Rote Flut tötet fast 300 gefährdete Grüne Meeresschildkröten

Zweite Katastrophe für Meeresschildkröten vor der mexikanischen Küste seit August 2018

Besser, sie hätten die südliche Pazifikküste von Mexiko nicht angesteuert. Denn vor der Küste des Bundesstaates Oaxaca schwammen mindestens 300 Grüne Meeresschildkröten seit Weihnachten in den sicheren Tod. Sie starben in einer Red Tide oder Roten Flut. Tiere, die es bis an die Küste nahe des Küstenorts Huatulco schafften, hatten große Schwierigkeiten beim Atmen. Kaum konnten sie noch ihren Kopf aus dem Wasser heben. Verzweifelt versuchten Helfer, die Meeresreptilien vor dem Ersticken zu bewahren. Meist vergeblich. Nur 27 von ihnen konnte man erfolgreich retten.

Das ist eine traurige Nachricht. Denn erst Ende August Jahr 2018 verfingen sich vor Oaxaca am Strand von Puerto Escondido mehr als 300 Oliv-Bastardschildkröten in einem verlassenen illegalen Fischernetz und ertranken.

Grüne Meeresschildkröten

Grüene Meeresschildkröte frisst Seegras.

Die bis zu 24 Kilometer schnell schwimmenden Pflanzenfresser ernähren sich hauptsächlich von Seegras – Foto: Olga Tsai auf unsplash

Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas), auch Suppenschildkröten genannt, sind als gefährdet auf der Roten Liste der IUCN eingestuft. Die Art steht auf Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES), der höchsten Schutzkategorie.

In einer Reihe von Küstenländern gilt sie bereits als ausgestorben, die Mittelmeerpopulation steht kurz davor.

Grüne Meeresschildkröten leben weltweit in allen tropischen und subtropischen Meeresgebieten. Ausgewachsene Exemplare können etwa 1,5 m groß werden und ein Gewicht von bis zu 200 Kilogramm erreichen. Damit sind sie nach der Lederschildkröte die zweitgrößten Meeresschildkröten. Ihre Lebenserwartung soll bei bis zu 80 Jahren liegen.

Wie alle anderen Meeresschildkrötenarten sind auch Grüne Meeresschildkröten stark bedroht durch Beifang in der Fischerei – besonders bei der Langleinenfischerei –, direkte Jagd, Zerstörung der Niststrände, Plünderung der Nester oder Umweltverschmutzung durch Plastikabfälle.

Meerwissen für Schlauberger

Red Tide – Rote Flut – Giftgas aus dem Meer

Gestrandeter Walhai, Opfer der roten Flut in Florida.

Gestrandeter Walhai, Opfer der Algenblüte Red Tide in Florida

Ausgelöst wird die tödliche Algenblüte Red Tide meist durch nährstoffreiche Abwässer aus der intensiven Landwirtschaft. Diese Überdüngung führt dann zum explosionsartigen Wachstum der zum Phytoplankton gehörenden Kieselalgenart Karenia brevis. Normalerweise sind sie mit bloßem Auge nicht sichtbar. Doch bei einer Roten Flut kann man sie auf der Meeresoberfläche sehen, in Form über mehrere Quadratkilometer großer roter Algenteppiche.

Die winzigen Kieselalgen produzieren Neurotoxine. Wie bei einem Giftgasangriff wehen sie während der Red Tide über die Wasseroberfläche.

Opfer der Red Tide: Zwei tote Manatis.

Tote Manatees – Foto mit freundlicher Genehmigung von „Matt Devitt WINK Weather“

Meerestiere, die sich im Gebiet einer Roten Flut aufhalten, sind dem Tode geweiht. Daher hatten die Grünen Meeresschildkröten vor der mexikanischen Küste kaum eine Überlebenschance.

An Land getriebene Giftgaswolken lösen bei Menschen schwere Schleimhautreizungen und Atemprobleme aus. Der Verzehr von Fischen, die das Nervengift aufgenommen haben, kann zu Lähmungen und Gedächtnisstörungen führen.

Die längste bislang bekannte Rote Flut wütete über 16 Monate lang, vom Juli 2018 bis in den Juni 2019, im Golf von Mexiko an der Ostküste Floridas.

Ihr fielen Zehntausende Fische und Hunderte anderer Meerestiere zum Opfer: Manatees (Seekühe), Seevögel, Delfine, Meeresschildkröten. Sogar ein Walhai starb, vermutlich, weil er vergiftetes Plankton verzehrt hatte.

Selten nur werden die katastrophalen Folgen der intensiven Landwirtschaft auf das Leben in den Meeren so deutlich und so tragisch sicht- und greifbar wie bei einer Roten Flut.

Foto oben: Olga Tsai auf unsplash