Warnung vor The Ocean Cleanup

Todesurteil für unzählige Meerestiere und Meeresökosysteme

Wie utopia.de berichtet, soll The Ocean Cleanup noch in diesem Sommer nach einem Test in der Nordsee mit ersten Meeressäuberungsaktionen im “Great Pacific Garbage Patch” seine Arbeit aufnehmen. “Das wird ein unheiliger Tag für den Erhalt der Biodiversität in den Meeren”, lautet die Warnung der Deutschen Stiftung Meeresschutz (DSM). Obwohl das vom Niederländer Boyan Slat initiierte und mit über 35 Millionen Dollar und 75 Mitarbeitern aufmunitionierte Projekt unmögliches will.

In nur fünf Jahren will man die Hälfte des Plastikmülls aus dem pazifischen Müllstrudel herausfischen. Dieser Müllstrudel kreist im Pazifik, zwischen der Westküste der USA und Hawaii. Die dort im Uhrzeigersinn zirkulierende Mülldeponie erstreckt sich über eine Fläche von der Größe Zentraleuropas. Deshalb nennt man sie auch „Great Pacific Garbage Patch“ (Großer Pazifischer Müllteppich).

Der von The Ocean Cleanup entwickelte Ozean-Filter besteht aus kilometerlangen, zu einem Halbrund geformten schwimmenden Röhren. Diese sollen an der Meeresoberfläche treibenden Plastikmüll abfischen. Versorgungsschiffe sorgen dafür, dass der derart umarmte Plastikmüll in regelmäßigen Abständen eingesammelt und recycelt wird. Soweit die Theorie.

TheOceanCleanup_System001B auf dem Weg zum Great Pacific Garbage Patch.

Auf dem Weg zum Great Pacific Garbage Patch. © The Ocean Cleanup

Myriaden von Kleinstlebewesen werden vernichtet

TheOceanCleanup System001B Crew untersucht Plastik.

Test: Wie verhält sich Plastikmüll, wenn er ins “System001/B ” eingebracht wird? © The Ocean Cleanup

Angesichts des von Slat und seinen Mitstreitern ausgelösten Hype, “endlich die unfassbaren Mengen an Plastikteilen aus dem Meer entfernen zu können”, geht ein entscheidender Aspekt völlig unter. Myriaden von neuen Biotopen und Kleinstlebewesen, die sich auf und an den treibenden Kunststoffteilen angesiedelt haben, werden vernichtet.

Hinzu kommen Fische – viele Fische. Für sie ist so ein großes, treibendes Teil auf dem Meer sehr anziehend. Fischer nutzen dieses schutzsuchende Fischverhalten gerne durch den Einsatz von künstlichen “fish aggregating devices” (FADs) oder Fischsammlern.

TheOceanCleanup-System001B Ankunft im Great Pacific Garbage Patch.

System001B bei der Ankunft im Great Pacific Garbage Patch. Viel Wasser – kein Plastikmüll. © The Ocean Cleanup

Die Mühe können sie sich bei einem The Ocean Cleanup-Gerät sparen. Werden bald Horden von Industriefischern und Piratenfischern die unfreiwillig erbrachten “Dienste” von Ocean Cleanup nutzen?

Experten warnen vergeblich

Seit Jahren warnen Experten vergeblich davor, dass The Ocean Cleanup mehr Schaden als Nutzen anrichten könnte. Denn es werden unverantwortlich viele Meerestiere eingefangen und getötet.

Die anvisierte größte Meeressäuberung der Geschichte ist gut gemeint. Dennoch sollte vorher unbedingt geprüft werden, in welchem Maße welche Meerestiere dadurch getötet werden. Biodiversitätsverluste rechtfertigen den vermeintlichen Gewinn, viel Plastik aus der Meeresumwelt zu entnehmen, jedenfalls nicht.

Sehr fraglich ist auch, ob die Geräte den harschen Bedingungen der Meeresrealität überhaupt standhalten. Sauber, aber leblos – das darf nicht das Schicksal der Ozeane sein.

So geht’s ohne Schäden für die Ökosysteme: Plastikmüll einfach mal wegballern

Die neue kostenlose Handy-App Rettet unseren Ozean will junge Menschen für den Meeresschutz begeistern. Es geht darum, innerhalb einer Minute möglichst viel Plastikmüll aus dem Meer zu entfernen. Dabei sollte man aber möglichst keinen Fisch treffen. Im Anschluss kann man seinen High-Score durch die Beantwortung von drei Fragen zum Thema Müll in den Meeren noch weiter heraufschrauben.

Weitere Informationen:





Foto oben: © The Ocean Cleanup