Leipziger Richter fällen Todesurteil für die Ostsee

Klagen gegen Fehmarnbelt-Tunnel abgewiesen! Wo so viel Geld, politisches Schwergewicht und diplomatische Verstrickungen im Spiel sind, konnte die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig wohl nicht anders lauten. Denn es lehnte alle sechs Klagen gegen den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels ab. Damit fällten die Leipziger Richter ein Todesurteil für die Ostsee.

Die von Natur- und Meeresschutzorganisationen, von betroffenen Anwohnern und der lokalen Wirtschaft mit so viel Elan und Herzblut viele Monate lang getragenen Proteste und Petitionen hinterließen bei den Richtern nur kaltes Schulterzucken. Wir hatten hier das Aktionsbündnis „Beltretter“ unterstützt.

Todesurteil für die Ostsee und für Schweinswale

Leipziger Richter fällen Todesurteil für die Ostsee und Ostsee-Schweinswale.

Schweinswal – Foto: iStock.com/Brendan Hunter

Gegen das von Deutschland und Dänemark vorangetriebene umstrittene Milliardenprojekt hatten unter anderem der NABU sowie Fährunternehmen geklagt. Nun kann gebaut werden.

„Das ist der Todesstoß für weite Teile der Ostsee. Ein Meer aus Schlamm und Dreck, noch mehr tote Schweinswale als Deutschland eh schon zu beklagen hat, zerstörte Riffe, vernichtete Heimat für Anwohner, zugrunde gerichtete lokale Wirtschaft. All diese Argumente fegten die Richter vom Tisch und fällten ein Todesurteil für die Ostsee“, sagt DSM-Biologe Ulrich Karlowski.

Leipziger Richter fällen Todesurteil für die Ostsee: Vogelfluglinie Fehmarn Daenemark

Schiffsroute Fehmarn–Dänemark (Puttgarden-Rodby)
Foto: Nasa World Wind, Free Satellite Image

Der 18 Kilometer lange Fehmarnbelt-Tunnel, durch den ab 2029 Autos und Züge zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødby auf Lolland fahren sollen, ist eines der größten und teuersten Verkehrsvorhaben in Europa.

Nach bisheriger Planung sind damit Kosten in Höhe von über 10 Milliarden Euro verbunden. Das alles nur, damit sich die Fahrtzeit von Hamburg nach Kopenhagen von jetzt etwa 4,5 Stunden um die Hälfte verkürzt.

Zweiter schwerer Rückschlag für den Meeresschutz in wenigen Tagen

Sechs Pinguine marschieren hintereinander übers Eis.

© John Weller

Nach der Ende Oktober erfolgten Entscheidung der Antarktis-Kommission (CCAMLR), keines der zur Abstimmung stehenden Meeresschutzgebiete zu etablieren, ist dies innerhalb weniger Tage der zweite schwere Rückschlag für den Schutz der Meere.

„In Leipzig wie bei der CCAMLR zeigt sich einmal mehr, dass Erhalt der natürlichen Artenvielfalt, Meeresschutz oder Kampf gegen den Klimawandel, trotz anderslautender Lippenbekenntnisse, kein Gewicht haben. Am Ende des Tages behalten wirtschaftliche Interessen stets überhand“, meint Karlowski.

👉 Richtig oder falsch: Die größten Mythen um die Mega-Baustelle Ostsee-Tunnel im Faktencheck

👉 NDR: Fehmarnbelt – Der lange Weg zur festen Querung

 

Foto oben: Protestaktion des Aktionsbündnisses “Beltretter”