Leipziger Richter fällen Todesurteil für die Ostsee

Klagen gegen Fehmarnbelt-Tunnel abgewiesen! Wo so viel Geld, politisches Schwergewicht und diplomatische Verstrickungen im Spiel sind, konnte die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig wohl nicht anders lauten. Denn es lehnte alle sechs Klagen gegen den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels ab. Damit fällten die Leipziger Richter ein Todesurteil für die Ostsee.

Das Blaue Kreuz.

Das Blaue Kreuz: Symbol für lokalen Bürgerprotest – © Die Beltretter

Die von Natur- und Meeresschutzorganisationen, von betroffenen Anwohnern und der lokalen Wirtschaft mit so viel Elan und Herzblut viele Monate lang getragenen Proteste und Argumente hinterließen bei den Richtern nur kaltes Schulterzucken. Wir hatten hier das Aktionsbündnis „Beltretter“ unterstützt.

Finstere Allianz aus Schwarz, Rot, Grün

Eine finstere Allianz aus Schwarz, Rot, Grün in Bund und Land hat Nord- und Ostsee den Krieg erklärt. „Linker Hand“ wütet die Elbvertiefung. Saugbagger massakrieren Tausende Fische, RobbenSchweinswale, Seevögel. Verklappungen von mit Giftstoffen belastetem Baggerschlick in unmittelbarer Nähe des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer drohen ein weltweit einzigartiges Ökosystem zu zerstören. „Rechter Hand“ wird nun ein Mega-Tunnel unter der Ostsee gebaut. Von Fehmarn bis zur dänischen Insel Lolland.

Todesurteil für die Ostsee und für Schweinswale

Hier wie dort sind es lokale Initiativen, Bürger, Städte und Gemeinden, die sich zur Wehr setzen. Denn sie fühlen sich von der „großen“ Politik allein gelassen, verraten und verkauft. Stemmen sich mit viel Elan und Fantasie gegen die Zerstörung ihrer Heimat. Gegen die Vernichtung unserer heimischen Meeresartenvielfalt.

Für den Fehmarnbelt-Tunnel wird der Meeresboden auf einer Länge von 18 Kilometern erst aufgefräst, dann ausbaggert. Und das ca. 100 Meter breit und 60 Meter tief!

Leipziger Richter fällen Todesurteil für die Ostsee und Ostsee-Schweinswale.

Schweinswal – Foto: iStock.com/Brendan Hunter

In der Ostsee entsteht im Zuge der Ausbaggerungen eine von Schlick bedeckte Todeszone auf einer Strecke von 300 Kilometern. Zusätzlich zu einer jahrelangen Eintrübung des Meerwassers.

„Für ein sinnloses Infrastrukturprojekt bekommen wir ein Meer aus Schlamm und Dreck. Noch mehr tote Schweinswale als Deutschland eh schon zu beklagen hat. Zerstörte Ostsee-Riffe. Die Heimat der Anwohner und die lokale Wirtschaftwird wird zugrunde gerichtet. Die Leipziger Richter fällten ein Todesurteil für die Ostsee“, sagt DSM-Biologe Ulrich Karlowski.

Fast 10 Milliarden Euro für einen Prestigetunnel

Der 18 Kilometer lange Fehmarnbelt-Tunnel, durch den ab 2029 Autos und Züge zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødby auf Lolland fahren sollen, ist eines der größten und teuersten Verkehrsvorhaben in Europa.

Leipziger Richter fällen Todesurteil für die Ostsee: Vogelfluglinie Fehmarn Daenemark

Schiffsroute Fehmarn–Dänemark (Puttgarden-Rodby)
Foto: Nasa World Wind, Free Satellite Image

Nach bisheriger Planung sind damit Kosten in Höhe von über 10 Milliarden Euro verbunden. Das alles nur, damit sich die Fahrtzeit von Hamburg nach Kopenhagen von jetzt etwa 4,5 Stunden um die Hälfte verkürzt. Beim Fehmarnbelt-Tunnel kämen als zusätzliche Belastungen eine Schienenhinterlandanbindung sowie der Ausbau der Bundesstraße 207 zur Autobahn 1 bis Puttgarden hinzu. Ein Albtraum für Mensch und Natur!

Für das dänische Baukonsortium Femern A/S ist der Fehmarnbelt-Tunnel dagegen eine „Lizenz zum Gelddrucken“. Mindestens 6,2 Milliarden Euro schwer ist der Bauauftrag. Hinzu kommen Kosten für die Hinterlandanbindung in Deutschland von mindestens 3 Milliarden Euro.

Explodierende Kosten für ein überflüssiges Giga-Bauprojekt

Jedoch explodieren die Baukosten schon jetzt. Wie bei Stuttgart 21, der Elbphilharmonie oder dem Berliner Flughafen. Da hilft es nichts, dass Verkehrsprognosen ständig weiter nach unten korrigiert werden, der Tunnel auch aus dieser Sicht überflüssig ist.

 

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