Neue EU-Meeresschutzgebiete

In den 2014 von der Oslo-Paris-Konvention (OSPAR) ausgerufenen neuen EU-Meeresschutzgebieten leben zahllose, zum Teil seltene und bedrohte Meerestierarten. Jedoch findet man die meisten (noch) nicht auf der Liste der schützenswerten Arten und Lebensräume der EU. Deshalb wandte man erstmals zusätzliche Kriterien der Roten Liste des OSPAR-Abkommens an. Damit wurden auch von der EU nicht geschützte Arten erfasst. Enstscheidend ist allerdings, wie die neuen EU-Meeresschutzgebiete im Sinne eines effektiven Meeresschutzes ausgestaltet werden. Verbote für Fischerei, Schifffahrt, oder die Nutzung von Bodenschätzen und seismischen Explorationen zur Gas- und Ölsuche müssen folgen.

EU-Meeresschutzgebiete – Chancen für den Meeresschutz

Schottland

Auch Fleckendelfine leben in den neuen EU-Meeresschutzgebieten

Fleckendelfin – Foto: Wolfgang Zimmel/pixabay

Bereits im Juli 2014 rief die schottische Regierung 30 neue Schutzgebiete aus. Hier leben Kaltwasserkorallen, Delfine, Wale, Riesenhaie und zahlreiche Seevogelarten.

Spanien und Portugal schützen Seeberge

Spanien wiederum meldete 43 neue Schutzzonen. In der Folge kündigte Portugal die Ausweisung von zwei großen Seebergkomplexen an. Darin liegen zum einen die Große Meteorbank und zum anderen die Gorringebank. Beide zeichnen sich durch ihre Größe aus. Zusammen umfassen sie eine Fläche von rund 250.000 Quadratkilometern. Das entspricht in etwa der Fläche Großbritanniens.

Seeberge, mit ihren vielen unterschiedlichen Lebensräumen, sind Schatzkammern der Unterwasserwelt. Auch eine der von Spanien erklärten Schutzzonen ist ein Seeberg. Es handelt sich um die Galizienbank. Sie liegt etwa 200 Kilometer westlich der spanischen Küste.

Einige der neuen EU-Meeresschutzgebiete

Nordöstlicher Färöer-Shetland-Kanal (North-East Faroe Shetland Channel) – Schottland

Ein im äußersten Nordosten Schottlands gelegenes Tiefseegebiet mit großer Artenvielfalt. Es ist das größte von Schottland ausgewiesene Schutzgebiet. Damit auch das größte in der EU. Meeresströmungen transportieren hier viel Nahrung. Zudem gibt es dynamische Mischwasserzonen aus wärmerem Atlantikwasser und kühleren arktischen Gewässern.

Neues EU-Meeresschutzgebiet Nordöstlicher Färöer-Shetland-Kanal, Finnwal.

Finnwal – Quelle: Wikimedia commons

Außerdem zeichnet sich das Gebiet durch ein starkes Höhengefälle aus. Es reicht vom oberen Kontinentalshelf bis in die Tiefe des Kanals. Dadurch bietet es viele unterschiedliche Lebensräume.

Hier lebt auch eine der ältesten Lebensformen der Erde: Tiefseeschwämme. Bis zu 50 verschiedene Arten finden sich in Tiefen von 400 bis 600 Metern. Sie bieten wiederum vielen anderen Meeresbewohnern ein Zuhause. Außerdem sind sie ein wichtiger Schutz für Jungfische. Der Färöer-Shetland-Kanal liegt zudem auf den Wanderrouten vieler Meeressäuger, darunter Pott- und Finnwale.

Rosemary Bank Seeberg (Rosemary Bank Seamount) – Schottland

Pottwal mit Freediver.

Foto: Willyam

Der Seeberg liegt in der Tiefsee vor Westschottland. Er entstand aus einem lange erloschenen Vulkan und erhebt sich bis zu tausend Meter über den Meeresboden.

Das neue EU-Meeresschutzgebiet Rosemary Bank Seamount ist ein Biodiversitäts-Hotspot. Es gibt Kaltwasserkorallen. Die unterschiedlichsten Fischarten und ihr Nachwuchs leben hier. Darunter Tiefseefische wie Granatbarsche. Sie werden über 160 Jahre alt.

Tiefseefische sind schnell durch Überfischung gefährdet. Zum Beispiel erreichen Granatbarsche erst mit etwa 20 Jahren die Geschlechtsreife.

Außerdem liegt der Seeberg auf den Wanderrouten von Pottwalen und von Finnwalen.

Galizienbank (Banco de Galicia) – Spanien

Die Banco de Galicia ist ein riesiger, etwa 200 Kilometer westlich der spanischen Küste gelegener Seeberg im Nordatlantik. An ihren flachsten Stellen liegt die Galizienbank nur knapp 600 Meter unter der Wasseroberfläche. Ihre Hänge jedoch reichen bis in 5000 Meter Tiefe.

Kaltwasserkorallen - Lophelia pertusa.

Kaltwasserkorallen wie diese Kolonie von Lophelia pertusa bilden keine Symbiose mit Fotosynthese betreibenden Zooxanthellen. Sie sind bei der Ernährung ganz auf sich allein gestellt. Image courtesy of Lophelia II 2009: Reefs, Rigs, & Wrecks

Eine Besonderheit der Galizienbank sind Kaltwasserkorallenriffe. Sie zeichnet sich zudem durch ihre hohe Biodiversität aus. So leben hier Schokoladenhaie und Glattrochen. Beide Arten sind durch Fischerei bedroht. Außerdem gibt es zahlreiche verschiedene Krebstiere. Schwämme. Schlangensterne. Mindestens zehn weitere Tiefseehaiarte. Unzählige andere Fischarten.

Bedauerlicherweise wird bei der Galizienbank noch mit Langleinen nach Tiefseehaien gefischt. Dieser Raubbau könnte nun ein Ende haben. Allerdings nur, wenn die spanische Regierung Fangverbote erlässt.