Einwegplastik-Richtlinie der EU

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Bis zum 3. Juli 2021 hatten die EU-Mitgliedsstaaten Zeit, die Verwendung von 10 Einwegkunststoffprodukten zu verbieten. Dazu gehören u. a. Einweg-Geschirr aus Plastik und aus „Bioplastik“, Trinkhalme oder Einweg-Behälter aus Styropor. Dies hatte die EU im Juni 2019 mit der Einwegkunststoff-Verbotsverordnung oder Single-Use Plastics Directive (SUP-Richtlinie) beschlossen. Dabei sieht die Richtlinie noch weitere Maßnahmen gegen die Plastikvermüllung der Meere vor. Doch wie sieht es mit der Umsetzung der Einwegplastik-Richtlinie der EU in den Mitgliedsstaaten aus? Wer erfüllt die Vorgaben oder geht gar darüber hinaus? Wer hinkt hinterher? Analysen von Umweltverbänden zeigen erschreckende Defizite, aber auch viele positive Entwicklungen.

Einwegplastik-Richtlinie der EU: Erfolge und Versäumnisse

In zwei gemeinsam erarbeiteten umfangreichen Analysen ziehen Umweltverbände eine teilweise ernüchternde Bilanz. Während zum einen der Stand in den Mitgliedsländern analysiert und über ein Ampelsystem bewertet wird, bietet der „Best Practice Report“ einen Überblick zu existierenden Maßnahmen in einzelnen EU-Mitgliedsländern sowie in Norwegen und der Schweiz.

Analyse

Die Bewertung der Umsetzung der Einwegplastik-Richtlinie der EU gibt detaillierte Einblicke in die Fortschritte einzelner Länder (EU und Norwegen).

Umsetzung der Einwegplastik-Richtlinie der EU nach Ländern bewertet.

Ein grüner Farbcode zeigt die Länder wie z. B. Frankreich oder Schweden, die über die Richtlinie hinausgehende Maßnahmen gesetzlich verankert haben. Länder wie Polen, Rumänien oder Bulgarien, die hier deutlich hinterherhinken, sind rot gekennzeichnet. Alle anderen (orange) haben bislang nur Teile der Richtlinie umgesetzt. Quelle: Seas At Risk

„Nur 5 Länder schaffen eine positive Bewertung. Das ist zu wenig. Deshalb wird sich der Eintrag dieser am häufigsten in die Meeresumwelt gelangenden Einweg-Konsumgüter nicht spürbar reduzieren“, erklärt Diplom-Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz (DSM).

Best Practice Report

In ihrem Best Practice Report zeigen der europäische Meeresschutzdachverband „Seas at Risk“, bei dem die DSM Mitglied ist, und die #breakfreefromplastic-Bewegung 160 wirksame, praktische Maßnahmen zur Reduzierung von Einwegkunststoffen.

Mehrsprachige interaktive Europakarte

Wie hält es Europa mit der Einwegplastik-Richtlinie der EU? Interaktive Karte mit Best-Practice Beispielen zur Reduzierung von Plastikmüll.

Ergänzt wird der Report durch eine mehrsprachige interaktive Karte. Damit wollen die Umweltschützer Behörden, Unternehmen, Schulen, lokale Gemeinden und Verbraucher ermutigen, Einwegkunststoffe zu reduzieren. Damit will man die Mitgliedsstaaten zusätzlich bei der Umsetzung der Einwegplastik-Richtlinie der EU unterstützen. Quelle: Seas At Risk

Nicht allein auf das Handeln der Regierungen verlassen

„Einwegplastik ist das Symbol der heutigen Wegwerfgesellschaft und seine Abschaffung ist ein erster Schritt im Kampf gegen die Plastikverschmutzung. Jedoch können wir uns nicht allein auf den politischen Willen der Regierungen verlassen. Deshalb brauchen wir mutige und effektive Aktionen aus der gesamten Gesellschaft, um eine Welle der Veränderung anzustoßen. Aus diesem Grund haben wir Lösungen gesammelt, die zu neuen Lebens- und Konsumgewohnheiten inspirieren sollen. Lösungen, die respektvoller mit unseren Ozeanen, unserem Planeten und uns selbst umgehen“, erklärt Frédérique Mongodin, Senior Marine Litter Policy Officer bei Seas At Risk.

Kein Musterknabe: Deutschland

Die Bundesregierung hat als Beitrag zur Einwegplastik-Richtlinie der EU eine Verpflichtung für gastronomische Betriebe (größer als 81 Quadratmeter und mindestens 6 Mitarbeiter) eingeführt, nur noch wiederverwendbare To-go-Behälter anzubieten. Jedoch tritt dies erst 2023 in Kraft.

Ab 2022 entfallen auch fast alle bisher geltenden Ausnahmen von der Pfandpflicht für Einweggetränkeflaschen und -dosen aus Kunststoff. Für Milch und Milchprodukte wird das Pfandsystem allerdings erst ab 2024 gelten. „Deutschland zeigt wenig Ehrgeiz und geht kaum über die Vorgaben der Einwegplastik-Richtlinie der EU hinaus. Deshalb sind wir von einer Plastikwende zum Schutz der Meere und der Umwelt noch meilenweit entfernt“, bedauert Ulrich Karlowski.


Hintergrund Einwegplastik

Jedes Jahr landen schätzungsweise 4 bis 8 Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer. Weltweit sterben unzählige Meerestiere wie Wale, Delfine, Robben, Meeresschildkröten oder Seevögel, weil sie Plastikteile verschlucken oder sich darin verheddern. Außerdem belastet Plastikverschmutzung die Meere mit Giftstoffen und bedroht Meeresökosysteme über Jahrhunderte.

Eine tote Meeresschildkroete hängt in einem FAD-Geisternetz.

© International Pole & Line Foundation (IPNLF)

Müll aus Einwegkunststoffprodukten überwiegt

Eine vollständige Entfernung des Plastikmülls aus den Meeren ist unmöglich. Deshalb ist der einzige Ausweg ist eine systemische Veränderung, die die Plastikverschmutzung an der Quelle bekämpft. Laut einer Studie von Seas At Risk aus dem Jahr 2017, „Single-use plastic and the marine environment“, bestehen die meisten der an Stränden entdeckten Abfälle aus Einwegkunststoffprodukten und weggeworfener Fischereiausrüstung. Angesicht der gleichzeitig stark steigenden weltweiten Kunststoffproduktion bedarf es dringend wirksamer Lösungen.

Einwegplastik-Richtlinie: EU hat eine Vorreiterrolle

Die Europäische Union spielt beim Kampf gegen Plastikverschmutzung mit der Einführung der „Richtlinie über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt“, auch als „EU-Richtlinie zu Einwegplastikprodukten“ bekannt, eine Vorreiterrolle. Denn ihr Ziel ist es, die Meeresverschmutzung durch Plastik um 70 % zu reduzieren.

Daher sind zehn Kunststoffgegenstände, die in der EU den größten Plastikmüll-Anteil haben, ab dem 3. Juli 2021 verboten. Darunter fallen Einwegkunststoffprodukte wie Plastikteller, Nahrungsmittel- und Getränkebehälter aus Polystyrol, Trinkhalme oder Besteck aus Plastik.

Die Einwegplastik-Richtlinie der EU will, dass es weniger Plastikmüll an Stränden gibt.

Die meisten der an Stränden entdeckten Abfälle sind aus Einwegkunststoffprodukten und weggeworfener Fischereiausrüstung.

Weniger Verbrauch – höhere Sammelquote

Die Richtlinie setzt den Mitgliedsländern zudem ehrgeizige Ziele bei der Verbrauchsminderung von anderen Gegenständen wie Bechern und Nahrungsmittelbehältern. Außerdem soll eine erweiterte Herstellerverantwortung für Nahrungsmittel- und Getränkebehälter, Tabak sowie Verpackungen eingeführt und eine neunzigprozentige Sammelquote von Einwegkunststoff-Flaschen erreicht werden.


Weiterführende Informationen


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