Europäische Woche der Abfallvermeidung

Auch als Kontrapunkt zum Shopping- und Verpackungswahn von Black Friday (27.11.), Cyber Monday (30.11.) und Black Week begann am 21. November die elfte Europäische Woche der Abfallvermeidung. Es ist die größte Kommunikationskampagne zu Abfallvermeidung und Wiederverwendung in Europa. Unter dem Motto „Invisible Waste: Abfälle, die wir nicht sehen – schau genau hin!“ wollen die Veranstalter praktische Wege aus der Wegwerfgesellschaft aufzeigen. Dabei sollen alle Europäer dafür sensibilisiert werden, mit Alltagsgegenständen und dem Ressourcenverbrauch bewusster umzugehen und, wo es geht, Abfälle zu vermeiden. Aufgrund des gegenwärtigen Infektionsgeschehens werden viele Aktionen digital durchgeführt.

„Die Europäische Woche der Abfallvermeidung soll uns dieses Jahr dazu animieren, hinter die Kulissen zu blicken, um Abfälle auch dort zu vermeiden, wo sie uns auf den ersten Blick verborgen bleiben. Die umweltschonende Antwort auf weiterhin steigenden Ressourcenverbrauch und immer mehr Abfall heißt Vermeidung,“ erläutert der Präsident des Umweltbundesamts Dirk Messner.

Banner der Europäischen Woche der Abfallvermeidung.

Plastikmüll – der Fluch der Ozeane

Jeder Einzelne von uns ist gefragt, seine Müllerzeugung möglichst einzuschränken, denn überall dümpeln Plastiküberreste von den Uferzonen bis in die entlegensten Bereiche der Ozeane. Und es wird immer schlimmer. Vieles davon stammt von Produktverpackungen und Füllmaterialien ungezählter Pakete.

Mahnung zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung: Angeschwemmter Plastikmüll, Maug Lagune. Foto: Angelo Villagomez/Marine Photobank

Angeschwemmter Müll auch in entlegensten Meeresregionen: Maug Lagune im Mariana Trench Marine National Monument –Foto: Angelo Villagomez/Marine Photobank

Angebote für einen nachhaltigen Konsum sind vorhanden

Mahnung zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung: Plastikmüll am Strand.

Viel großteiliger Plastikmüll wird gleich wieder zurück an Land getrieben

Dazu sagt Patrick Hasenkamp vom Verband kommunaler Unternehmen, der die Europäische Woche der Abfallvermeidung koordiniert:
„Abfälle entstehen auch dort, wo wir sie nicht auf den ersten Blick sehen, etwa bei der Produktion, beim Transport von Konsumgütern oder auch beim Onlineshopping, bei dem große Mengen von zusätzlichem Verpackungsmaterial anfallen. Ein anderes Beispiel ist Mikroplastik: Es befindet sich in vielen Kosmetikartikeln, kann sich als Faser beim Waschen synthetischer Kleidung herauslösen oder entsteht durch den Abrieb von Autoreifen. Durch Abwässer gelangt es schließlich zurück in die Natur und von dort aus sogar wieder auf den eigenen Teller! Es braucht daher einen verantwortungsvollen Konsum und eine sorgfältige Reflexion der Kaufentscheidungen. Wozu eine eigene Bohrmaschine, wenn ich sie mir auch beim Nachbarn nebenan oder im Baumarkt ausleihen kann? Warum nicht einmal den Unverpacktladen um die Ecke oder Food-Sharing ausprobieren? Und was kann ich tun, um Mikroplastik zu vermeiden? Auf Fragen wie diese muss jeder Einzelne von uns gute Antworten finden. Angebote für einen nachhaltigen Konsum sind vorhanden!“

Verpackungsmüllberge wachsen immer weiter

Trotz aller Appelle und Aufklärungskampagnen ist das Wachstum der Verpackungsmüllberge in Deutschland nicht zu bremsen. Kürzlich gab das Umweltbundesamt (UBA) mit im Schnitt 227,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr einen neuen Höchststand bekannt (für 2018). Im Jahr 2000 waren es „nur“ 185,7 Kilo. Gründe sind u. a. der Boom des Onlinehandels, mehr Essen und Getränke „to go“ und aufwendigere Verpackungen!

Plastikmüllexporte – aus den Augen, aus dem Sinn

Deutschland macht es sich dabei vermeintlich einfach, seine Verpackungsmüllberge „loszuwerden“. Das Problem wird verlagert. Nach Angaben aus dem Bundesumweltministerium (BMU) stiegen deutsche Plastikmüllexporte aus dem „Grünen Punkt“-System („Duales System“) in den vergangenen 20 Jahren auf das 25-Fache auf 355.700 Tonnen im Jahr 2018.

Offene Mülldepnie auf der Insel Pasman, Kroatien

Das Müllmanagement in Kroatien ist nicht optimal: offene Deponie auf der Insel Pasman, direkt am Meer – Foto: U. Karlowski/DSM

Die Exportquote betrug 7,5 %. Ein Drittel davon sind besonders schwierig zu recycelnde Plastikmüllreste. Hauptabnehmer sind nach Österreich die Niederlande. Weitere Abnehmer sind Polen, Bulgarien und Kroatien.

Rechnet man exportierte Abfälle aus Gewerbe und Industrie hinzu, lag unsere Plastikmüll-Exportquote in den letzten 10 Jahren bei im Schnitt 1,3 Millionen Tonnen jährlich. Seitdem China die Grenzen für diesen Müll dichtgemacht hat, ist Malaysia Hauptabnehmer.

Und dort, wie in vielen anderen Ländern auch, gibt es häufig keine umweltgerechten Entsorgungsstandards. Es besteht ein sehr hohes Risiko, dass deutsches Altplastik dann im Meer landet.

Nachhaltige Meeresmüll-Projekte

Wir kämpfen mit unseren Partnern gegen die hässliche Plastik-Signatur des Menschen, die in immer stärkerem Maße die Ozeane belastet.

Mit den von uns geförderten Meeresmüll-Projekten erzielen wir messbare Erfolge für das Leben in den Meeren.