Ocean Cleanup – Gefährliches Experiment

The Ocean Cleanup nutzt nichts und schadet (wahrscheinlich)

Kaum ein Thema hat in der jüngeren Vergangenheit derart rasant an Fahrt aufgenommen wie die Plastikvermüllung der Meere. Nicht von ungefähr gelang es dem jungen Niederländer Boyan Slat daher in kurzer Zeit über 35 Millionen Dollar einzusammeln. Viel Geld für einen Traum: die Ozeane von einer Last zu befreien, derer sie sich nur schwer erwehren können. Doch Ocean Cleanup droht, seinerseits zur Last zu werden.

Warnungen in den Wind geschlagen

Plastikmüll am Strand.

Wind und Wellen treiben viel vom großteiligen Plastikmüll gleich wieder an Land zurück.

Seit Jahren warnen Experten vor schädlichen Folgen dieses und anderer Ozean-Filter. Besonders weil beim Abfiltern der an der Meeresoberfläche treibenden Kunststoffteile viel zu viele Pflanzen und Tiere getötet werden könnten. Denn flottierende Plastikteile bieten unzähligen Klein- und Kleinstlebewesen auch neue Lebensräume.

Abgesehen davon, befinden sich rund 70 Prozent der im Meer befindlichen Plastikabfälle am Meeresgrund. Damit sind sie für Ozean-Filter unerreichbar. Weitere etwa 15 Prozent treiben Wind und Wellen gleich wieder an Land zurück.

Vom verbleibenden Rest ist vieles als Mikroplastik bereits in so kleine Teile zermahlen, dass es von den Filtern nicht erst erfasst werden kann. Da drängt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit auf.

Erste Tests enttäuschen

Bereits mit der vor den Azoren getesteten Pilotanlage von Ocean Cleanup gelang es nur, ganze vier Plastikteile aus dem Meer zu fischen. Diese soll Boyan Slat vorher selbst hineingeworfen haben.

Am 9. September 2018 schließlich, wurde es ernst. Ein 600 m langes Ocean Cleanup-Rohr, System 001 oder Wilson genannt, verließ im Schlepptau eines Versorgungstrawlers San Francisco in Richtung des Großen Pazifischen Müllstrudels (Great Pacific Garbage Patch). Bereits am 3. Januar 2019 musste die Mission abgebrochen werden. Denn ein 18 m langes Teilstück des Cleanupgeräts hatte sich selbständig gemacht. Seitdem laufen Reparaturarbeiten im Hafen von Hilo auf Hawaii.

Kein Plastik gefischt – noch keinen weiteren Schaden angerichtet

Bedauerlicherweise gelang es dem Cleanup-Rohr, das in einem langgezogenen Bogen an der Wasseroberfläche schwimmt, nicht, herumschwimmendes Plastik einzufangen. Ocean Cleanup fängt nichts. Nun droht das hochgejazzte Projekt ein teurer Flop zu werden.

Blaue Quallen.

Mit dem Plastik könnten unverantwortlich viele Meerestiere eingefangen und getötet werden.

Soweit man weiß, wurde aber auch kein Schaden in Form von toten Meerestieren angerichtet. Doch das könnte sich ändern, wenn der Sammelarm erneut in Aktion tritt. Dann nämlich könnte er wie ein durch ein Tulpenfeld pflügender Panzer mitten in ein äußerst sensibles Ökosystem geraten – das Neuston. Das sind lebende Inseln. Sie treiben direkt an der Oberfläche im Meer und sind voller Leben.

Taucherflosse mit der Aufschrift "Please leave your foot prints not your rubbish."

„Es geht darum, den Wasserhahn zuzudrehen statt die Badewanne mit einem Fingerhut leeren zu wollen.“ (Nick Mallos von Ocean Conservancy)

Ende Januar machte Meeresforscherin Rebecca Helm in The Atlantic auf diese sensiblen Meereslebensgemeinschaften aufmerksam. Sie sieht im Ocean Cleanup Filterrohr eine große Gefahr.

Ocean Cleanup lenkt vom eigentlichen Problem ab

Die Hype um all den High-Tech-Aktionismus lenkt vom eigentlichen Problem ab – dass überhaupt so viele Kunststoffabfälle in die Ozeane gelangen.

Der Kampf gegen die Plastikvermüllung der Meere kann nur an Land gewonnen werden.

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Fotos: PIXABAY