Keine neuen Antarktis-Schutzgebiete!

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Seit mittlerweile sechs Jahren enden die Jahrestagungen der Antarktis-Kommission (CCAMLR) ergebnislos. Auch 2022 gelang es auf der 41. CCAMLR-Jahrestagung im australischen Hobart nicht, die von Meeresschützern und Wissenschaftlern dringend geforderte Ausweisung dreier großer Antarktis-Schutzgebiete zu verabschieden. Erneut erwiesen sich Russland und China am Ende der zweiwöchigen Verhandlungen als Bremser. Mit der Schaffung des 1,8 Millionen km2 großen „Weddell Sea“-Schutzgebietes wäre immerhin das größte Meeresschutzgebiet der Welt entstanden.

Drei neue Antarktis-Schutzgebiete?

East Antarctic

Bereits seit zehn Jahren existiert der Vorschlag zur Einrichtung des East Antarctic MPA. Es handelt sich um drei Blöcke entlang der Ostantarktis. Hier gibt es viele Kaltwasserkorallen. Außerdem sind sie ein wichtiges Nahrungsgebiet für Pinguine.

Karte Antarktis-Schutzgebiet im Ross-Meer und Vorschläge für neue Schutzgebiete.

Weddell Sea

Der zweite, auch vom deutschen Bundestag unterstützte Vorschlag sah die Schaffung eines 1,8 Millionen km2 großen Antarktis-Schutzgebiets im Bereich des Weddellmeeres (Weddell Sea MPA) neben der antarktischen Halbinsel vor. Damit wäre das größte zusammenhängende Meeresschutzgebiet der Welt entstanden. Sechsmal so groß wie Deutschland.

Das Weddellmeer steht stark unter Druck durch die Auswirkungen der Klimakatastrophe und der industriellen Fischerei. Große Industrietrawler fangen hier Antarktische Seehechte (Tiefseelangleinenfischerei). Zusätzlich schädigt die Krillfischerei dieses sensible Ökosystem am anderen Ende der Welt.

Antarctic Peninsula

Schließlich gibt es noch den von Argentinien und Chile eingebrachten Vorschlag für ein Antarktis-Schutzgebiet westlich der antarktischen Halbinsel (Antarctic Peninsula MPA). Diese Region ist besonders anfällig für Tourismusauswirkungen und Fischereiaktivitäten und leidet unter der globalen Erhitzung.

CCAMLR versagt bei der Bekämpfung illegaler Fischerei (IUU)

Wie stark das Interesse Russlands an der ungehemmten Ausbeutung der Antarktis ist, zeigte 2020 das Beispiel der unter russischer Flagge fahrenden „F/V Palmer“. Obwohl Neuseeland Beweise vorlegte, dass der Fischtrawler im Rossmeer-Schutzgebiet illegal gefischt hatte (IUU/illegal, undokumentiert und unreguliert), konnte sich die CCAMLR nicht einmal darauf einigen, die „F/V Palmer“ auf ihre IUU-Liste zu setzen.

Deshalb durfte die „F/V Palmer“ ihre Fangtätigkeiten fortsetzen – ohne jegliche Konsequenz. Dabei hatte die CCAMLR einst bei der Bekämpfung der IUU-Fischerei eine führende Rolle eingenommen.

Offener Brief führender Meereswissenschaftler vom 27. September 2021 an die CCAMLR und ihre 26 Mitglieder: Scientist Letter for the Southern Ocean


Die CCAMLR

Die „Kommission für die Erhaltung der lebenden Ressourcen der Antarktis“ (CCAMLR) wurde als Teil des Antarktisvertragssystems gegründet, um die biologische Vielfalt des Südpolarmeers zu erhalten. Sie hat 26 Mitglieder, darunter die EU und acht ihrer Mitgliedstaaten. Alle Entscheidungen über Schutzgebiete in der Antarktis müssen dabei einstimmig sein.

Pinguine müssen weiter auf neue Antarktis-Schutzgebiete warten.
© John Weller

Im Jahr 2009 bekräftigten die CCAMLR-Mitglieder ihre Verpflichtung, ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten (Marine Protected Areas/MPAs) im Südpolarmeer einzurichten. In der Folge einigten sie sich auf das erste MPA im südlichen Schelf der Südlichen Orkney-Inseln. Im Jahr 2016 schließlich wurde das mit 1.550.000 km² derzeit größte Meeresschutzgebiet im Rossmeer beschlossen.

Titelfoto: © John Weller


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