The Ocean Cleanup will Plastikmüll verbrennen

Ocean Cleanup: Plastikmüll landet in Müllheizkraftwerken

The Ocean Cleanup will einen Teil des im Great Pacific Garbage Patch gesammelten Plastikmülls verbrennen. Das berichtet das weltweit beliebteste Architektur- und Designmagazin Dezeen. Eigentlich war The Ocean Cleanup mit dem Versprechen an den Start gegangen, sämtlichen eingesammelten Plastikmüll zu recyceln. Nun spricht die Organisation davon, dass ein Teil „thermisch recycelt“ werden müsse. Eine nette Umschreibung für schnödes Verbrennen in Müllheizkraftwerken. Für Meeres- und Umweltschützer macht The Ocean Cleanup damit immer weniger Sinn.

Ocean Cleanup: Wieder im Einsatz

Im vergangenen Jahr hatten die niederländischen Meeresreiniger mit ihrem „System 001“ eine Art Rohrbruch erlitten. Seit Ende Juni nun wurde ein modifiziertes Nachfolgemodell – „System 001/B“ – in das Gebiet des Pazifischen Müllstrudels geschleppt. Hier fanden bis Ende August Tests statt. Der mit aufblasbaren Bojen und einem Fallschirm-Anker ausgestattete Nachfolger sollte zeigen, wie viel Müll bei unterschiedlichen Rahmenbedingungen eingesammelt wird.

TheOceanCleanup-System001B Ankunft im Great Pacific Garbage Patch.

„System001/B“ bei seiner Ankunft im Great Pacific Garbage Patch. Viel Wasser – kein Plastikmüll. © The Ocean Cleanup

TheOceanCleanup System001B Crew untersucht Plastik.

Test: Wie verhält sich Plastikmüll, wenn er ins „System001/B “ eingebracht wird? © The Ocean Cleanup

Das Ergebnis war durchwachsen. So ist die Geschwindigkeit, mit der die Meeresreuse treibt, ein Problem. Noch ist sie zu wenig konstant.

Auch sollen Auftrieb und Höhe des Fangsiebes mit gleich drei Reihen von 32 cm langen Schwimmern erhöht werden. Übereinander gestapelt erreichen diese dann eine Gesamthöhe von etwa einem halben Meter. Das System wird immer komplexer.

Thermisches Recyceln?

Doch nun gab ein Ocean Cleanup-Sprecher gegenüber Dezeen zu „Die gesammelten Partikel, die nicht für die Umwandlung in neue Produkte geeignet sind, werden thermisch zu Energie recycelt. Nicht alle gesammelten Kunststoffe werden zu neuen Produkten recycelbar sein, aber die Mehrheit wird es“.

Plastikmüll am Strand.

Viel großteiliger Plastikmüll wird gleich wieder zurück an Land getrieben.

Wenn sich die Meeressäuberer da mal nicht täuschen. Um größere Mengen Plastikmüll zu recyceln, muss dieser sauber und möglichst sortenrein sein. Das ist bei Plastik aus dem Meer meist nicht der Fall. Er ist dreckig, sehr dreckig und meist sehr kleinteilig.

Die vielfach angeprangerten Plastikmüllinseln gibt es nicht. Im Great Pacific Garbage Patch trifft man vielmehr auf eine Art Plastiksuppe, einen Dunst aus Mikroplastik.

Zudem entsteht beim Verbrennen von Plastik das Treibhausgas Kohlendioxid. Auch werden Toxine, Schwermetalle wie Blei und Quecksilber oder Rußpartikel in die Atmosphäre abgeben.

Im Bericht „Plastic & Climate: The Hidden Costs of a Plastic Planet“ des Zentrums für internationales Umweltrecht (CIEL) vom Mai 2019 heiß es dazu: „Die Verschmutzung durch die Verbrennung von Kunststoff in Müllheizkraftwerken kann in Luft, Wasser und Boden eindringen und sowohl direkte als auch indirekte Gesundheitsrisiken für die Arbeitnehmer und die umliegenden Gemeinden mit sich bringen“.

Meerwissen für Schlauberger – Wie gefährlich ist The Ocean Cleanup?

Das 2013 vom Niederländer Boyan Slat gegründete Ocean Cleanup plant, 90 Prozent des Kunststoffabfalls aus den Weltmeeren mit Flotten mit bis zu 600 Meter langen Meeresreusen herauszufiltern.Die unbemannten Geräte sollen im so genannten Great Pacific Garbage Patch herum schwimmen und dabei Kunststoff aufnehmen. Wartungsschiffe sollen den  gesammelten Plastikmüll schließlich regelmäßig an Land bringen.

TheOceanCleanup System001B MaerskTransport Kutter.

Schweres Gerät: Transportkutter. © The Ocean Cleanup

Seit Jahren warnen Experten vor schädlichen Folgen dieses und anderer Ozean-Filter. Beim Abfiltern der an der Meeresoberfläche treibenden Kunststoffteile sterben auch sehr viele Pflanzen und Tiere. Denn flottierende Plastikteile bieten unzähligen Klein- und Kleinstlebewesen auch neue Lebensräume.

Abgesehen davon, befinden sich rund 70 Prozent der im Meer befindlichen Plastikabfälle am Meeresgrund. Damit sind sie für Ozean-Filter unerreichbar.

Weitere etwa 15 Prozent treiben Wind und Wellen gleich wieder an Land zurück. Vom verbleibenden Rest ist vieles als Mikroplastik bereits in so kleine Teile zermahlen, dass es von den Filtern nicht erst erfasst werden kann. Da drängt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit auf.

Sensibles Meeserökosystem in höchster Gefahr

Zudem könnten die Ocean Cleanup Sammelarme ein äußerst sensibles Meeserökosystem unwiderbringlich zerstören – das Neuston. Dabei handelt es sich um lebende Inseln.

Ende Januar 2019 machte Meeresforscherin Rebecca Helm in The Atlantic auf diese sensiblen Meereslebensgemeinschaften aufmerksam. Sie sieht im Ocean Cleanup Filterrohr eine große Gefahr.

Noch Meerwissen für Schlauberger

Bericht „Plastic & Climate: The Hidden Costs of a Plastic Planet“ des Zentrums für internationales Umweltrecht (CIEL) vom Mai 2019
Wie das Ocean-Cleanup-Projekt ein komplett unbekanntes Ökosystem in Gefahr bringt
Forscher warnen vor Ozean-Filtern auf sueddeutsche.de
Umweltbundesamt: Die naive Hoffnung auf saubere Meere

Foto oben: pexels