Wenn die braune Flut auf die rote Flut trifft

Eine braune Flut genannte Algenblüte bewegt sich auf die Algenpest rote Flut zu – Verlängerung einer Umweltkatastrophe?

Seit November 2017 verwandeln sich die Strände im Südwesten von Florida in Friedhöfe für Meerestiere. Die längste bislang bekannte Red Tide (rote Flut) tötet unterschiedslos Meerestiere, wie Delfine, Wale, Manatis (Seekühe), Meeresschildkröten oder Fische. Wer in einen der viele Quadratkilometer großen roten Teppiche mit seinen von winzigen, einzelligen Kieselalgen (Diatomeen) der Art Karenia brevis produzierten Giftgaswolken gerät, ist verloren. Über die Küsten der Counties Pinellas und Collier hatte sich die tödliche Algenpest im August 2018 bis in die Sarasota-Bucht ausgebreitet. Eines ihrer ersten Opfer unter Meeressäugern war der 12-jährige Große Tümmler „Speck“, der am 17. August am Big Sarasota Pass strandete. Jetzt könnte eine Brown Tide (braune Flut) die Umweltkatastrophe gewaltig verschärfen.

Wehe, die braune Flut trifft auf die rote Flut

Die Situation ist ernst genug, doch es könnte alles noch viel schlimmer kommen, berichtet livescience.com. Eine braune Flut genannte Algenblüte von Trichodesmium-Blaualgen bewegt sich derzeit auf die von Kieselalgen der Art  „Karenia brevis“ gebildeten Algenteppiche der roten Flut zu. Trichodesmium-Algenblüten wirken ölig aufgeschäumt und erinnern an durch Fäkalien verursachte Meeresverschmutzung. Zwar produzieren auch sie Gifte, die beim Menschen eine stark gerötete Haut und juckende Ausschläge verursachen können – Mitte August wurden mehrere Badestrände auf La Palma wegen einer Trichodesmium-Algenblüte geschlossen –, doch im Golf von Mexiko lauert eine ganz andere Gefahr.

Die Red Tide wurde diesem Delfin zum Verhängnis.

Die Red Tide wurde diesem Delfin zum Verhängnis
Mit freundlicher Genehmigung von „Matt Devitt WINK Weather“ (Facebookseite)

Karenia brevis lebt unter der Wasseroberfläche, Trichodesmium-Mikroalgen schwimmen auf ihr. Den Krieg der Algen wird Trichodesmium verlieren. Geraten Trichodesmium-Algenteppiche in die Red Tide sterben sie ab und werden zur ausgezeichneten Nahrungsgrundlage für Karenia brevis. Ein Ende der roten Flut im Golf von Mexiko wäre damit in weiter Ferne.

Auch für Menschen gefährlich

An Land wehende „Red Tide“-Giftgaswolken lösen bei Menschen schwere Schleimhautreizungen und Atemprobleme aus. Der Verzehr von Fischen, die das Nervengift aufgenommen haben, kann zu Lähmungen und Gedächtnisstörungen führen. Für Touristen sind betroffene Strände unbenutzbar.

Ausgelöst wurde die Umweltkatastrophe vor Florida durch Düngemittel aus der industrialisierten Landwirtschaft des Citrus State. Sie verursachten ein explosionsartiges Wachstum der normalerweise mit bloßem Auge nicht sichtbaren „Karenia brevis“-Kieselalgen. Diese weder zu Tieren noch zu den Pflanzen zählenden Diatomeen produzieren Neurotoxine, die bei einer Red Tide, wie bei einem Giftgasangriff, unsichtbar über die Wasseroberfläche ziehen.

41 tote Delfine im August

Bis Ende August waren, berichtet der Miami Herald, 41 tote Delfine im Südwesten Floridas gestrandet. Tierärzte des Strandungsnetzwerks der nationalen Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten (NOAA) führen die ungewöhnlich hohe Todesrate unter den Meeressäugern auf die rote Flut zurück. Bei einer Red Tide sterben zuerst Fische, Meeresschildkröten, Manatis und andere Meerestiere. Delfine sterben später. Weniger wegen der Red Tide Giftgase oder vergiftetem Meerwasser, sondern durch die Aufnahme vergifteter Nahrung. Die meisten Delfin-Todesfälle treten daher meist verspätet auf, wenn eine Red Tide bereits vorbei ist oder schon eine Zeit lang andauert.

Zwar sind erst 10 der toten Tiere untersucht worden, doch alle wiesen hohe Brevetoxin-Konzentrationen auf, der von Karenia brevis produzierten neurotoxischen Algengifte.

“Noch wissen wir nicht, welche Auswirkungen die rote Flut auf die Delfine im Golf von Mexiko langfristig haben wird”, sagt Laura Engleby, Leiterin des Southeast Region Marine Mammal Program der NOAA. Im Golf Mexiko konnten bislang acht Delfin-Populationen identifiziert werden. Nur eine davon lebt nahe der Küste. Über diese Tiere weiß man vergleichsweise viel, die Population wird seit vielen Jahren regelmäßig beobachtet.
DSM  – 02. September 2018
Foto oben: Sarasota Dolphin Research Program – Facebookseite