Wal- und Delfinfleisch voller Quecksilber

Verzehr von Wal- und Delfinfleisch ist mit unkalkulierbaren Gesundheitsrisiken verbunden

In Japan oder auf den zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln wird immer noch Wal- und Delfinfleisch verzehrt. In Kanada und Grönland gehört Fleisch und Speck von Beluga- und Narwalen zum Speiseplan der Inuit. Und dass, obwohl kanadische Gesundheitsbehörden bereits 2011 vor Quecksilber warnen. Denn es löst unter anderem die gefürchtete Minamata Krankheit aus. Während der Schwangerschaft kann zu viel Quecksilber „schwache intellektuelle Leistungen“ beim Neugeborenen zur Folge haben. Dem vorausgegangen waren umfassende Untersuchungen an Grundschulkindern.

Wissenschaftler der Universität Hokkaido fanden in Walfleisch, das in japanischen Delikatessengeschäften verkauft wurde, Quecksilbermengen, die um das bis zu 1.600-Fache über dem offiziellen Grenzwert lagen. In Delfinfleisch wurden Werte von bis zu 2 mg/g Quecksilber festgestellt. Das übersteigt den japanischen Grenzwert um das 5.000-Fache. Außerdem fanden sie große Mengen von Dimethyl-Quecksilber und Kadmium. Das wiederum sind Auslöser der Minamata- und der Itai-Itai-Krankheiten. „Ich habe noch nie zuvor von so stark mit giftigen Chemikalien belasteten Lebensmitteln gehört“, sagte Dr. Tetsuya Endo, Leiter eines der Untersuchungsteams.

Regelmäßig zu hohe Werte bei Wal- und Delfinfleisch

Untersucht wurden 15 gekochte Fertiggerichte aus Wal-Lebern und -Nieren. Dabei enthielten die Leberprodukte durchschnittlich 275 ppm (Teile pro Millionen) Quecksilber und 11 ppm Dimethyl-Quecksilber. In den Nieren wurden 35 ppm Quecksilber und 3,15 ppm Dimethyl-Quecksilber gemessen. Doch das japanische Gesundheitsministerium schreibt hier Grenzwerte von 0,4 ppm und 0,3 ppm vor. Eine der untersuchten Lebern war sogar mit 645 ppm Quecksilber belastet. Das ist fast 1.600-mal mehr als der Grenzwert. Auch bei Kadmium wurde der offizielle Grenzwert mit durchschnittlichen Belastungen von bis zu 11,8 ppm weit überschritten.

Schleichende und langsame Vergiftung

Bisher ist nur wenig über die Gesundheitsgefahren durch niedrige Langzeitbelastungen mit Quecksilber bekannt. Immerhin stellten Wissenschaftler der Universität Odense bei siebenjährigen Kindern auf den Färöer-Inseln typische Symptome einer schleichenden Quecksilbervergiftung fest. Darunter fallen dann Sprach-, Konzentrations- oder Erinnerungsstörungen. Ursache der Schäden durch eine niedrige Langzeitbelastung war die Muttermilch. Die Vergiftungssymptome waren umso ausgeprägter, je mehr Delfinfleisch die Mütter während der Schwangerschaft konsumiert hatten. 2008 dann empfahl die Gesundheitsbehörde der Färöer-Inseln, auf den Konsum von Grindwalfleisch (Grind- oder Pilotwale gehören zu den Delfinen) komplett zu verzichten – leider vergeblich.

Minamata: Vergessene Umweltkatastrophe

Mitte der 1950er-Jahre häuften sich in der Umgebung der Stadt Minamata und entlang des Yatsushiro-Sees bei Menschen und Tieren Symptome einer zunächst rätselhaften Krankheit: Lähmungen, Psychosen, in schweren Fällen Koma. Es kam zu schweren Schädigungen des Nervensystems. Kinder kamen mit Missbildungen zur Welt. Nicht selten endete die Krankheit tödlich. Schließlich musste der Chemiekonzern Chisso seine Schuld eingestehen. Chisso hatte in unverantwortlicher Weise organisches Methylquecksilberiodid ins Meerwasser verklappt. Daraufhin reichterten sich Quecksilber und Quecksilberverbindungen in Meeresalgen und in der Folge in Fischen an. Fische und Algen sind Hauptlebensmittel der Einwohner des Küstenortes Minamata.

Man schätzt, dass etwa 17.000 Menschen geschädigt wurden. Mindestens 3.000 sind an der Vergiftung gestorben. Minamata gilt heute als eine der schwersten Umweltkatastrophen durch Quecksilber. Die Nahrung aus dem Meer wurde den Menschen zum Verhängnis.

Weitere Informationen

Umweltbundesamt (UBA): Schadstoffkonzentrationen in Organismen der Nordsee