Florida: Rote Flut tötet Meerestiere

Katastrophale Folge der industrialisierten Landwirtschaft

Immer mehr tote Delfine, Manatis, Meeresschildkröten und Fische werden seit Ende Juli an die Strände in Florida angespült. Es sind Hunderte von toten oder sterbenden Tieren. Schuld daran ist eine gewaltige Red Tide (rote Flut). Eine mit der Emission giftiger Gase einhergehende Algenblüte, die sich auf mehr als 160 Kilometer der Küstenlinie des Sunshine State ausgebreitet hat. Besonders hart hat die rote Flut bisher die Counties Lee, Collier, Charlotte und Sarasota getroffen.

Opfer der Red Tide: Zwei tote Manatis.Selten nur werden die katastrophalen Folgen der industrialisierten Landwirtschaft auf das Leben in den Meeren so deutlich und tragisch sicht- und greifbar wie derzeit in Florida. Um die maroden Dämme des Lake Okeechobee – mit einer Wasserfläche von etwa 1890 Quadratkilometern der drittgrößte Süßwassersee der USA – zu entlasten, wurden gigantische Mengen Wasser in den Golf von Mexiko abgeleitet. Wasser, das verseucht und überdüngt ist durch die intensive Landwirtschaft im Citrus State.

Nichts kann der roten Flut entkommen

Die nährstoffbeladene Fracht befeuerte das explosionsartige Wachstum von normalerweise mit bloßem Auge nicht sichtbarer, zum Phytoplankton gehörender Kieselalgen der Art Karenia brevis. Auf der Meeresoberfläche kann man sie dann sehen: in Form sich über mehrere Quadratkilometer ausdehnender roter Teppiche, der gefürchteten roten Flut.

Die winzigen Kieselalgen produzieren Neurotoxine, die bei einer Red Tide, wie nach einem militärischen Angriff mit Giftgas, über die Wasseroberfläche wehen. Alles Leben, das sich im Gebiet einer roten Flut aufhält, ist dem Tode geweiht, Delfine, Fische, Wale, Walhaie oder Manatis (Seekühe).

Karte Ausbreitung Karenia brevis vor Florida Juli-Augist 2018.

Karte Ausbreitung von Karenia brevis vor Florida im Juli-August 2018
Quelle: Florida Fish and Wildlife Conservation Commission

Red Tide vor Florida dauert schon neun Monate

An Land getriebene Giftgaswolken lösen bei Menschen schwere Schleimhautreizungen und Atemprobleme aus. Der Verzehr von Fischen, die das Nervengift aufgenommen haben, kann zu Lähmungen und Gedächtnisstörungen führen.

Red Tides treten weltweit auf, besonders gehäuft allerdings in den stark durch Abwässer aus der Landwirtschaft belasteten Küsten von Florida. Nach Angaben von CNN sind die Auswirkungen der gegenwärtigen, bereits seit neun Monaten andauernden roten Flut auf Meerestiere beispiellos.

Unter den mehr als 10 000 bekannten Algenarten der Weltmeere kennt man 100, die toxische Verbindungen produzieren.

Die Giftmischer bilden damit zwar eine verschwindend kleine, aber gefährliche Minderheit, die in zunehmendem Maße von der Überdüngung der Küsten profitiert – mit verheerenden Folgen für die Biodiversität der betroffenen Küstenabschnitte.
DSM – August 2018
Fotos mit freundlicher Genehmigung von „Matt Devitt WINK Weather“ (Facebookseite).

Toter Walhai, Opfer der Red Tide in Florida.

Auch ein Walhai wurde Opfer der roten Flut in Florida.