medien wie Instagram, Facebook, Twitter oder über spezifische Suchmaschinenabfragen in Englisch und Holländisch, versuchten die Forscher jeweils, so viele zusätzliche Informationen wie möglich zu erhalten.

Die Spitze des Covid-19-Müllbergs

Toter Fisch mit Einwegmaske

Foto: Clean this beach up

Die Studie zeigt, dass sich Corona-Einwegplastikmüll in großem Umfang bereits weltweit ausgebreitet hat.

So sammelte die #glovechallenge 2020 in kürzester Zeit mehr als 11.000 Fotos. In England fanden Freiwillige bereits drei Monate nach Einführung der Maskenpflicht in 30 % der überwachten Strände Covid-19-Müll.

Einige US-Bundesstaaten verhängen mittlerweile hohe Bußgelder für das Wegwerfen von Corona-Einwegplastik. Wie Massachusetts. Dort drohen bis zu 5.500 Dollar Strafe.

Kollage mit Corona Einwegplastik Müll

Fotocollage aus Funden der #glovechallenge – © Janis Selby Jones

Corona-Einwegplastik – Share your observation

Doch um das Ausmaß der Umweltauswirkungen dieser Abfälle vollständig zu verstehen, sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich. Aus diesem Grund bitten Hiemstra und seine Kollegen*innen auf der Online-Plattform „Share your observation“ auf www.covidlitter.com um Mithilfe.

Bitte Beobachtungen von Tieren mit Corona-Einwegplastik auf www.covidlitter.com melden Denn es soll mehr Licht ins Dunkel des stillen Sterbens der Tiere durch unsachgemäß entsorgten Covid-19-Müll kommen.

Zugleich appellieren Auke-Florian Hiemstra und Liselotte Rambonnet an die Menschen, achtsamer mit Masken, Plastikhandschuhen und anderen Corona-Gebrauchsgegenständen umzugehen.

„Um die Menge des Covid-19-Mülls und seine Auswirkungen auf die Natur zu minimieren, empfehlen wir dringend, soweit möglich, wiederverwendbare Alternativen zu verwenden. Die Menschen leiden unter der Coronavirus-Pandemie, aber die Natur hat genug von unserem Plastik“, erklärt Auke-Florian Hiemstra.

Unterschätztes Umweltproblem: Covid-19-Müll

Es wird lange dauern, bis sich Corona-Einwegplastik zersetzt hat. Vielleicht Hunderte von Jahren. Damit gibt es in den kommenden Jahrzehnten, vielleicht sogar für Jahrhunderte, ein weiteres brandgefährliches Umweltproblem für alle Tiere. Weltweit könnte es zu einem der größten werden.

Mit einfachen Schritten Tiere und Umwelt vor Corona-Einwegplastik schützen

    • Masken nie achtlos entsorgen. Denn das Leben von Tieren steht auf dem Spiel!
    • Alles Ringförmige ist für Wildtiere gefährlich! Daher Schlaufen von Masken vor der Entsorgung durchtrennen
    • Gummihandschuhe zerschneiden
    • Abfälle aus Corona-Einwegplastik wie Masken, Visiere und Gummihandschuhe nie lose wegwerfen
    • Immer in reißfeste, dichte Müllsäcke geben. Diese dann fest verschließen und in den Restmüll geben
    • Masken, Visiere und Gummihandschuhe gehören NICHT in die Gelbe Tonne oder in Sammelcontainer von Wertstoffinseln!
    • Sobald nachhaltige Alternativen erlaubt sind, wiederverwendbare Masken verwenden, die TÜV geprüft sind und die EU-Standards für medizinische Masken erfüllen
    • Beim Einsammeln von herumliegendem Corona-Einwegplastik sollte man unbedingt besondere Schutzmaßnahmen treffen, wie Abstand halten, keinen direkten Hautkontakt, unmittelbar in einen fest verschließbaren Behälter oder Müllsack überführen. Denn die Funde könnten mit dem COVID-19-Virus kontaminiert sein

Titelfoto: Echte Karettschildkröte neben herumtreibenden OP-Schutzmasken – Foto: istock.com/Leonidas Santana