Pottwal Todesfalle Nordsee

13 Pottwale strandeten zwischen Januar und Februar 2016 vor Schleswig-Holstein

An dem, was die jungen männlichen Pottwale im Magen hatten, sollen sie bei ihrem Ausflug in die Pottwal Todesfalle Nordsee zwar nicht gestorben sein. Doch sonderlich gesund dürften verschluckte Fischernetze, Plastikabdeckungen aus dem Motorraum eines Ford oder ein kaputter Eimer auch nicht sein. Ihre spektakuläre Strandung und trauriger Tod vor Schleswig-Holstein sorgte für ebenso große Aufmerksamkeit wie offene Fragen.

Die Pottwale waren gesund und gut genährt

Laut Kieler Nachrichten starben die zwischen zehn und 15 Jahre alten Pottwalbullen, die beim Kaiser-Wilhelm-Koog und vor Büsum angespült wurden, samt und sonders an Herz- und Kreislaufversagen. Die mächtigen, 10 bis 12 Meter langen und 12 bis 18 Tonnen schweren, Meeressäuger waren jung. Auch waren sie gesund und nach ersten Untersuchungsergebnissen zudem gut genährt.

Sie hatten keinen extremen Parasitenbefall noch Infektionen oder Schraubenverletzungen. Auch akustische Traumata der für die Orientierung der Tiere lebenswichtigen Ohren wurden keine gefunden. Diese treten z.B. nach Sprengungen von versenkter Alt-Munition auf. Aber auch seismische Test zur Erdgas- und Erdölsuche, oder Rammarbeiten für Offshore-Windkraftanlagen erzeugen für Meeressäuger gefährliche bis tödliche Schalldrücke.

Gestrandete Pottwale, Perkins Island, Tasmanien.

Pottwalstrandungen sind keine Seltenheit. Am 23. Januar 2009 strandeten über 50 Pottwale am Strand von Perkins Island an der Mündung des Duck River nahe Smithton im Nord-Westen von Tasmanien.
Foto: Tim Alexander/Tasmanian Aquaculture and Fisheries Institute/Marine Photobank

Vom eigenen Körpergewicht erdrückt

Bislang konnten Forscher der Tierärztlichen Hochschule Hannover nur ein allgemeines Herz- und Kreislaufversagen als Todesursache einkreisen. Dieses wurde vom Eigengewicht der auf Grund gelaufenen Wale ausgelöst. Ihr eigenes Körpergewicht hat sie erdrückt, bis das Herz versagte. Ein langsamer, ein qualvoller Tod.

Gut genährte Giganten folgen der falschen Fährte in die Pottwal Todesfalle Nordsee

Anhand von Mageninhaltsanalysen sind sich die Wissenschaftler relativ sicher erklären zu können, warum sie in die Pottwal Todesfalle Nordsee schwammen, ein für sie extrem gefährliches Gewässer. Laut Kieler Nachrichten fand der Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Geomar Helmholtz-Zentrum die Reste von rund 55 000 Nordischen Köderkalmaren in den Mägen der Giganten. Diese Tintenfischart lebt hauptsächlich in den Überwinterungsgebieten der Pottwale, in der Norwegischen See.

Pottwal Todesfalle Nordsee

Auf Grund warmer Wassertemperaturen zu Jahrebeginn und starker Stürme wird nun vermutet, dass in einer Art mariner Kettenreaktion Wassermassen aus der Norwegischen See mitsamt den bei Pottwalen so beliebten Kalmaren in die Nordsee gerieten. Eine Verlockende Beute für junge und unerfahrene Pottwalbullen. Und so gerieten sie eine tödliche Gefahr.

Statt den Rückweg in die Azoren zu nehmen, sind sie „falsch abgebogen“. In der an den meisten Stellen nur 50 bis 100 Meter tiefen Nordsee mit ihrem vielfach sandigen Untergrund haben diese Extremtieftaucher massive Probleme mit ihrem Echoortungssytem. Denn hier navigieren sie wie im Blindflug.

Ob sämtliche Irrläufer ihren Nordsee Ausflug mit den Tod bezahlt haben, ist nicht bekannt. Eindeutig dagegen ist, dass die Tiere früher oder später gesundheitliche Probleme durch den verschluckten Plastikmüll bekommen hätten.
Foto oben: Junger Pottwalbulle vor Dominica: Peter G. Allinson, M.D. 2009/Marine Photobank.