Die Initiative für das Stoupa-Meeresschutzgebiet setzt sich für den Schutz und die Erhaltung der Meeresumwelt rund um die Insel Stoupa ein. Ziel ist es, ein Meeresschutzgebiet zu etablieren, um die lokale Flora und Fauna zu bewahren und nachhaltige Nutzungsmöglichkeiten zu fördern. Durch gemeinschaftliches Engagement und gezielte Maßnahmen soll das maritime Ökosystem geschützt werden, damit auch zukünftige Generationen von dessen Vielfalt profitieren können. Das neue Meeresschutzgebiet soll in einer Bucht direkt südlich des auf Mani – dem „mittleren Finger“ der Peloponnes-Halbinsel – gelegenen ehemaligen Fischerorts Stoupa liegen und würde etwa 12 km² groß sein.
Kernaussagen
- In Stoupa fordert eine ungewöhnliche Allianz aus Tauchern, Fischern und Politikern von der Regierung in Athen die Einrichtung eines Meeresschutzgebietes (Marine Protected Area/MPA).
- Die geplante Stoupa-MPA soll eine Fläche von 12 km² umfassen und verschiedene Ökosysteme schützen, darunter Seegraswiesen und Korallenriffe.
- Fischer unterstützen ein Fischereiverbot innerhalb des Schutzgebiets, da es den Spill-over-Effekt für höhere Erträge in der Umgebung begünstigt.
- Die Stoupa MPA könnte als kleiner, aber effektiver Hotspot für Artenvielfalt im Mittelmeer gelten, da viele Ökosysteme dort vorhanden sind.
- Die gesamte Gemeinschaft in Stoupa, unter der Führung von Dimitris Exarhouleas, setzt sich aktiv für den Meeresschutz und die ökologische Nachhaltigkeit ein.
Fischer unterstützen Fischfangverbot

In der Bucht von Stoupa existiert eine Vielfalt verschiedener Ökosysteme. Darunter Korallenriffe, Steilabbrüche, Seegraswiesen, ein Sandstrand, Felsen sowie mehrere Grotten. Dies bedingt eine ungewöhnlich reichhaltige Artenvielfalt unter Wasser. In dem neuen Meeresschutzgebiet soll neben anderen Restriktionen auch ein Fischereiverbot gelten (no-take zone).
Die Pläne werden vom Verband der Berufsfischer von Agios Nikolaos, Stoupa und Kardamyli sowie den Amateurfischern von Mani und dem Gemeinderat von West-Mani (Dytiki Mani) auf dem Peloponnes unterstützt.
Bevölkerung in Stoupa fordert besseren Meeresschutz an der Peloponnes-Küste
Die Initiative für die „Stoupa MPA“ stammt von Dimitris Exarhouleas. Er führt mit seiner Familie seit Jahrzehnten am Kalogria Beach in Stoupa das Tauchzentrum „Dive Code“. Hilfe erhält Dimitris Exarhouleas nicht nur von Bürgermeister George Hioureas, sondern auch von der gesamten Bevölkerung und den Fischern aus West-Mani. Diese wollen sogar bei der Überwachung der Stoupa MPA helfen.
Project Manaia (Österreich) und die Deutsche Stiftung Meeresschutz unterstützen die Forderung der Bevölkerung an die griechische Regierung. „Das gemeinsame Vorhaben unterschiedlichster Interessensgruppen ist absolut ungewöhnlich. Damit könnte die Stoupa MPA ein Leuchtturm-Projekt für den Meeresschutz im Mittelmeer werden“, erklärt der Meeresbiologe Manuel Marinelli von Project Manaia.
Überwältigende Artenvielfalt
Marinelli kennt die Küstenregion des südöstlichen Ionischen Meeres an der Ostküste des Peloponnes wie seine Westentasche. Regelmäßig erkundet er auf den Mittelmeer-Exkursionen von Project Manaia auch die Bucht von Stoupa
Im Jahr 2020 erstellte der Meeresbiologe eine öko-soziale Bewertung. Dort heißt es abschließend: „Das Gebiet um Stoupa, einschließlich der Bucht, weist große Flächen mit gesunden Posidonia-Seegraswiesen auf! Diese sind ein wesentliches Merkmal für einen gesunden Lebensraum im Mittelmeerraum. Ein Schutzgebiet wäre auch von daher ein großer Schritt in die richtige Richtung und würde der lokalen Wirtschaft, den Fischern, dem Tourismus sowie der Unterwasserwelt enorm zugutekommen!“

In die Bucht von Stoupa münden Frischwassereinströmungen. Das hat zur Folge, dass das Meerwasser hier kühler als beispielsweise im Hafen des Fischerorts ist. Deshalb findet man hier die dichtesten und gesündesten Posidonia-Seegraswiesen nicht nur in Griechenland, sondern im ganzen Mittelmeer.
Die Bucht ist ein noch ungeschützter Hotspot der Artenvielfalt.
Spill-over-Effekt von Meeresschutzgebieten für höhere Fischereierträge
„Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass vollständig geschützte Meeresschutzgebiete ohne Fischerei innerhalb kurzer Zeit zu höheren Erträgen für die lokale Fischerei außerhalb des Schutzgebietes führen. Man nennt das Spill-over-Effekt. Die Fischer in Stoupa haben das verstanden. Deshalb unterstützen sie ein Fischereiverbot, so paradox das klingen mag“, freut sich der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.
Meeresschutzgebiete (MPAs) werden in vier Level von streng bis minimal geschützt kategorisiert. Nach einer Studie1 aus dem Jahr 2020 sind nur 0,23 Prozent des Mittelmeerbeckens durch Meeresschutzgebiete so stark geschützt (fully protected und highly protected), dass sie positive Effekte für die marine Artenvielfalt bewirken. Alle anderen sind sogenannte „Paper Parks“. Hier besteht kein Unterschied im Ausmaß der Nutzung durch Fischerei, Schifffahrt oder Rohstoffförderung wie außerhalb des Schutzgebietes.

Die Stoupa MPA dagegen soll mindestens das zweitstrengste Kriterium (highly protected) erfüllen. Neben einem Fischereiverbot wären hier das Ankern2 in Seegraswiesen, Energiegewinnung (Windkraftanlagen, Gezeitenkraftwerke) und Rohstoffförderung (Sand- und Kiesabbau) verboten. Lokal könnten Ökotourismusprojekte angeboten werden.
Kleines Schutzgebiet mit großer Wirkung für die Artenvielfalt vor der Peloponnes-Halbinsel
Die Stoupa MPA wäre mit ihren ca. 12 km2 ein vergleichsweise kleines Meeresschutzgebiet. Da es in der Bucht jedoch ungewöhnlich viele Ökosysteme gibt, wäre der Wirkungsgrad für die Artenvielfalt enorm und könnte viele wesentlich größere Meeresschutzgebiete in den Schatten stellen.

Taucher von „Dive Code“ am Kalogria Beach pflanzen fast täglich ausgerissene Seegraspflanzen an. Sie haben einen Teil der Bucht als ihren „Seegras“-Garten erwählt.
Flyer: Renaturierung, Hinweise zum Ankern
- Claudet, J., Loiseau, C., Sostres, M., & Zupan, M. (2020). Underprotected Marine Protected Areas in a Global Biodiversity Hotspot. One Earth, 2(4), 380-384, https://doi.org/10.1016/j.oneear.2020.03.008 ↩︎
- Thomas Bockel, Noémie Bossut, Nicolas Mouquet, David Mouillot, Quentin Fontaine, Julie Deter,
Quantifying the impact of small boats on Posidonia seagrass meadows: Methods and path for future efficient management of anchoring pressure, Ocean & Coastal Management, Volume 259, 2024, 107454, ISSN 0964-5691, https://doi.org/10.1016/j.ocecoaman.2024.107454. ↩︎
Titelfoto: Manuel Marinelli erkundet regelmäßig auf den Mittelmeer-Exkursionen von Project Manaia auch die Bucht von Stoupa bei der Peloponnes-Halbinsel.
Fotos von Project Manaia, soweit nicht anders angegeben.
Weiterführende Informationen
- Tauchzentrum „Dive Code“ am Kalogria Beach in Stoupa
- Seegraswiesen – Renaturierung und Ökosystemmanagement
- Seegras pflanzen im Mittelmeer: Projekt „Die Meeresgärtner“
- Zum Welttag des Seegrases: ein Meeresökosystem der Superlative in Gefahr
- Meeresschutz Adria und Mittelmeer
- Unsere Meeresschutz-Highlights 2025










