Mikroplastik in Kosmetikprodukten: Jugend forscht

Juliane Singer vom Gymnasium St. Stephan bei Augsburg liegen die Meere und ihre Bewohner sehr am Herzen. Daher untersuchte die Elfjährige im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend forscht“ 122 Kosmetikprodukte auf Mikroplastikrückstände aus Microbeads. Denn diese gelangen über das Abwasser oder durch direkten Kontakt auch in die Meere, verschmutzen so marine Lebensräume und werden zur Gefahr für Meerestiere.

Schülerin entlarvt die leeren Versprechungen der Kosmetikindustrie

Herzlichen Glückwunsch!

Die junge Forscherin wollte herausfinden, ob, wie viel und welche Art von Mikroplastik noch in herkömmlichen Kosmetikprodukten enthalten ist. Mit ihrer Arbeit gewann sie den 1. Preis im Regionalwettbewerb in Augsburg und den 3. Preis in der Landesrunde. Wir gratulieren ihr dazu von ganzem Herzen!

Selbstverpflichtung seit 2013

Mikroskopaufnahme von Mikroplastik im Duschgel

Im Rahmen ihrer Forschung machte die Schülerin Juliane Singer Mikroskopaufnahmen. Sie entdeckte bei etlichen Produkten Microbeads: Mikroplastikfund am Beispiel Duschgel Adidas Smooth, Vergrößerung 1:500 (Durchmesser rote Mikroplastikkügelchen Filter 0,5 mm) – Foto: © Juliane Singer

2013 hatte sich ein Großteil der Hersteller auf Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) freiwillig verpflichtet, auf den Einsatz von aus Mikroplastik bestehenden Microbeads zu verzichten. Davon ausgenommen sind allerdings Produkte, die auf Haut und Haaren verbleiben sowie „Partikel im Nanobereich, flüssige, gel- oder wachsartige Polymere oder Kunststoffe in Pulverform“, wie es im Hintergrundpapier „Plastikpolitik in Deutschland und der EU“ von Linda Mederake, Mandy Hinzmann und Susanne Langsdorf heißt.

Zahlreiche Tests

Mit Filterpapier aus Papierzellstoff filterte die Schülerin Produkte, wie etwa Duschgel, Mundspülung, Körperpeeling, Handcreme, Bodylotion, Haargel, Aftershave-Balsam, Haarspülung, Deostick, Augenpflege, Lippenbalsam, Puder, Mascara, Lippenstift, Concealer, Nagellack, Glitter und etliche andere. Zusätzlich untersuchte sie die jeweiligen Inhaltsstoffe auf Mikroplastik.

Die Tricks der Industrie

Juliane Singer untersuchte 122 Kosmetikprodukte auf Mikroplastik

Die elfjährige Juliane Singer untersuchte im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend forscht“ 122 herkömmliche Kosmetikprodukte auf Mikroplastikrückstände – Foto: annca/Pixabay

Zahlreiche der von Juliane untersuchten Produkte enthielten auch weiterhin Microbeads. Julianes Fazit ist ernüchternd: „Die freiwillige Selbstverpflichtung hat bereits einige Ergebnisse erreicht im Bereich der Nichtmehrverwendung von festen Mikroplastikpartikeln („Microbeads“) bei einigen Herstellern. Jedoch sieht man anhand der Filterergebnisse und den Inhaltsstoffangaben-Analysen, dass die Hersteller leider nun sogar vermehrt flüssige und gelartige Polymere, die noch nicht eindeutig als Mikroplastik definiert sind, einsetzen.“

Und leider hält auch nicht jedes Produkt, was seine Aufschrift „ohne Mikroplastik“ verspricht. Das fand die Preisträgerin beispielsweise beim „Nivea Duschpeeling“ heraus. „Hier meinen die Hersteller oft leider nur feste Partikel und nicht flüssige oder gelartige Polymere. Dies wird von den Konsumenten aber oft anders verstanden und sie denken, dass das Produkt komplett plastikfrei ist.“

Juliane Singer im Interview: Video der Siegerehrungen der Regional- und Landeswettbewerbe „Jugend forscht“ 2021 (ab Timecode 26:15)

👉Studie von Juliane Singer inklusive der Auflistung aller von ihr getesteten Produkte: „Mikroplastik in Kosmetikprodukten 2020 – Ergebnis der freiwilligen Selbstverpflichtung der Industrie“ (PDF-Download)

Verbot von Mikroplastik in Kosmetikprodukten auf europäischer Ebene – verschoben

Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze hatte uns auf unsere Anfrage bereits im Januar 2020 bestätigt, dass sie „freiwillige Maßnahmen zur Vermeidung von Mikroplastik an der Quelle für am schnellsten wirksam“ hält. Zudem habe sich die Bundesregierung für eine Regelung auf EU-Ebene eingesetzt, sodass nationale Regelungen hier keinen Sinn ergäben. 2020 sollte es soweit sein, doch nun wurde ein Verbot produktabhängig um mehrere Jahre verschoben, wie im Greenpeace-Bericht „Zum Abschminken – Plastik in Kosmetik“ vom März 2021 zu lesen ist.

Großbritannien und einigen anderen EU-Ländern wie Schweden, Italien und den Niederlanden dauerte das zu lange. Dort sind Microbeads in Kosmetika bereits verboten.

Unser Tipp für Verbraucher*innen

In zertifizierter Naturkosmetik sind Mikroplastik und generell Mineralölderivate verboten.

Titelfoto: Die elfjährige „Jugend forscht“-Preisträgerin Juliane Singer untersuchte für ihre Arbeit 122 Kosmetikprodukte auf Plastikrückstände hin. Foto: © J. Singer