Keine neuen Antarktis-Schutzgebiete!

Wie bereits im vergangenen Jahr endete die diesjährige Jahrestagung der Antarktis-Kommission (CCAMLR) mit einer großen Enttäuschung. Das fünfte Jahr in Folge scheiterte die Ausweisung von drei großen Antarktis-Schutzgebieten. Dies hatten unter anderem die Kampagne Antarctica2020, führende Wissenschaftler und 1,5 Millionen Menschen gefordert. Doch erneut blockierten China und Russland. Mit der Schaffung des 1,8 Millionen km2 großen „Weddel Sea“-Schutzgebietes wäre immerhin das größte Meeresschutzgebiet der Welt entstanden. Wie schon 2020 scheiterte die Staatengemeinschaft damit – wenn auch verspätet –, das Unterziel 14.5 des UN-Nachhaltigkeitsziels 14 „Leben unter Wasser“ (SDG 14) doch noch zu erreichen. Dieses sieht vor, dass bis Ende 2020 rund 10 % der Weltmeere unter Schutz stehen sollten.

👉 offener Brief führender Meereswissenschaftler an die CCAMLR und ihre 26 Mitglieder:
Scientist Letter for the Southern Ocean

Drei neue Antarktis-Schutzgebiete?

Trotz der starken Unterstützung vieler CCAMLR-Mitglieder hat eine Minderheit von Ländern die Ausweisung der Schutzgebiete verhindert. Alle CCAMLR-Mitglieder müssen die Interessen des Planeten über ihre eigenen stellen, doch das ist nicht geschehen“, bedauert Claire Christian, Geschäftsführerin der Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC) die verpasste Chance für den Meeresschutz.

Immerhin konnte sich die CCAMLR auf eine Verlängerung der Schutzmaßnahme (CM) 51-07 einigen. Sie reguliert die vorläufigen Fangmengen von Krill. Damit hofft man negative Auswirkungen der Krillfischerei auf das Meeresökosystem verringern zu können.

Antarktis-Schutzgebiet East Antarctic

Karte Antarktis-Schutzgebiet im Ross-Meer und Vorschläge für neue Schutzgebiete. Die besten Chancen wurden noch der East Antarctic MPA eingeräumt. Denn dieser Vorschlag existiert bereits seit neun Jahren. Es handelt sich um drei Blöcke entlang der Ostantarktis. Hier gibt es viele Kaltwasserkorallen. Außerdem sind sie ein wichtiges Nahrungsgebiet für Pinguine.

Antarktis-Schutzgebiet Weddel Sea

Der zweite, auch vom deutschen Bundestag unterstützte Vorschlag sah die Schaffung eines 1,8 Millionen km2 großen Schutzgebietes im Bereich des Weddellmeeres (Weddel Sea MPA) neben der antarktischen Halbinsel vor. Damit wäre das größte zusammenhängende Meeresschutzgebiet der Welt entstanden. Sechsmal so groß wie Deutschland.

Erwachsener Kaiserpinguin mit Küken.

© John Weller

Das Weddellmeer steht stark unter dem Druck des Klimawandels und internationaler Fischfangflotten. Große Industrietrawler fangen hier Antarktische Seehechte (Tiefseelangleinenfischerei). Zusätzlich schädigt die Krillfischerei dieses sensible Ökosystem am anderen Ende der Welt.

Antarktis-Schutzgebiet Antarctic Peninsula

Schließlich verhandelte man noch den von Argentinien und Chile eingebrachten Vorschlag für eine MPA westlich der antarktischen Halbinsel (Antarctic Peninsula MPA). Diese Region ist besonders anfällig für Tourismusauswirkungen, Fischereiaktivitäten und leidet unter der globalen Erwärmung.

CCAMLR versagt bei der Bekämpfung illegaler Fischerei (IUU)

Wie stark das Interesse Russlands an der ungehemmten Ausbeutung der Antarktis ist, zeigte 2020 das Beispiel der unter russischer Flagge fahrenden „F/V Palmer“. Obwohl Neuseeland Beweise vorlegte, dass der Fischtrawler im Schutzgebiet Rossmeer illegal gefischt hatte (IUU/illegal, undokumentiert und unreguliert), konnte sich die CCAMLR nicht einmal darauf einigen, die „F/V Palmer“ auf ihre IUU-Liste zu setzen.

Deshalb durfte die „F/V Palmer“ ihre Fangtätigkeiten fortsetzen – ohne jegliche Konsequenz. Dabei hatte die CCAMLR einst bei der Bekämpfung der IUU-Fischerei eine führende Rolle eingenommen.


Die CCAMLR

Die „Kommission für die Erhaltung der lebenden Ressourcen der Antarktis“ (CCAMLR) wurde als Teil des Antarktisvertragssystems gegründet, um die biologische Vielfalt des Südpolarmeers zu erhalten. Sie hat 26 Mitglieder, darunter die EU und acht ihrer Mitgliedstaaten. Alle Entscheidungen über Schutzgebiete in der Antarktis müssen dabei einstimmig sein.

Im Jahr 2009 bekräftigten die CCAMLR-Mitglieder ihre Verpflichtung, ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten (Marine Protected Areas/MPAs) im Südpolarmeer einzurichten. In der Folge einigten sie sich auf das erste MPA im südlichen Schelf der Südlichen Orkney-Inseln. Im Jahr 2016 schließlich wurde das mit 1.550.000 km² derzeit größte Meeresschutzgebiet im Rossmeer beschlossen.

Pinguine springen aus dem Wasser und von einer Eisscholle ins Wasser.

© John Weller

Foto oben: © John Weller