Vergiftete Delfine im Ärmelkanal

Delfine im Ärmelkanal sind durch hohe Konzentrationen giftiger Polychlorierter Biphenyle (PCB) und Quecksilber belastet. Das zeigt eine Studie der französischen Ökotoxikologin Cyrielle Zanuttini und ihrer Kollegen. Damit bestätigen sich die Ergebnisse einer britischen Studie vom Anfang des Jahres. Sie hatte die großflächige Vergiftung von Delfinen in europäischen Gewässern mit PCB dokumentiert. Bei rund 400 untersuchten Tieren stellten die französischen Wissenschaftler 1,4 Mal mehr PCB fest als eine vergleichbare Untersuchung aus dem USA gezeigt hatte. Auch die gemessenen Quecksilber-Konzentrationen seien besorgniserregend hoch, warnt Cyrielle Zanuttini.

PCB gefährdet Überleben von Delfinen

Auch der britische Zoologe Paul Jepson und sein Team von der Zoologischen Gesellschaft in London hatten im Rahmen einer 25-jährigen Studie bei Großen Tümmlern, Streifendelfinen, Orcas und Schweinswalen aus ganz Europa erschreckend hohe PCB-Werte gemessen. Als stark belastet erwiesen sich die Delfinarten im Mittelmeer. Bei ihnen fanden die Wissenschaftler 50 bis zu 350 Milligramm PCB pro Kilo Körpergewicht. Ab Werten von 40 Milligramm pro Kilo wird es für den betroffenen Organismus gefährlich.

Vergiftete Delfine im Ärmelkanal: Springender Orca.

Auch die wenigen Orca-Populationen in westeuropäischen Gewässern sind mit PCB belastet. Foto: (c) Emma Foster 2010/Marine Photobank.

Delfine im Ärmelkanal: geschwächtes Immunsystem, schlechte Fortpflanzungsrate

PCB-Belastungen führen u. a. zu verringerter Fruchtbarkeit. Die Tiere bekommen seltener Nachwuchs. Dieser hat dann auch noch mit einer schleichenden Vergiftung zu kämpfen. Denn Delfinmütter geben über die Muttermilch bis zu 90 Prozent aller gespeicherten Schadstoffe an ihren Nachwuchs weiter. Folglich sinken dessen Überlebenschancen.

Zusätzlich verursachen PCB eine Schwächung des Immunsystems. Dadurch erhöht sich das Infektionsrisiko. Außerdem stehen sie im Verdacht, krebserregend zu sein.

Das „Dreckige Dutzend“

PCB gehören zum sogenannten „Dreckigen Dutzend“ krebserregender und hochgiftiger Umweltgifte. Ihr Einsatz ist seit 2001 weltweit verboten. In Europa setzte man sie jedoch schon seit den 1980er-Jahren kaum noch ein. Sie waren beispielsweise in Weichspülern, Flammschutzmitteln oder Farben enthalten. PCN bauen sich nur sehr langsam ab. Mit der Zeit reichern sie sich in den Nahrungsnetzen an. Wie bei den untersuchten Delfinen Ärmelkanal und im Mittelmeer. Zudem tauchen sie in Gebieten auf, wo sie niemals zum Einsatz kamen. Wie im arktischen Eis.

Trotz Verbots ist der Eintrag nicht gestoppt

Offensichtlich gelangen in Europa – trotz des lang zurückliegenden Verbots – nach wie vor große Mengen PCB in die Umwelt. Das zeigen die Studien von Cyrielle Zanuttini und Paul Jepson. Die Forscher vermuten die unsachgemäße Entsorgung kontaminierter Altlasten als Ursache.

Denn es soll in der EU noch rund 1,1 Millionen Tonnen nicht entsorgtes, mit PCB kontaminiertes Material geben. Vor allem in Spanien und Frankreich. Bei Delfinen, die an den Küsten Nordamerikas leben, sind die PCB-Werte dagegen bereits gesunken. Für Delfine im Ärmelkanal und im Mittelmeer allerdings besteht kein Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil.

Meeresschützer und Wissenschaftler fordern dringend Maßnahmen, die den PCB-Eintrag in europäische Meeresgewässer unterbinden.

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von Michael Odenwald auf Focus Online