Neues Meeresschutzgebiet im Nordostatlantik

Am 1. Oktober 2021 wiesen die 15 Vertragsstaaten der Oslo-Paris-Konvention (OSPAR) zusammen mit der EU ein neues Meeresschutzgebiet für Seevögel auf der Hochsee im Nordostatlantik aus. Das „North Atlantic Current and Evlanov Sea basin“ (NACES) hat mit 600.000 km² ungefähr die Größe von Deutschland und Großbritannien zusammengenommen. „Dies ist großer Erfolg“, freut sich die Deutsche Stiftung Meeresschutz.

Hotspot mariner Biodiversität: das neue Meeresschutzgebiet im Nordostatlantik

Das NACES-Schutzgebiet ist ein Biodiversitäts-Hotspot. Seevögel lieben es. Denn hier gibt es bis zu fünf Millionen von ihnen. Es ist das größte bisher entdeckte Vorkommen auf der Hochsee im Nordatlantik. Erstmals gelang es daher, ein Meeresschutzgebiet anhand von Vogelzugdaten zu identifizieren. Denn hier versammeln sich regelmäßig 21 Arten aus 56 Kolonien. Darunter Desertas Sturmvögel oder Papageientaucher.

Papageientaucher oder Puffin im Flug

© danny moore/pixabay

Doch auch zahlreiche andere Meerestierarten nutzen das Gebiet. Darunter Blauwale, Weißseitendelfine, Orcas, und Kleine Schwertwale. Ferner stark gefährdete Riesenhaie, Kurzflossen-Makohaie. Außerdem Lederschildkröten und Mondfische.

Zusätzlich tragen 47 Seeberge mit ihrem Artenreichtum zur Bedeutung des NACES für die marine Artenvielfalt im Nordostatlantik bei.

Nordostatlantik-Umweltstrategie

Außerdem vereinbarte OSPAR eine neue Nordostatlantik-Umweltstrategie. Sie legt ehrgeizige Verpflichtungen für das kommende Jahrzehnt fest. Damit will man die drei der größten Probleme der Ozeane angehen:

So ist das Ziel definiert, Abfälle im Meer bis 2025 um 50 % und bis 2030 um 75 % zu reduzieren. Zudem verpflichten sich die OSPAR-Vertragsstaaten bis 2030 30 % des OSPAR-Meeresgebiets unter Schutz zu stellen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Schutz von Seetangwäldern. Denn sie können viel CO2 speichern. Damit helfen sie, die Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren.

Nordostatlantik unter starkem Fischerei-Druck

Tatsächlich ist der Schutz großer Meeresgebiete im Nordostatlantik entscheidend. Denn bedeutende Fischbestände werden hier seit Jahren viel zu stark befischt. Nur weil sich die beteiligten Regierungen nicht auf eine ökologisch tragfähige Fangquotenzuteilung einigen. Stattdessen sind sie deutlich zu hoch, überschreiten sämtliche wissenschaftlichen Empfehlungen.

4,8 Millionen Tonnen Fisch zu viel gefischt

Im FAO-Fanggebiet 27 – Nordostatlantik liegen die Fangquoten für Makrele, Atlanto-skandischem Hering und Blauem Wittling seit sechs Jahren um 34 Prozent über den wissenschaftlich empfohlenen, nachhaltigen Fangmengen.

Nach Angaben des Marine Stewardship Council (MSC) entspricht dies etwa 4,8 Millionen Tonnen zu viel gefischtem Fisch. Sie hätten bei nachhaltiger Befischung im Meer bleiben müssen!

Grafik Zu viel gefischt im Nordostatlantik

Europas Regierungen forcieren zu starke Befischung des Nordostatlantiks – © Marine Stewardship Council (MSC)

Daten vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) zeigen zudem einen klaren Abwärtstrend für alle drei Bestände. So ging der Atlanto-skandische Heringsbestand in den letzten zehn Jahren um 36 Prozent zurück.

Früher war dies einer der weltweit größten Fischbestände. In den 1960er Jahren jedoch brach er infolge jahrelanger Überfischung zusammen. Es dauerte 20 Jahre. Erst dann hatte sich der Bestand des Atlanto-skandischen Herings im Nordostatlantik von der hemmungslosen Überfischung erholt.

ICES bewertet jährlich den Zustand von Fischbeständen und gibt wissenschaftliche, an nachhaltiger Befischung ausgerichtete Fangmengenempfehlungen.

UN-Nachhaltigkeitsziels 14 – Unterziel 14.5

Mit der Unterschutzstellung erfüllt OSPAR jetzt das für 2020 ausgegebene Unterziel 14.5 des UN-Nachhaltigkeitsziels 14. Denn mindestens zehn Prozent seines Zuständigkeitsgebiets sind jetzt Schutzgebiete. Bereits im Anschluss an die OSPAR-Jahrestagung 2014 hatten Schottland, Spanien und Portugal über 70 neue Meeresschutzgebiete ausgewiesen oder diese angekündigt.

Entscheidend wird jedoch sein, dass das neue NACES-Meeresschutzgebiet im Nordostatlantik, wie alle anderen Schutzgebiete auch, effektiv vor menschlichen Eingriffen wie der Fischerei geschützt wird.

arte OSPAR-Gebiet und neues Meeresschutzgebiet im Nordostatlantik

Karte des OSPAR-Gebietes und des neu ausgewiesenen Meeresschutzgebiets im Nordostatlantik (NACES). Quelle: OSPAR Commission

OSPAR

Das OSPAR-Abkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks ist nach den ursprünglichen Übereinkommen von Oslo (1972) und Paris (1974) („OS“ für Oslo und „PAR“ für Paris) benannt, die es ersetzte. Das Konventionsgebiet umfasst den Nordostatlantik vom Nordpol über Grönland bis zu den Azoren sowie die gesamten west- und nordeuropäischen Küstengewässer einschließlich der Barentssee. 15 Staaten und die Europäische Union sind bei OSPAR Mitglied. Anders als zum Beispiel beim Helsinki-Abkommen kann OSPAR neben im Sinne des Völkerrechts „nur“ verbindlichen Empfehlungen auch rechtsverbindliche Beschlüsse verabschieden.
Quelle: BfN – OSPAR Konvention